Buchette del vino – „Tabernakel des Weins“
Wenn man in Florenz die Wände alter Bauwerke mit den Augen „abscannt“, so wie ich mir das angewöhnt habe 😉, kann man viele Dinge entdecken: diverse moderne Formen von Street Art (z.B. Bilder und aufgeklebte Gedichte), alte steinerne Embleme und Inschriften von Zünften, Verboten und vieles mehr. Um eine weitere vor allem aus Florenz und Umgebung überlieferte Form, buchette genannt, soll es im Folgenden gehen… Damit werden kleine Löcher (il buco/ la buca = Loch, Öffnung) in der Hauswand bezeichnet, meistens in der Nähe von Fenstern oder Türen, die architektonisch oftmals wie kleine Portale gestaltet sind. Ihren Verwendungszweck geben einige…

„Le Avventure Di Pinocchio“ und die Villa „Il bel riposo“
Kennt Ihr Carlo Lorenzini? Nein? Sicher ist Euch aber sein Pseudonym Carlo Collodi ein Begriff! Besagter Herr Collodi (24.11.1826 – 26.10.1890) war ein waschechter Florentiner, Journalist und Schriftsteller, der vor allem durch ein Werk berühmt wurde – Pinocchio. Die Fortsetzungsgeschichten um eine lebendig gewordene Holzfigur, die Lorenzini 1881/2 im „Giornale per i Bambini“ („Zeitung für Kinder“) unter dem Titel „Le Avventure Di Pinocchio. Storia Di Un Burattino“ („Abenteuer des Pinocchio: Geschichte eines Hampelmanns„) erstmals veröffentlichte, erfreuten sich einer derartigen Beliebtheit, dass Collodi 1883 beschloss, sie in Buchform zu veröffentlichen. Il bel riposo Einer Ehrentafel der Stadt Florenz zufolge fand Collodi…

Russisch-orthodoxe Kirche
Kennt Ihr schon das im Titelbild teilweise sichtbare Bauwerk, welches sich an der Ecke der Via Leone X und der Viale Giovanni Milton befindet? Nein? Dann lest hier weiter… Die Idee für den Bau einer russisch-orthodoxen Kirche in Florenz geht auf die älteste Tochter von Zar Nikolaus I. Pawlowitsch zurück, der Großfürstin Marija Nikolajewna Romanowa. Doch erst infolge einer großzügigen Spende des Unternehmers Pawel Pawlowitsch Demidow konnte sechs Jahre später, 1879, der Architekt Pietro Berti mit der Ausarbeitung eines Entwurfes beauftragt werden. Der zuständige Pfarrer Wladimir Levitsky entzog diesem jedoch aus unbekannten Gründen zugunsten des russischen Architekten Michael Preobraschenski und…

„007 der Kunst“ – Rodolfo Siviero
Direkt am Arno, gegenüber der Innenstadt und von den meisten Touristen, die auf schnellstem Wege zur Piazzale Michelangelo hochgehen, „links liegen gelassen“, befindet sich ein unscheinbares, zweistöckiges Gebäude. In diesem wohnte und arbeitete viele Jahre Rodolfo Siviero. Kennt Ihr nicht? Na, dann will ich Euch mal etwas über den toskanischen Geheimagenten, Kunsthistoriker und „Kunstschützer“ berichten (die Bilder stammen aus seinem Wohnhaus, heute Museum; dazu später mehr). Kindheit und Ausbildung Siviero wurde am 24. Dezember 1911 in Guardistallo südlich von Pisa geboren. 1924 zog die Familie nach Florenz, wo Siviero später an der Universität studierte, um nach eigener Aussage angeregt durch…

Giardino dell’Orticoltura
Der „Garten der Gartenkultur“ (orticultura ist abgeleitet aus dem lateinischen hortus, Garten, und cultura, Kultur), heute eine kleine beliebte „Naherholungsinsel“, befindet sich im Nordosten der Florentiner Innenstadt und entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zurück geht er auf mehrere über hundert Jahre früher gegründete Institutionen… Die Vorläufer 1716 bildete sich in Florenz die Società botanica fiorentina (Botanische Gesellschaft Florenz‘) zur Förderung der botanischen Kenntnisse. Mit Unterstützung eines Medici – natürlich! –, in diesem Fall Cosimo III., erhielt die Vereinigung die Sorge des schon lange bestehenden Giardino dei semplici (botanischer Garten in der Via Micheli 3) übertragen. Aus diversen Gründen war…

Die Bienen Ferdinandos I.
Auf der Piazza della Santissima Annunziata befindet sich in gerader Sichtachse zum Dom, und daher nicht mittig, die Reiterstatue von Ferdinando I., Großherzog der Toskana von 1587 bis zu seinem Tode 1609. Abgesehen vom Zusammenhang Ferdinandos mit einer mysteriöserweise immer geöffneten Jalousie des Palazzo Grifoni/ Budini Gatai birgt die Plastik noch eine weiteres „Geheimnis“ – Bienen! Während auf der dem Dom zugewandten Vorderseite der Reiterstatue am Sockel die übliche Namensplakette angebracht ist, findet man auf der Rückseite auf einer Bronzetafel diese emsigen Insekten. Das Material der Tafel soll – nebenbei bemerkt – von Kanonen von eroberten türkischen Galeeren stammen, die…

Der Geist des Palazzo Grifoni
Florenz, diese an Bauwerken und Kunstschätzen reiche Stadt, hat natürlich auch zahlreiche Sagen aufzuweisen. Eine beschäftigt sich mit dem Palazzo Budini Gatai (ehemals Grifoni), in dem sich ehemals mein Arbeitsplatz befand, die Fotothek des Kunsthistorischen Institutes… Gerade denjenigen, die jeden Tag den Palazzo aus der Richtung der Piazza della Santissima Annuziata passieren, wird es wohl schon einmal aufgefallen sein: Das Fenster (bzw. korrekterweise die Jalousie) ganz rechts in der ersten Etage ist niemals geschlossen. Der Sage nach wartete hinter dieser Jalousie eine Dame auf ihren Mann, der aus dem Hause Grifoni stammen soll und in den Krieg zog, aber niemals…

Schon gewusst?
Auf Sizilien findet man sehr häufig diese farbenfrohe Pflanze. Hierbei handelt es sich um die ursprünglich aus Südamerika stammende Bougainvillea, auf deutsch auch Drillingsblume genannt, die 1789 erstmals von westlichen Botanikern beschrieben wurde. Der Name wiederum geht auf den Seefahrer Louis Antoine de Bougainville zurück, der als erster Franzose zwischen 1766 und 1769 die Welt umsegelte und auf dessen Reise die Pflanze wohl entdeckt wurde. Mittlerweile findet man sie an vielen Orten Italiens…

Jugendstil in Florenz
Florenz ist bekannt als Stadt der Renaissance – unbestritten. Dass Spuren vorheriger und späterer Epochen zu finden sind, ist auch ganz klar. Von manchen findet man natürlich mehr, von anderen weniger. Zur letzteren Kategorie gehört der Jugendstil (in Italien bekannt als Liberty). Ein bedeutender Architekt, der sich diesem Stile zugewandt hatte, war Giovanni Michelazzi. 1879 in Florenz geboren, studierte er bis 1901 an der Florentiner Akademie und starb schon 1920 in seiner Heimatstadt. Michelazzi hinterließ Florenz diverse Jugendstil-Bauwerke, von denen heute nur noch wenige im Stadtbild zu finden sind und den Besucher durch ihre Singularität überraschen. Beispielsweise sei hier die…

Venerabile Arciconfraternita della Misericordia di Firenze
Wer hat sich als Florenzbesucher nicht schon mal über die Krankenwagen direkt am Dom gewundert? Aber weder handelt es sich hierbei um einen Dauereinsatz, noch um eine prophylaktische Stationierung von Krankenwagen mitten im touristischen Zentrum, sondern um eine alte Institution… An der Adresse Piazza del Duomo 19/20 hat seit über 300 Jahren die altehrwürdige Venerabile Arciconfraternita della Misericordia di Firenze ihren Sitz. Diese Bruderschaft wurde 1244 ins Leben gerufen − der (unwahrscheinlichen) Florentiner Überlieferung zufolge durch Petrus von Verona −, um Kranke zu transportieren, Tote zu beerdigen, Arme zu unterstützen, kurz, um barmherzige Taten zu vollbringen (Misericordia = Barmherzigkeit auf…

Hochwasser 1966
Schon aus der Antike sind Berichte des Historikers Titus Livius überliefert, die von Überschwemmungen des Arno berichten, wobei vor allem Florenz infolge seiner Lage (auf drei Seiten umgeben von Bergen) regelmäßig betroffen war. Aus den Jahrhunderten danach sind wir von starken Überschwemmungen der Stadt in den Jahren 1333 (diese zerstörte die alte Holzbrücke, 1345 wurde die heutige steinerne – Ponte Vecchio genannt – eingeweiht), 1547, 1557 und 1844 informiert. Das bisher größte Hochwasser erreichte jedoch am 4. November 1966 seinen Scheitelpunkt. Das komplette Zentrum mit seinen bedeutenden Palazzi, Kirchen und Museen stand großflächig unter Wasser, 17 Menschen verloren in Florenz…

San Giovanni – Von der ehrwürdigen Parade zum brutalen Calcio storico
Der 24. Juni ist der Namenstag des Heiligen Johannes des Täufers. Dieser Tag wird in Florenz seit Jahrhunderten besonders gefeiert, da San Giovanni Battista, so der italienische Name, der Stadtheilige ist. Ich möchte Euch chronologisch in Bildern vom alljährlichen Ablauf der zweiten Tageshälfte berichten. 15:45 Uhr: Beginn des Zuges in Renaissancekostümen auf der Piazza Santa Maria Novella 16:03 Uhr: Passieren der Piazza della Repubblica 16:10 Uhr: Ankunft am Palazzo Vecchio auf der Piazza della Signoria und Begrüßung der adligen Damen der Stadt (wie mir Jemand vor Ort erklärte, geht die Tradition der Ehrerbietung der Soldaten vor der nobilità der Stadt auf das Mittelalter…

Die Florentiner Lilie
Die Florentiner Lilie (auch ornamentierte Lilie) lässt sich als Wappenzeichen bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Basis der Wappenblume ist eine stilisierte Schwertlilie, bei der die drei Blätter von einem Band zusammengehalten werden. Von der bekannteren französischen Lilie, der Fleur-de-Lis, unterscheidet sich die Florentiner Version durch zwei zusätzliche Blütenstände seitlich. Die Florentiner, die ja – zu Recht – auf ihre schöne und bedeutende Stadt stolz sind, verwerten die Lilie heutzutage für alles mögliche. Ob als städtisches Emblem auf Straßenreinigungswagen, auf Überwachungsschildern, Hydranten, Elektrozapfsäulen (die es hier schon recht häufig gibt!), Baustellenabsperrungen, Straßenlampen, Gullydeckeln, natürlich dem örtlichen Fußballverein oder im privatwirtschaftlichen Bereich (Tankstellen, Bars usw.),…

