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Kleine Geschichte des Kulturgutschutzes
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Kulturgüter sind essenzielle Bestandteile des menschlichen Erbes. Historisch gab es zahlreiche Fälle massiver Kulturgut-Zerstörung aus ganz unterschiedlichen Motivationen heraus. Der Artikel skizziert die ersten Regelungen zum Schutz des Kulturerbes und die weitere Entwicklung; ein Thema, dass leider weiterhin aktuell bleibt.

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Street Art is over?
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Schon häufiger habe ich über Street Art in Florenz, der bedeutenden Renaissance-Stadt, berichtet. Seit einer Weile bemerke ich aber einen schleichenden Rückgang. Immer mehr Häuserfassaden werden neu verputzt und/ oder gestrichen, immer mehr Straßenschilder gegen neue ausgetauscht. Es scheint so, als ob die Stadt den ephemeren Kunstwerken den Kampf angesagt hat. Gut, dass ich zahlreiche von ihnen fotografisch gebannt habe. Hier die enstprechenden Links zu meinen früheren Artikeln:

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Mach es wie die Sonnenuhr…
zähl die heit’ren Stunden nur! Dieses deutsche Sprichwort gilt natürlich auch in Florenz, wo man, wenn man die Augen offen hält, entsprechende Zeitmesser in der Altstadt finden kann. Die wohl prominenteste Sonnenuhr findet sich an der Ecke eines Gebäudes in der Mitte der Ponte Vecchio. Sie besteht aus Marmor und weist zahlreiche Beschädigungen und Reparaturen auf. Auf einer mehrteiligen Basis steht eine achteckige Säule, bekrönt von einem Kelchknospenkapitell. Über einem vermutlich nachträglich eingefügten Ziegelstein kommt die eigentliche Sonnenuhr, ebenfalls auf einer Basis plaziert. Diese muss man sich als ursprünglich komplett rund vorstellen. Die konisch zulaufenden Säulchen im Innenkreis fungierten als…

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Verrückte Schilder-Bilder
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In Florenz ist der französische Künstler CLET unterwegs, der lange Zeit Straßenschilder mit Aufklebern modifiziert hat. Hier präsentiere ich Euch meine fotografische Sammlung dieser… 😀 Leider sind mittlerweile viele schon verschwunden… Nachdem Clet anfänglich aus der Illegalität heraus gearbeitet hat, bekam er vor einigen Jahren die offizielle Erlaubnis des florentinischen Bürgermeisters, weitere Schilder verzieren zu dürfen. Als Begründung hieß es, dass die Stadt festgestellt habe, dass die modifizierten Bilder weniger beschädigt und verunstaltet werden. CLET hat in Oltrarno übrigens einen Laden, in dem man Kunstwerke oder kleinere Andenken wie Aufkleber o.ä. kaufen kann. Einige Schilder stammen übrigens von mehr oder…

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Villa Medicea La Petraia
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Ihr werdet Euch beim Lesen der Überschrift wahrscheinlich fragen, warum ich auf einmal ein „klassisches“ Reiseführer-Thema präsentiere. Nun, Florenz hat ein Problem. Zwar kommen Jahr für Jahr Millionen Touristen in die Stadt, aber alleine das Zentrum bietet den Kunstinteressierten so viel, dass viele Besucher während ihres kurzen Aufenthaltes dieses gar nicht verlassen. Falls doch, werden meistens die nächsten großen touristischen Anlaufpunkte wie Siena, Lucca oder Pisa angesteuert. Das führt dazu, dass berühmte Bauwerke wie die Villen der Medici im Umkreis der Stadt nur von relativ wenigen Menschen (im Vergleich zur vollen Innenstadt) besucht werden, wie uns eine Führerin in der…

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Arnolfo di Cambio und Filippo Brunelleschi in trauter Zweisamkeit
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Diese Konstellation kann man gegenüber der Südseite des Florentiner Doms sehen, genaugenommen am Palazzo dei Canonici, dem Sitz der Kanoniker, d.h. der Mitglieder des Domkapitels. Um diesen, vor allem aber um die dort befindlichen Statuen der im Titel genannten berühmten Florentiner Persönlichkeiten geht es im folgenden Beitrag… In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die südliche Piazza del Duomo stark umgestaltet. Um den Platz zu verbreitern, wurde die bestehende Bebauung abgerissen und anschließend durch drei einheitlich gestaltete Bauwerke ersetzt, wofür der Florentiner Architekt Gaetano Baccani verantwortlich zeichnete. Das mittlere entstand zwischen 1826 und 1830 im Auftrag der Kanoniker, die…

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„007 der Kunst“ – Rodolfo Siviero
Direkt am Arno, gegenüber der Innenstadt und von den meisten Touristen, die auf schnellstem Wege zur Piazzale Michelangelo hochgehen, „links liegen gelassen“, befindet sich ein unscheinbares, zweistöckiges Gebäude. In diesem wohnte und arbeitete viele Jahre Rodolfo Siviero. Kennt Ihr nicht? Na, dann will ich Euch mal etwas über den toskanischen Geheimagenten, Kunsthistoriker und „Kunstschützer“ berichten (die Bilder stammen aus seinem Wohnhaus, heute Museum; dazu später mehr). Kindheit und Ausbildung Siviero wurde am 24. Dezember 1911 in Guardistallo südlich von Pisa geboren. 1924 zog die Familie nach Florenz, wo Siviero später an der Universität studierte, um nach eigener Aussage angeregt durch…

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Der Geist des Palazzo Grifoni
Florenz, diese an Bauwerken und Kunstschätzen reiche Stadt, hat natürlich auch zahlreiche Sagen aufzuweisen. Eine beschäftigt sich mit dem Palazzo Budini Gatai (ehemals Grifoni), in dem sich ehemals mein Arbeitsplatz befand, die Fotothek des Kunsthistorischen Institutes… Gerade denjenigen, die jeden Tag den Palazzo aus der Richtung der Piazza della Santissima Annuziata passieren, wird es wohl schon einmal aufgefallen sein: Das Fenster (bzw. korrekterweise die Jalousie) ganz rechts in der ersten Etage ist niemals geschlossen. Der Sage nach wartete hinter dieser Jalousie eine Dame auf ihren Mann, der aus dem Hause Grifoni stammen soll und in den Krieg zog, aber niemals…

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Urbino
Wer kennt nicht die beiden links und rechts sichtbaren Porträts? Geschaffen um 1470 von dem italienischen Maler Piero della Francesca und heute in den Florentiner Uffizien hängend, stellen sie den „Stadtvater“ Urbinos und seine Gattin, Federico da Montefeltro und Battista Sforza, dar. Auf deren Spuren begaben wir uns Anfang Juli… Diesmal handelte es sich bei dem Fortbewegungsmittel wieder um einen Mietwagen. Doch es verlief vieles anders als geplant… 😉 Nachdem wir aus diversen Gründen mit drei Stunden Verspätung den Wagen abgeholt hatten, fuhren wir mit Hilfe des Handynavis aus Florenz raus. Da dieses aber oft ungenaue und nervige Ansagen macht,…

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Schon gewusst?
Der Volksmund und die Florentiner Stadtführer meinen, dass der Bildhauer Benvenuto Cellini sich selbst in seiner Statue des Perseus verewigt habe. Betrachtet man die Kopfpartie auf der Rückseite der Figur, so scheint einen in der Tat ein finsteres Gesicht mit einem Rauschebart anzublicken… Mit seinen scharfen Zügen bildet es einen starken Kontrast zu dem weichen, jungen Gesicht des Perseus auf der Vorderseite. Diese Doppelansichtigkeit lässt sich daher als Metapher für die Gleichzeitigkeit der jugendlichen Tatkraft (d.h. der Zukunft) und der Altersweisheit (also der Vergangenheit) verstehen. Eventuell ist das rückwärtige Gesicht damit auch eine Huldigung Cellinis an die Familie Medici, die…

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Die „Via torta“ in Florenz
Schaut man sich den Stadtplan bzw. Luftaufnahmen von Florenz an, fällt inmitten der einigermaßen geraden Straßen eine Struktur südöstlich vom Zentrum auf. Vier Straßen bilden hier zusammen ein Dreivierteloval, zwei Straßen schneiden dieses und münden in die Piazza di Santa Croce. Was hat es mit nun dieser seltsamen Struktur auf sich? Dem erfahrenen Archäologen ist es schnell klar: Die Straßen bilden das ehemalige römische Amphitheater der Stadt Florenz bzw. Florentia, wie sie damals hieß, ab. Dieses wurde in den Jahren 124 bis 130 außerhalb der damaligen Stadt errichtet, hatte einen Durchmesser von 126 Metern und konnte immerhin 20.000 Besucher aufnehmen. Wenn…

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Besuch beim heiligen Franz…
…nein, nicht bei dem, an den Ihr jetzt vermutlich denkt. 😀 Es geht hier nicht um die „Kopie“ – welche zudem auch (noch) nicht heilig ist, aber das nur so nebenbei –, sondern um das Original in Assisi! Wie schon in einigen Ausflügen zuvor hieß es nach dem morgendlichen caffè das Fahrrad „satteln“ und zum Bahnhof fahren. Diesmal lagen fast drei Stunden Fahrt mit der Regionalbahn vor uns – nun aber vorbei an Arezzo – und wie üblich war ich nicht allein. Wir, das waren zwei Praktikantinnen mit einer Freundin und meine Wenigkeit, geballte Kunstgeschichtspower. 😀 Und was war unser…

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Orsanmichele
Orsanmichele oder auch Or San Michele ist ein bemerkenswertes Bauwerk. Zwischen 1336 und 1350 als Getreidespeicher errichtet, diente es später als Oratorium und Zunftsitz. Doch beginnen wir mit dem ältesten, dem Namen: Dieser leitet sich von einem Vorgängerbauwerk ab, einem Frauenkloster, welches einen großen Garten beinhaltete (lateinisch: hortus). In diesem wiederum stand eine kleine Kirche, die dem Erzengel Michael geweiht und daher San Michele in Orto genannt wurde. Um 1240 riss man das Bauwerk ab und errichtete eine Loggia für den Getreidehandel; für den Bau zeichnete wahrscheinlich der berühmte Baumeister Arnolfo di Cambio verantwortlich, der unter anderem den Entwurf für…

