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Società per la Difesa di Firenze Antica / Verein zur Verteidigung von Alt-Florenz
1898 verkündete ein Artikel in der „Deutschen Bauzeitung“, dass die Florentiner Stadtverwaltung neue bauliche Maßnahmen im Zentrum plane, und erinnerte „mit Schmerzen [an] die grundlegenden Umgestaltungen“, welche ab 1885 zur Zerstörung eines Teils des Stadtzentrums geführt hatten. Nun gebe es die Absicht, die Via delle Terme mit einem breiten Strassenzuge zu durchqueren und zu vernichten; die eine Seite der Via Por Sa. Maria soll ihre alten Paläste verlieren und es soll selbst die Absicht bestehen, den Ponte Vecchio zu modernisiren. In der Via Romana haben bereits in weitem Umfange Häuserniederlegungen begonnen. [Nicht genug,] dass man die schöne Via dei Servi…

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Die Fassade des Domes – Teil 2
(Für den ersten Teil klickt hier) Neues Interesse Die Herstellung einer Facade für den Florentiner Dom, eine Aufgabe, welche das Mittelalter und die Renaissance ungelöst unserem Zeitalter überliessen, hat im Laufe der letzten Jahrzehnte die Architekten- und Künstlerkreise ganz Europas zu verschiedenen Malen beschäftigt. Vermischtes, Das Projekt für die Facade des Domes, Deutsche Bauzeitung (=DB), Nr. 22, 1871, S. 174-175 Das ansteigende Interesse an gotischen Monumentalbauten und (Re-)Konstruktionen im historischen Stil hatte, worauf das Zitat anspielt, ab dem frühen 19. Jahrhundert Architekten bewogen, sich auch mit der Neugestaltung der Florentiner Domfassade zu beschäftigen. Einen Entwurf präsentierte beispielsweise 1822 der Italiener Giovan…

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Die Fassade des Domes – Teil 1
Viele Besucher der schönen Stadt Florenz, die ein Rundgang natürlich auch zum Dom führt, sind beeindruckt von dem Bauwerk. Sie stehen lange vor der Westfassade, wo sich der Eingang befindet, und betrachten die Details. Aber wusstet Ihr, dass es sich bei der Fassade sozusagen um einen Neubau handelt? Warum überhaupt eine reichverzierte Westfassade? Viele mittelalterliche Kirchen des Abendlandes sind aus liturgischen Gründen ungefähr geostet, d.h. zur aufgehenden Sonne ausgerichtet. Diese wortwörtliche Orientierung (von lateinisch oriens, d.h. Osten) steht symbolisch für die Hinwendung zu Jesus Christus, der wie der Sonnenaufgang das Licht (des Glaubens, die „Erleuchtung“), sowie nach Jerusalem. Um den…

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Mittelalterliche Skyscraper
Schaut man sich beim Flanieren in Florenz die alten Gebäude im Stadtzentrum an, findet man häufiger Reste von Türmen. Was es mit diesen im deutschen Sprachgebrauch als „Geschlechtertürme“ bezeichneten Bauwerken auf sich hat und seit wann diese die Stadt beziehungsweise einen Großteil der Toskana „bevölkern“, könnt Ihr im folgenden Beitrag lesen. Einleitung – Türme Turmbauten lassen sich schon seit Tausenden von Jahren nachweisen: Ob der Turm von Jericho – mit rund zehntausend Jahren das bisher älteste bekannte Beispiel –, die mesopotamischen Zikkurate oder der Leuchtturm von Pharos, schon früh wollte der Mensch architektonisch hoch hinaus. Er entwickelte hierbei ganz unterschiedliche…

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Mach es wie die Sonnenuhr…
zähl die heit’ren Stunden nur! Dieses deutsche Sprichwort gilt natürlich auch in Florenz, wo man, wenn man die Augen offen hält, entsprechende Zeitmesser in der Altstadt finden kann. Die wohl prominenteste Sonnenuhr findet sich an der Ecke eines Gebäudes in der Mitte der Ponte Vecchio. Sie besteht aus Marmor und weist zahlreiche Beschädigungen und Reparaturen auf. Auf einer mehrteiligen Basis steht eine achteckige Säule, bekrönt von einem Kelchknospenkapitell. Über einem vermutlich nachträglich eingefügten Ziegelstein kommt die eigentliche Sonnenuhr, ebenfalls auf einer Basis plaziert. Diese muss man sich als ursprünglich komplett rund vorstellen. Die konisch zulaufenden Säulchen im Innenkreis fungierten als…

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Buchette del vino – „Tabernakel des Weins“
Wenn man in Florenz die Wände alter Bauwerke mit den Augen „abscannt“, so wie ich mir das angewöhnt habe 😉, kann man viele Dinge entdecken: diverse moderne Formen von Street Art (z.B. Bilder und aufgeklebte Gedichte), alte steinerne Embleme und Inschriften von Zünften, Verboten und vieles mehr. Um eine weitere vor allem aus Florenz und Umgebung überlieferte Form, buchette genannt, soll es im Folgenden gehen… Damit werden kleine Löcher (il buco/ la buca = Loch, Öffnung) in der Hauswand bezeichnet, meistens in der Nähe von Fenstern oder Türen, die architektonisch oftmals wie kleine Portale gestaltet sind. Ihren Verwendungszweck geben einige…

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„Le Avventure Di Pinocchio“ und die Villa „Il bel riposo“
Kennt Ihr Carlo Lorenzini? Nein? Sicher ist Euch aber sein Pseudonym Carlo Collodi ein Begriff! Besagter Herr Collodi (24.11.1826 – 26.10.1890) war ein waschechter Florentiner, Journalist und Schriftsteller, der vor allem durch ein Werk berühmt wurde – Pinocchio. Die Fortsetzungsgeschichten um eine lebendig gewordene Holzfigur, die Lorenzini 1881/2 im „Giornale per i Bambini“ („Zeitung für Kinder“) unter dem Titel „Le Avventure Di Pinocchio. Storia Di Un Burattino“ („Abenteuer des Pinocchio: Geschichte eines Hampelmanns„) erstmals veröffentlichte, erfreuten sich einer derartigen Beliebtheit, dass Collodi 1883 beschloss, sie in Buchform zu veröffentlichen. Il bel riposo Einer Ehrentafel der Stadt Florenz zufolge fand Collodi…

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Russisch-orthodoxe Kirche
Kennt Ihr schon das im Titelbild teilweise sichtbare Bauwerk, welches sich an der Ecke der Via Leone X und der Viale Giovanni Milton befindet? Nein? Dann lest hier weiter… Die Idee für den Bau einer russisch-orthodoxen Kirche in Florenz geht auf die älteste Tochter von Zar Nikolaus I. Pawlowitsch zurück, der Großfürstin Marija Nikolajewna Romanowa. Doch erst infolge einer großzügigen Spende des Unternehmers Pawel Pawlowitsch Demidow konnte sechs Jahre später, 1879, der Architekt Pietro Berti mit der Ausarbeitung eines Entwurfes beauftragt werden. Der zuständige Pfarrer Wladimir Levitsky entzog diesem jedoch aus unbekannten Gründen zugunsten des russischen Architekten Michael Preobraschenski und…

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Giardino dell’Orticoltura
Der „Garten der Gartenkultur“ (orticultura ist abgeleitet aus dem lateinischen hortus, Garten, und cultura, Kultur), heute eine kleine beliebte „Naherholungsinsel“, befindet sich im Nordosten der Florentiner Innenstadt und entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zurück geht er auf mehrere über hundert Jahre früher gegründete Institutionen… Die Vorläufer 1716 bildete sich in Florenz die Società botanica fiorentina (Botanische Gesellschaft Florenz‘) zur Förderung der botanischen Kenntnisse. Mit Unterstützung eines Medici – natürlich! –, in diesem Fall Cosimo III., erhielt die Vereinigung die Sorge des schon lange bestehenden Giardino dei semplici (botanischer Garten in der Via Micheli 3) übertragen. Aus diversen Gründen war…

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Die Bienen Ferdinandos I.
Auf der Piazza della Santissima Annunziata befindet sich in gerader Sichtachse zum Dom, und daher nicht mittig, die Reiterstatue von Ferdinando I., Großherzog der Toskana von 1587 bis zu seinem Tode 1609. Abgesehen vom Zusammenhang Ferdinandos mit einer mysteriöserweise immer geöffneten Jalousie des Palazzo Grifoni/ Budini Gatai birgt die Plastik noch eine weiteres „Geheimnis“ – Bienen! Während auf der dem Dom zugewandten Vorderseite der Reiterstatue am Sockel die übliche Namensplakette angebracht ist, findet man auf der Rückseite auf einer Bronzetafel diese emsigen Insekten. Das Material der Tafel soll – nebenbei bemerkt – von Kanonen von eroberten türkischen Galeeren stammen, die…

