Die Quadrille Française ist ein französischer Tanz für vier Paare, die sich in einem Quadrat gegenüberstehen, wobei sich die Damen immer rechterhand der Herren befinden. Die Paare interagieren gemeinsam in fünf oder sechs Figuren nach einer festen Choreographie. Im Folgenden wird in zwei Teilen die Entstehung der für rund ein Jahrhundert die Tanzwelt prägenden Quadrille Française behandelt, ihre Struktur sowie Veränderungen in der Ausführung im Laufe des 19. Jahrhunderts bis hin zur heute in Wien als Mitternachtsquadrille bekannten Version in Longways-Formation.
Unberücksichtigt bleiben die Variationen der Choreographien der einzelnen Figuren, die seit ihren Etablierungen diversen Veränderungen nach dem jeweiligen modischem Geschmack und den individuellen Interpretationen der Tanzmeister unterworfen waren.
Vorläufer der Quadrille Française
Der Weg zur Quadrille Française ist komplex und zieht sich über Jahrzehnte hin. Entwicklungsstränge verlaufen parallel, verschmelzen, die Resultate unterliegen wiederum externen Einflüssen, bis sich letztendlich Anfang des 19. Jahrhunderts der Name für eine bestimmte Tanzabfolge manifestiert hat. Hier wird im Folgenden ein erster Blick auf die tanzhistorischen Vorläufer geworfen.
Contredanse
Im späten 17. Jahrhundert fanden die englischen, in Linien getanzten Country dances mit ihren mannigfaltigen Figuren begeisterte Aufnahme in die französischen Gesellschaft, bildeten sie doch einen willkommenen Kontrast zu den Paartänzen am Hof und den veralteten, in Ketten getanzten Branles.1 Jacques Bonnet erinnert sich in seiner 1724 veröffentlichten „Histoire générale de la danse“:
J’ai oui dire à nos fameux Danseurs que l’usage des contre-danses nous vient d’un Maitre à danser d’Angleterre , arrivé en France il y a douze ou quinze ans; elles passent chez cette nation pour des danses de contrée: mais dans leur origine, elles passoient chez les Anciens pour des danses renversées, comme nous avons dans la Musique l’usage de la fugue & de la contre-fugue.2
Bei dem erwähnten Tanzmeister handelte es sich vermutlich entweder um den Engländer Francis Thorpe, bekannt als Mr. Isaac, der einen entsprechenden Tanz auf einem Hofball in Fontainebleau eingeführt haben soll,3 oder um André Lorin, Mitglied der „Académie royale de danse“, der 1685 und 1688 seine Erfahrungen einer Englandreise in zwei Manuskripten niederschrieb – „Livre de Contredance“ und „Liure De Contredance presenté du Roi“ –, in denen er einen Überblick über die Praxis der Tänze in England und Beispiele in einer eigenen Notation lieferte.4 Die englische Bezeichnung country dance, die die Tanzform als eine ländlich-bäuerliche charakterisierte, gibt Lorin darin französisiert als Contredanse wieder (zu deutsch Kontra- oder Kontertanz) und verweist damit – eventuell als Folge eines sprachlichen Missverständnisses? – auf die paarweise Aufstellung gegenüber.



Cotillon
Beeinflusst von den neuen englischen Tänzen entwickelte sich am französischen Hof der Contredanse française oder Cotillon. Kennzeichen dieser Tanzform ist die quadratische Aufstellung der Paare. In der Tanzforschung wird diese Form allgemein von den Branles abgeleitet, basierend auf der Publikation eines Cotillon von Raoul-Auger Feuillet von 1705, in der dieser schrieb:
„Le Cotillon, quoi che Danse ancienne, est aujordhui si a la mode a la Cour […], c’est une manière de branle à quatre que toutes sortes de personnes peuvent danser sans meme avoir jamais appris.“
Auch die Musik bezeichnete er als Branle.5 Allerdings fehlen belastbare Nachweise für Quadratformationen in Branles; der These, dass die schon bei John Playford seit mindestens 1675 überlieferten quadratischen Tänze die Entstehung des Cotillons beeinflussten, worauf schon Cecil Sharp hingewiesen hat, widersprach der Ethnologe Jean-Michel Guilcher.6
Eine andere Erklärung zum Cotillon gibt Rudolph Voss, jedoch ohne Quellenangabe und weitere Kontextualisierung:
2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Wahrscheinliche Abstammung: ein alter Tanz, worin ein Tänzer vortanzte und der mit Gesang u. a. mit dem Refrain: ‚ma commère quand je danse, mon cotillon va-t-il bien‘ begleitet wurde.7
Dass es sich hierbei um einen alten Volkstanz gehandelt habe, wie Voss behauptete, ist ungesichert; die dazugehörige Musik war zumindest zu dieser Zeit populär und wurde Jahre später unter anderem durch den Franzosen Nicolas Chédeville überliefert.8 An anderer Stelle verweist Voss, erneut ohne Quellenangabe, auf die Ähnlichkeit mit dem Menuett, die nicht von der Hand zu weisen ist:
Aus dem Jahre 1755, ungefähr das seiner Einführung in Deutschland, heißt es: ‚Nach der allgemeinen Art besteht der Cotillon zumeist aus den Figuren der Menuet en quatre, oder der Menuet en huit. Die Cotillons werden bei großen Hochzeiten, Assembleen und Bällen stark getanzt, und sind, nächst den Englischen Tänzen die gebräuchlichsten, lustigsten und besten, weil vier und acht Personen mit einander tanzen können.‘9
Der Cotillon etablierte sich in Frankreich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts10 Er verbreitete sich von da aus unter dieser Bezeichnung oder alternativ als Contredanse (française) langsam in die umliegenden Länder. Diese Entwicklung spiegelt den gesellschaftlichen Wandel wider, weg von einem rein aristokratischen Vergnügen hin zum bürgerlichen Gesellschaftstanz.
Saltator 1802: „This kind of dance is of French origin, and is to them, what country dancing is to us.“11
Strukturell besteht ein Cotillon aus zwei Teilen, einer abwechselnden Aneinanderreihung von unterschiedlichen Figuren und einem gleichbleibenden Refrain. Diese Abfolge kennen wir aus vielen Tänzen, die schon bei Playford überliefert sind; als Beispiele seien hier nur „Upon a Summer’s Day“ und „Sellengers Round“ erwähnt. Eine derartige Konstellation weist auch der früheste bekannte Cotillon auf, den Feuillet in der schon oben erwähnten Ausgabe seiner kleinen Serie „Recueil de dances“ von 1705 abgedruckt hat.12 Der Tanz für zwei Paare beginnt mit einer Strophe (bei Feuillet „Couplet“ genannt; in englischsprachigen Publikationen ab den 1760ern „changes“), dem der „Refrain“ folgt (auf Englisch „figures“). Fünf weitere Strophen schließen sich an und der Tanz endet mit dem Refrain.
Weiterentwicklung zur Quadrille
Verwendung des Begriffes im Tanzkontext v.a. des 18. Jahrhunderts
Hinweis: Einen allgemeingültigen Überblick zu erhalten, ist ein schwieriges Unterfangen, da die Publikationen der Tanzmeister subjektiv sind und deren Wissenstand sowie Interpretationen wiedergeben. Hier werden im Folgenden exemplarisch möglichst verschiedene Textstellen herangezogen, um daraus letztlich eine Tendenz ableiten zu können.
Quadrille wird etymologisch vom spanischen „cuadrilla“ abgeleitet, welches wiederum vom lateinischen „quadrum“ (Viereck) abstammt.13 Im frühesten bekannten Beleg in Frankreich von circa 1580 bezeichnete es unspezifisch eine „troupe de combattants“.14 In einem Wörterbuch der „Académie française“ wird der Begriff 1777 folgendermaßen definiert15:
- la Q. (feminin): eine Gruppe Turnierreiter in einem carroussel16
- le Q. (maskulin): ein Kartenspiel für vier Personen, abgeleitet aus dem spanischen Spiel L’Hombre
Es ist auffällig, dass Quadrille 1777 im Tanzkontext noch nicht etabliert zu sein scheint, obwohl der Begriff, wie unten gezeigt wird, schon in Gebrauch war. Zu beiden genannten Definitionen gibt es inhaltliche Überschneidungen. So könnten die gegeneinander angetretenen Turnierreiter symbolisch Pate für die Bezeichnung der gegensätzlichen Aufstellung im Tanz gestanden haben. Die Anzahl der Personen des Kartenspiels wiederum ist identisch mit der der Paare des Tanzes. Im 18. Jahrhundert existierten parallel beide Varianten, wie folgende Beispiele zeigen.
In der maskulinen Variante, so wie beim Kartenpiel und im französischen Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts, findet es sich beispielsweise schon in der mehrteiligen Publikation „Le répertoire des bals“ von De La Cuisse (veröffentlicht 1762–1765 in Paris). Im darin enthaltenen Tanz „Les Quadrilles“ des Pariser Tanzmeisters Jacques-François Deshayes heißt es in der zugehörigen Beschreibung: „Description de la Figure du premier Quadrille“ (Hervorhebungen, auch folgend, durch mich).17 Da die Komposition aus drei eigenständigen Kontratänzen besteht – die auch separat getanzt werden können, wie De La Cuisse schreibt –, könnte sich die Benennung le Quadrille hier auf die Anzahl der Tanzpaare beziehen, analog zur Zahl der Kartenspieler, aber auch auf die vier Seiten des Quadrates.
In seinen retrospektiv verfassten Memoiren erinnert sich Louis de Rouvroy, Herzog von Saint-Simon, an einen Maskenball in Versailles 1694:
Les dames y étoient partagées en quatre quadrilles, conduites par Mme la duchesse de Chartres, Mademoiselle, Madame la Duchesse, et Mme la princesse de Conti douairière. Malgré la mascarade, on commença par le branle, et j’y menai la fille unique du duc de la Trémoille […]. Elle étoit en moresse de la première quadrille, qui l’emporta par la magnificence, et la dernière par la galanterie des habits.18

Rouvroy bezeichnet hier als Quadrillen keinen Tanz, sondern vier nicht weiter definierte Gruppierungen, welche separat eine Branle beginnen; entsprechend verwendet er in diesem Sinne daher den weiblichen Artikel. Weitere, auch ältere Textstellen können den Befund bestätigen, andere lassen es offen, da im französischen Plural der Genus nicht ersichtlich ist. Daher ist es bei den Beispielen 2, 4 und 5 nicht grammatikalisch bestimmbar, lediglich aus dem Kontext zu vermuten:
- 1669: Isaac de Benserade, Ballet royal de Flore. Dansé par Sa Majesté, le mois de février 1669, Paris 1669, S. 34: „Deux Trompettes marchent à la teste de quatre Quadrilles […]. La Marche finie la Quadrille des Européens […].“
- 1724: Jacques Bonnet, Histoire générale de la danse, Paris 1724, S. 92: „après quoi des peuples de divers nations, chacun vétu a la maniere de son pays, danserent un Balet trèsagréable, composant quatre troupes ou quadrilles pour les quatre parties du monde.“
- 1751: Ballett, in: Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Bd. 13, S. 643: „On entend par quadrille, 4, 6, 8, & jusqu’à 12 danseurs vêtus uniformément, ou de caracteres différens, suivant l’exigence des cas. […] Chaque entrée étoit composée d’une ou plusieurs quadrilles, selon que l’exigeoit le sujet.“
- 1754: Louis de Cahusac, La Danse ancienne et moderne ou Traité historique de la danse: „On entendait par Quadrille, non seulement quatre, mais six, huit, et jusqu’à douze Danseurs vêtus uniformément, ou même de caractères différents, qui formaient des troupes particulières, lesquelles se succédaient, et faisaient ainsi succéder le cours de l’action. Il n’est point de genre de Danse, de sorte d’Instrument, de caractère de Symphonie qu’on n’ait eu l’adresse de faire entrer dans cette grande composition.“
- 1763: Mercure de France 1763, H. 6, S. 212-214 (Bericht über den ersten Hofball in Versailles am 17.1.): „Ce Ballet étoit divisé en 4 Quadrilles, desquels voici la distribution. [Le printemps, L’Éte, L’Automne, L’Hyver] Ces Quadrilles, dont les Personnages étoient vêtus dans le caractères propres à chaque Saison, entrerent sur une marche, à quelque distance l’un de l’autre, par le fond de la partie ceintrée de la salle, en face des loges de Leur MAJESTÉS. Chaque Quadrilles dansa successivement son Entrée, & elles se réunirent ensuite toutes les quatre dans une Entrée générale qui terminoit ce Ballet. Il fut applaudi par des battemens de mains réitérés. La Cour la redemanda, & il fut dansé une seconde fois dans ce même Bal.“
Differenzierung von Contredanse und Quadrille
1756 definiert Charles Pauli, Universitätstanzlehrer in Leipzig, in seinem Verzeichnis der Grundbegriffe der Tanzkunst Quadrille allgemein als: „Certain nombre des danseurs qui font une Entrée.“ Ganz im Sinne der vorher aufgeführten Zitate spricht er hier von einer nicht näher bestimmten Gruppe von Tanzenden, die gemeinsam eine Entrée ausführt. Wenige Seiten später definiert er den Begriff ein zweites Mal, nun in einem speziellen Verzeichnis der Begrifflichkeiten der Contredanses: „Cottillon à quatre. Angloise entamée par quatre personnes.“19
Um diese Aussage verstehen zu können, muss man wiederum die von ihm verwendeten Bezeichnungen näher betrachten. Unter Cotillon versteht Pauli einen „Contre-danse françoise“; „Le nombre est fixé à quatre couples ou huit personne; si ce n’est un cottillon à six, à quatre ou à trois” (S. 69). Eine Angloise ist für ihn ein „Contre-danse de la façon des anglois“; weiter unten führt er spezieller aus: „une danse de plusieurs personnes qui dansent l’une contre l’autre par de petites figures qui sont toujours reprises“ (S. 66). Zusammen mit den Beschreibungen auf den Folgeseiten lässt sich daraus vermuten, dass Pauli unter einer Quadrille ein Cotillon für vier Paare versteht, die im Quadrat stehen und von denen zwei gegenüberstehende Paare den Tanz beginnen.20 Alternierend werden Strophen und Refrains getanzt. Am Ende der Figuren stehen alle wieder am Ausgangspunkt, d.h. im Gegensatz zu den englischen Longways gibt es keine Progression.
In einem Großteil der Cotillons z.B. in der Publikation von De La Cuisse starten tatsächlich alle vier Paare gleichzeitig, so dass hierin der Unterschied gelegen haben könnte. Schauen wir uns hierfür „Les Quadrilles“ von Deshayes im Detail an:
Ces figures de Contredanses sont extraite du divertissement du Bal que se trouve dans le 5e. acte de la Commedie du Bourgeois Gentilhomme, elles nous ont été communiquées par Mr. Deshayes, Mtr. de Balets du Théâtre François, qui ayant approuvé nôtre Chorégraphie nous á permis de les inserer dans nôtre Recueil. Nous pensons que puis qu’elles ont fait l’applaudissement du Public au Théâtre elles ne peuvent étre que trés bien reçuës de la Jeunesse qui les y à vú danser avec plaisir.
Chacune des figures de ses Cadrilles peuvent etre dansées séparement et faire elles seules une Contredanse, où bien les allier toutes trois on Rondeau, vulgairement appelée Pot-pouri. C’est-à-dire qu’après le grand Rond, ayant fait la premiere figure, appellée les Bourgeois, l’on donne la main et de suite, la seconde nommée l’Inconstance, puis les deux mains et la troisieme désigné par le Bataillon quarré et après le Moulinet des Dames, l’on reprend la premiere, les Bourgeois, et ainsi de suite; Ce qui formera une agreable variété de figures, et par consequent chaque figure sera répéter trois fois, pour les neuf tours de la Contredanse.
Ceux qui ne voudront pas le danser ainsi pòuront comme je lay dit prendre telle de ces trois figures qu’ils voudront et la danser seule pendant les 9 tours comme une Contredanse ordinaire.21
Im Text erwähnt De La Cuisse explizit, dass der Tanz aus drei Einzeltänzen besteht, worauf auch der verwendete Plural im Titel verweist. Jeder für sich allein wäre ein Kontratanz, zusammengenommen bilde es ein Potpourri. Damit wird hier, wenn auch in zahlenmäßig reduzierter Form, eine für spätere Quadrillen typische Konstellation vorweggenommen.



Die ebenfalls bei De La Cuisse abgedruckte Quadrille Allemande „La Malvielle“ des Pariser Tanzmeisters Joly ist jedoch wieder ein „normaler“ einstrophiger Kontratanz. Doch ein kleines Detail weicht bei beiden Choreographien von den anderen ab. In der Einleitung seiner Publikation hat De La Cuisse eine Abbildung der Aufstellung der Paare im Quadrat beigefügt. Er nummeriert diese generell entgegen dem Uhrzeigersinn, d.h. dem Paar 1 steht das Paar 3 gegenüber. In den genannten Quadrillen ist das jedoch anders. In der ersten Figur, in der die Kopf- und Seitenpaare gleichzeitig etwas Unterschiedliches tanzen (also nicht bei einer rond), werden diese mit Buchstaben gekennzeichnet; Paar A und B sowie Paar C und D stehen sich jeweils gegenüber!22

Warum das so ist, ist unklar, da auch bei anderen Contredanses oft Kopf- und Seitenpaare zur selben Zeit unterschiedliche Figuren vollführen, ohne dass die Paarnummern variieren. Kann es daher einfach nur Zufall sein, dass dies bei den einzigen beiden Quadrillen, die De La Cuisse in der Publikation aufgenommen hat und die noch dazu von unterschiedlichen Tanzmeistern stammen, auftritt? Dass es sich hierbei um ein Versehen der Druckerei handelt, ist unwahrscheinlich, da sämtliche Blätter des Werkes bei der Musikalienverlegerin Marie-Anne Castagnery23 in Paris entstanden sind. In den von mir bislang untersuchten zeitgenössischen Tanzanleitungen konnte ich keine vergleichbare Abweichung feststellen, so dass es eventuell eine Eigenheit der dahinterstehenden beiden Zeichner gewesen sein könnte, die sich stilistisch voneinander unterscheiden lassen.
Der französische Tanzmeister und Choreograph Magny beschrieb 1765, also in etwa zeitgleich zu De La Cuisse, in seinem Werk „Principes de chorégraphie“ den Tanz „Le Quadrille“, der – analog zum Menuet à quatre – nur für zwei Paare gestaltet war. Der knappen Beschreibung zufolge habe Magny den Tanz aus folgendem Grund choreographiert:
Le but de l’Auteur, en composant cette danse, n’a été que de la rendre instructive, en y insérant tous les pas les contredanses; c’est pourquoi il l’a tracée à quatre, à cause de son utilité, pour animer davantage à la figurer. Ainsi quiconque la dansera en faisant les pas exactement, pourra danser proprement toutes sortes de contredanses.24

Zu Übungszwecken konzipierte er den 11-figurigen Contredanse für zwei Paare, die sich gegenüberstehen und die Figuren gleichzeitig absolvieren, teils symmetrisch, teils gespiegelt. Der Titel seiner Choreographie dürfte hier auf die Vierzahl der Tanzenden verweisen, die von den sonstigen im Buch veröffentlichten Zweipersonentänzen, abgesehen von einem Tanz für vier Paaren, abweicht (dadurch würde sich auch nach meiner obigen Definition der maskuline Artikel erklären). Magny verwendet den Begriff also anders als Pauli, obwohl auch bei ihm eine gegenüberstehende Aufstellung vorliegt.
Übereinstimmung zwischen den letztgenannten Tänzen, tituliert als Quadrillen, besteht anscheinend nur darin, dass es sich um Contredanses handelt, entweder für vier Paare oder für vier Personen. Die Verwendung des Begriffes Quadrille erfolgte mindestens bis in die 1760er Jahre noch uneinheitlich, basierend auf den älteren Bedeutungen als generelle, unbestimmte Tanzgruppe oder als Quartett. Als Variante war sie dem Contredanse untergeordnet und daher begrifflich mit diesem austauschbar, wie auch das folgende Beispiel von 1771 zeigt.

Le sieur Bony donne avis qu’il tiendra sa Salle tous les jours, pour donner les leçons de danse, dans la grande Salle du Jeu de Paume de la Corniére, rue Dinanderie, depuis cinq heures jusqu’à neuf heures du soir; il commencera Lundi prochain onze du mois de Novembre, & enseiguera toutes les Contredanses nouvelles & autres. Ceux qui souhaiteront qu’on leur enseigne chez eux les Quadrilles & toutes autres Contredanses, à la première requisition on aura l’honneur de se rendre à leurs ordres.25
Der Rouener Tanzmeister Bony bewarb die Eröffnung seines Tanzstudios mit den neuen Quadrillen (vgl. die Wiederholung „Contredanses nouvelles & autres“ und „Quadrilles & toutes autres Contredanses“), wohl um Interesse beim Zielpublikum zu wecken. Ob dieses schon mit dem Begriff etwas anfangen konnte, ist unklar, genausowenig was Bony darunter verstand. Bei Pauli und Deshayes klingt aus unserer retrospektiven Sicht hingegen schon die typische Struktur der Figuren der späteren Quadrille française an – zwei Kontrapaare führen eine Figur aus, die anderen wiederholen diese –, und alle Teilnehmenden enden, wie beim Cotillon, wieder an den Ausgangspositionen. Deshayes nimmt zudem mit seinem dreiteiligen Contredanse schon die spätere Mehrteiligkeit einer Quadrille vorweg.
Etablierung des Quadrillen-Kontratanzes
Der italienische Tänzer und Choreograph Gennaro Magri beschreibt acht Jahre später ein klareres Bild:
Con questa mia seria applicazione spero mettere nella nostra Italia un buon sistema ne‘ balli, introducendo le Contraddanze a quadriglia lavorate su ‚l tornio de‘ francesi; tra’ quali veramente regna il buon gusto della Danza: fede ne fan tanti insigni uomini in ogni specie di Ballo, che questa bell’ Arte ban raffinata.26
Magri beansprucht hier 1779 für sich, den „Kontratanz in Form einer Quadrille“ in Italien eingeführt zu haben. Er betont hierbei den hohen Stellenwert der Tanzkunst in Frankreich und impliziert, dass die Quadrille eine etablierte Tanzform darstellt. Anschließend erläutert er am Beispiel des „Contraddanza XXXVII“ den prinzipiellen Ablauf:
Sono otto Dame, ed otto Cavalieri due posti dirimpetto all‘ altre, stando le Dame alla dritta de’ Cavalieri. Principia la Contradanza dalli due primi, e dalli due terzi, presi a due per due per mani, che caminando di fronte s‘ incontrano nella piazza, e tornano all‘ istesso posto. L‘ istesso fanno li due secondi, e li due quarti nella seconda figurazione.
[…]
Questa Contraddanza è un Rigodonne alla Francese, fatta a quadriglia. In una Sala, purchè sia capace, puol farsi questa Contraddanza a più quadriglie: cioè farsi più piazze con la medesima Danza, siccome de‘ Minuetti si costuma.27

Bemerkenswert ist dabei Magris unmittelbare Ergänzung von „più quadriglie“ durch „più piazze“: Quadriglia bezeichnet hier also nicht lediglich eine Anzahl von Tänzern, sondern zugleich die einzelne räumliche Formation bzw. den Tanzplatz. Magris Aufstellung entspricht dabei dem auch bei De La Cuisse überlieferten Schema, d.h. dem Paar 1 steht Paar 3 und dem Paar 2 Paar 4 gegenüber. Die Kopfpaare beginnen die erste Figur, die Seitenpaare wiederholen, dann führen Herr 1 und Dame 2, anschließend Herr 2 und Dame 3 usw. die zweite Figur aus und so wird es langsam komplexer. Magris Definition gleicht damit der über 20 Jahre älteren von Pauli, dass eine Quadrille sowohl durch die quadratische Aufstellung als auch den Beginn zweier gegenüberstehender Paare gekennzeichnet ist. Und auch die bei De La Cuisse überlieferte geänderte Zählweise entspricht dieser Beobachtung, auch wenn Magri der alten folgt.
Neben dem schon bekannten formalen Verweis auf das Menuett bringt Magri hier zudem einen Zusammenhang zum lebhaften, französischen Rigaudon ins Spiel. Im späten 18. Jahrhundert war der Tanz allerdings schon aus der Mode gekommen, der daraus abgeleitete pas de rigaudon jedoch noch Bestandteil vieler Tänze.
Als letztes Beispiel zitiere ich aus dem Buch „Tableau de Paris“ des französischen Schriftstellers Louis-Sébastien Mercier, in dem sich dieser 1782 wenig schmeichelhaft über die Pariser Oper und ihre Ballgäste auslässt, mit einer Ausnahme:
La seule chose que l’on exécute à Paris gravement, & comme s’il s’agissoit de l’affaire la plus importante, c’est un quadrille. J’ai été stupéfait de la dignité qu’on y mettoit.
On sait que l’on envoie une poupée pour servir de modele chez l’étranger; mais sait-on que dans une lettre on envoie le plan d’un ballet, d’une contre-danse variée par mille figures, ou d’un quadrille nouveau, pour le faire exécuter avec justesse & précision à cinq cents lieues de distance?28
Für Mercier, einem Fachfremden, ist die Quadrille nun tatsächlich eine eigenständige Tanzgattung, eine selbständige und würdevolle Choreographie, die parallel zum Ballett und Kontratanz existiert; der Zusatz „un quadrille nouveau“ könnte hierbei auf die noch junge Etablierung hindeuten. Damit bestätigt Mercier den Eindruck, den Magri drei Jahre zuvor hinterlassen hat.
Zusammenfassung
Aus dem Zusammengetragenen lässt sich schließen, dass sich im späten 18. Jahrhundert eine Verwendung von Quadrille als Bezeichnung einer Unterform des Kontratanzes für vier Paare herausbildete, die sich im Quadrat aufstellten. Deren Ursprung liegt in englischen Countrydances, die sich in französisierter Form – den Contredanses françaises oder Cotillons – weiterentwickelten und den älteren Begriff Quadrille übernahmen, wobei sich beide sprachlich und etymologisch voneinander abweichenden Varianten im Laufe der Zeit vermischten. Die Entwicklung verlief dabei nicht linear, sondern zeigt, dass die älteren Bezeichnungen für Gruppen, Formationen und Tänze auf unterschiedliche Weise auf die neue Praxis übertragen wurden.
Strukturelles gemeinsames Kennzeichen der hier betrachteten Quadrillen ist, dass, nach einer gegebenenfalls gemeinsamen ronde, zuerst die Kopfpaare eine Figur vollführen, dann wiederholen die Seitenpaare diese. Weitere Figuren schließen sich an (bei Magri insgesamt 53, wobei viele doppelt sind), die auch aus eigenständigen Tänzen bestehen können, innerhalb derer das Zusammenspiel mit den anderen Paaren komplexer wird. Am Ende stehen Alle wieder auf ihrer Ausgangsposition.
Die Bezeichnung Quadrille française und ihr neuartiges Konzept einer festen zyklischen Suite, bestehend aus einzelnen Figurentänzen, existiert gegen Ende des 18. Jahrhunderts allerdings noch nicht. Erste Tänze wie „Le Quadrilles“ von Deshayes durchbrechen immerhin das starre Schema des in sich geschlossenen Einzeltanzes. Wann die einzelnen sechs Figuren entstanden und seit wann die zusammenhängende Suite überliefert ist, wird im zweiten Teil analysiert. Ohne auf die Choreographien der Einzelteile einzugehen werden zudem Veränderungen der Struktur des im ganzen 19. Jahrhundert populären Tanzes als auch des verwendeten Schrittmaterial thematisiert.
- Vgl. hierfür Anne Daye, The Cotillon: its origins, development and demise, in: Historical Dance 4 (2022), S. 25–38, speziell S. 25-27. Ein Großteil der im folgenden genannten Publikationen kann online über den Katalog der „Bibliothèque nationale de France“ abgerufen werden; daher stammen auch die Abbildungen, sofern nicht anders gekennzeichnet. ↩︎
- Jacques Bonnet, Histoire générale de la danse, Paris 1724, S. 135. Die Übersetzung lautet: „Ich habe von unseren berühmten Tänzern gehört, dass der Brauch der Kontratänze von einem Tanzmeister aus England stammt, der vor zwölf oder fünfzehn Jahren nach Frankreich kam; in dieser Nation gelten sie als Volkstänze; ursprünglich jedoch galten sie bei den Alten als Gegen-Tänze, so wie wir in der Musik den Gebrauch der Fuge und der Kontrafuge kennen.“ ↩︎
- Vgl. Jennifer Thorpe, The Gentleman Dancing-Master: Mr Isaac and the English Royal Court from Charles II to Queen Anne, Liverpool 2024. ↩︎
- Ebd., S. 141. Die Datierung folgt der „Bibliothèque nationale de France“. Die von Lorin entwickelte Notation beeinflusste maßgeblich die später erfolgreiche Notationsschrift von Pierre Beauchamp und Raoul-Auger Feuillet. ↩︎
- Raoul-Auger Feuillet, IIIe Recueil de dances de bal pour l’année 1706, Paris 1705, Vorwort. Gemäß Daye sei der Verweis auf einen alten Tanz ein übliches Vorgehen, um diesen zu etablieren; vgl. Daye 2022 (wie FN 1), S. 25. Ebenda schrieb sie mit Verweis auf Richard Semmens, dass der Gavotte-Takt, den die Musik aufweist, häufiger bei den Branles anzufinden sei, was möglicherweise Feuillets Bemerkung erklären könnte. ↩︎
- Ebd. mit Verweis auf Jean-Michel Guilcher, La Contredanse. Un tournant dans l’histoire française de la danse, Pantin 2003. In Playfords „The English Dancing Master“ von 1675 finden sich fünf Tänze für jeweils vier Paare im Quadrat, wobei die Damen hier links der Herren stehen. Es handelt sich um: „Backingham-House or Chelsey Retrat“, „Parthenia, or Fain I would”, „Hunsdon-House”, „Dull Sir John” und „Oranges and Limons” (S. 151-155). ↩︎
- Rudolph Voss, Der Tanz und seine Geschichte. Eine kulturhistorische-choreographische Studie, Berlin 1869, S. 321. Im „Le Grand Dictionnaire de l’Académie françoise, dédié au Roy” in der zweiten Ausgabe von 1695, Bd. 1, S. 156, findet sich unter dem Eintrag Cotillon nur die Bedeutung „Cotte de dessous” (Untergewand einer Frau). In der dritten, erweiterten Ausgabe von 1740, Bd. 1, S. 381, erscheint erstmals ein Hinweis auf einen Tanz: „C’est aussi une sorte de danse”. ↩︎
- Vgl. https://laine.artsci.utoronto.ca/folkdans/misc/cotillon_a_quatre_en.htm, abgerufen am 30.07.2026. ↩︎
- Voss 1869 (wie FN 7), S. 334. ↩︎
- Vgl. Daye 2022 (wie FN 1), S. 27, für weitere Tanzbeispiele. ↩︎
- Saltator, A Treatise on Dancing, Boston 1802, S. 78. ↩︎
- Vgl. Feuillet 1705 (wie FN 5), S. 1-12. ↩︎
- Vgl. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, „Quadrille” (https://www.dwds.de/wb/Quadrille), abgerufen am 18.8.2026. ↩︎
- Vgl. https://www.portail-lexical.fr/etymologie/quadrille, abgerufen am 11.08.2026. ↩︎
- Vgl. Académie française (Hrsg.), Dictionnaire de l’Académie françoise, Bd. 2, Nîmes 1777, S. 362. ↩︎
- Carroussel wiederum bezeichnete eine Art Turnier zwischen mehreren Rittergruppen, die sich durch ihre Gewänder unterschieden; es konnte auch nur den Schauplatz des Turnieres bezeichnen; ebd. S. 164. ↩︎
- De la Cuisse, Le Repertoire des Bals. Ou Theorie-Pratique des Contredanses, Paris [um 1762-1765], Bd. 2, H. 11, Blatt 54. In Bd. 5, H. 15, Blatt 78, findet sich eine weitere Quadrille: „La Malvielle. Quadrille Allemande, dedié a Madame la Marquise de Malvielle” vom Pariser Tanzmeister Joly. ↩︎
- Louis de Rouvroy, Mémoires du duc de Saint-Simon, Bd. 1, 1691-1701, um 1739-1749, S. 48 (handschriftliches Manuskript; einige Abkürzungen sind im Text aufgelöst). Die Übersetzung lautet: „Die Damen waren dort in vier Quadrillen aufgeteilt, angeführt von der Herzogin von Chartres, Mademoiselle, der Herzogin und der verwitweten Prinzessin von Conti. Trotz der Maskerade begann man mit der Branle, und ich führte dabei die einzige Tochter des Herzogs von La Trémoille […]. Sie tanzte als Mohrin in der ersten Quadrille, die durch ihre Pracht bestach, und die letzte [Quadrille bestach] durch die Eleganz der Kostüme.” Auf diese Stelle verweist das etymologische Online-Lexikon (vgl. FN 14), allerdings fehlerhaft. ↩︎
- Charles Pauli, Elemens de la danse, Leipzig 1756, S. 22 und 29. ↩︎
- Seine Bezeichnung „Cottillon à quatre“ ist allerdings nicht ganz eindeutig, da sie sich in Analogie zu Menuet à quatre auch auf die Personenanzahl beziehen könnte. Jedoch wäre die nachfolgende Spezifizierung, dass vier Personen den Tanz beginnen, dann nicht notwendig. Weitere Textstellen deuten zudem daraufhin, dass Pauli ohne spezielle Erwähnung einer Einheit grundsätzlich von Paaren spricht, während „personnes” immer genannt werden. ↩︎
- Vgl. FN 17. Die Übersetzung lautet: „Diese Figuren aus den Contredansen stammen aus dem Ball-Divertissement im 5. Akt der ‚Comédie du Bourgeois Gentilhomme‘; sie wurden uns von Herrn Deshayes, dem Ballettmeister des Théâtre François, zur Verfügung gestellt, der unsere Choreografie gutgeheißen und uns gestattet hat, sie in unsere Sammlung aufzunehmen. Wir sind der Meinung, dass sie, da sie im Theater den Beifall des Publikums gefunden haben, von der Jugend, die sie dort mit Vergnügen tanzen sah, nur sehr gut aufgenommen werden können.
Jede der Figuren seiner Cadrilles kann einzeln getanzt werden und bildet für sich allein einen Contredanse, oder man kann alle drei zu einem Rondeau kombinieren, das im Volksmund „Pot-pouri“ genannt wird. Das heißt, nach dem großen Rond, nachdem man die erste Figur, die sogenannten „Bourgeois“, getanzt hat, reicht man sich die Hand und tanzt anschließend die zweite Figur, die „Inconstance“ genannt wird, dann gibt man sich beide Hände und tanzt die dritte Figur, die als „Bataillon quarré“ bezeichnet wird, und nach dem „Moulinet des Dames“ kehrt man zur ersten Figur, den „Bourgeois“, zurück und so weiter; dadurch entsteht eine angenehme Abwechslung der Figuren, und folglich wird jede Figur dreimal wiederholt, entsprechend den neun Runden des Contredanse.
Wer diesen Tanz nicht auf diese Weise tanzen möchte, kann, wie ich bereits sagte, eine dieser drei Figuren auswählen und diese während der neun Runden allein tanzen, wie bei einem gewöhnlichen Kontratanz.“ ↩︎ - In einer anderen Zusammenstellung von Kontratänzen des späten 18. Jahrhunderts in der Library of Congress findet sich ebenfalls „Le Bataillon carré“ mit dem Hinweis: „3e. Contre danse du Cadrille de M. Deshayes“. Abgesehen davon, dass die Choreographie von der bei De La Cuisse abweicht, fehlen hier auch die abweichenden Nummerierungen. ↩︎
- Zur Verlegerin vgl. https://digital.inha.fr/contredanses/s/contredanses/item/29?page=17, abgerufen am 13.8.2026. ↩︎
- Claude-Marc Magny, Principes de chorégraphie (1765), Réimpression de l’édition de Paris, Genf 1980, S. 189; Übersetzung: „Das Ziel des Autors bei der Komposition dieses Tanzes war es lediglich, ihn lehrreich zu gestalten, indem er alle Schritte der Kontratänze darin einfließen ließ; deshalb hat er ihn aufgrund seines Nutzens für vier Personen konzipiert, um die Ausführung noch lebendiger zu gestalten. So wird jeder, der ihn tanzt und dabei die Schritte genau ausführt, alle Arten von Kontratänzen korrekt tanzen können.” Bei Félicien de Ménil, Histoire de la Danse. À travers les Âges, Paris [1905], S. 187f., ist der Text leicht fehlerhaft wiedergeben, was aber am Inhalt nichts ändert. ↩︎
- Annonces, affiches, et avis divers de la Haute et Basse Normandie, Nr. 45, 8.11.1771, S. 177. Übersetzung: „Herr Bony teilt mit, dass er täglich im großen Saal des Jeu de Paume de la Cornière in der Rue Dinanderie von fünf bis neun Uhr abends Tanzunterricht erteilen wird; er beginnt am kommenden Montag, dem 11. November, und wird alle neuen Kontratänze sowie weitere Tänze unterrichten. Wer sich wünscht, dass ihm die Quadrillen und alle anderen Kontratänze zu Hause beigebracht werden, dem werden wir auf erste Anfrage hin gerne zu Diensten sein.“ ↩︎
- Gennaro Magri, Trattato teorico-prattico di ballo, Neapel 1779, Teil 2, S. 4. Übersetzung: „Mit diesem ernsthaften Vorhaben hoffe ich, in unserem Italien ein gutes Tanzsystem zu etablieren, indem ich die nach französischer Art ausgearbeiteten Quadrille-Kontratänze einführe; unter diesen herrscht wahrlich der gute Geschmack des Tanzes: Davon zeugen so viele angesehene Persönlichkeiten in jeder Art von Tanz, dass diese schöne Kunst wahrlich sehr raffiniert ist.“ ↩︎
- Ebd. S. 81 und 84. Übersetzung: „Es sind acht Damen und acht Herren, die sich jeweils gegenüber stehen, wobei die Damen rechts von den Herren stehen. Der Kontratanz beginnt mit den ersten beiden und den dritten beiden Paaren, die sich paarweise an den Händen fassen, einander entgegengehen, sich auf der Tanzfläche treffen und dann wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren. Dasselbe tun die zweiten beiden und die vierten beiden Paare in der zweiten Figur.
Dieser Kontradanz ist ein Rigaudonne nach französischer Art, der als Quadrille getanzt wird. In einem Saal, sofern dieser groß genug ist, kann dieser Kontradanz in mehreren Quadrillen getanzt werden: Das heißt, es können mehrere Flächen mit demselben Tanz gebildet werden, wie es bei den Menuetten üblich ist.“ ↩︎ - Louis-Sébastien Mercier, Tableau de Paris, Bd. 3, 2. Aufl., Amsterdam 1782, S. 129. Die Übersetzung lautet: „Das Einzige, was man in Paris mit großer Ernsthaftigkeit und als wäre es die wichtigste Angelegenheit überhaupt ausführt, ist eine Quadrille. Ich war verblüfft über die Würde, mit der man dabei vorging.
Man weiß, dass man eine Puppe ins Ausland schickt, die dort als Vorbild dienen soll; aber weiß man auch, dass man in einem Brief den Entwurf eines Balletts, eines mit tausend Figuren abwechslungsreichen Kontratanzes oder einer neuen Quadrille mitschickt, damit diese in einer Entfernung von fünfhundert Meilen korrekt und präzise aufgeführt werden können?“ ↩︎


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