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Ludwig I. von Anhalt-Köthen und Giovan Battista Gelli
Der Florentiner Philosoph und Schriftsteller Giovan Battista Gelli (auch Giambattista; 1498-1563) setzte sich für die Verwendung des Italienischen in allen Bereichen, d.h. auch der Wissenschaft, ein. Er war Mitglied der losen literarischen Vereinigung Orti Oricellari, Vorläufer der Accademia Fiorentina (auch Società di Eloquenza). Diese unter anderem vom Dichter Antonio Francesco Grazzini (s. Canti Carnascialeschi) mitgetragene Institution führte unter dem Schutz von Cosimo I. de‘ Medici die Bemühungen fort und förderte neben der Dichtkunst auch Naturphilosophie, Astronomie und Mathematik. Ludwig I. von Anhalt-Köthen (1579-1650) lernte während seines Aufenthaltes in Florenz Ende des 16. Jahrhunderts die Bemühungen um die italienische Sprache kennen.…

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Accademia dei Georgofili
Schon gewusst? Anfang Juni 1753 wurde in Florenz die Accademia dei Georgofili (Akademie der Landfreunde) gegründet. Sie geht zurück auf einen Aufsatz des Abtes Ubaldo Montelatici, in dem dieser eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion durch eine rationale Nutzung des Bodens vorschlug. Er lud Grundbesitzer und Gelehrte ein, sich zusammenzuschließen und propagierte ein für die damalige Zeit innovatives soziales Ziel: eine demokratische Struktur oder, wie Montelatici schrieb, eine „perfekte Anarchie“. Doch erst infolge der Förderung durch Großherzog Leopold II. und die durch diesen initiierte Fusion mit der Società botanica fiorentina (Botanische Gesellschaft Florenz‘) im Jahr 1783 erlangte die Akademie Ansehen. Sie…

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Kleine Geschichte des Kulturgutschutzes
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Kulturgüter sind essenzielle Bestandteile des menschlichen Erbes. Historisch gab es zahlreiche Fälle massiver Kulturgut-Zerstörung aus ganz unterschiedlichen Motivationen heraus. Der Artikel skizziert die ersten Regelungen zum Schutz des Kulturerbes und die weitere Entwicklung; ein Thema, dass leider weiterhin aktuell bleibt.

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Vom erzgebirgischen Bergbau und den berg- und hüttenmännischen Traditionen
Vom ersten „Berggeschrey“ im späten 12. Jahrhundert an prägte der Bergbau maßgeblich die Entwicklung des Erzgebirges. Neben zahlreichen technologischen Neuerungen bildeten sich immaterielle Traditionen heraus, die bis heute Kennzeichen der Region sind. Mit Fokus auf die „Berghauptstadt“ Freiberg skizziert der Artikel diese Entwicklung…

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Canti carnascialeschi (Karnevalslieder)
Der Florentiner Karneval im 15. Jahrhundert war ein ritterlich-höfisches Fest mit Turnieren, Bällen, Feuerwerk und Aufzügen. Wie der Dichter Antonio Francesco Grazzini überliefert, verkleideten sich Männer hierbei als Madonna (dies bezog sich auf eine Prozession junger Mädchen, an deren Spitze eine Madonna getragen wurde) und sangen dazu Tanzlieder (Canzoni a ballo). Der Einfluss Lorenzo de‘ Medicis auf die Tanzlieder Grazzini (s. Zitat) und Giorgio Vasari zufolge habe Lorenzo durch sein Engagement die Tanzlieder revolutioniert und dadurch die eigenständige Gattung der Canti carnascialeschi (sprich „kanti karnaschaleski“) geschaffen. Da [Lorenzo] der Prächtige der Ansicht war, dass die Art des Gesangs immer die…

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Società per la Difesa di Firenze Antica / Verein zur Verteidigung von Alt-Florenz
1898 verkündete ein Artikel in der „Deutschen Bauzeitung“, dass die Florentiner Stadtverwaltung neue bauliche Maßnahmen im Zentrum plane, und erinnerte „mit Schmerzen [an] die grundlegenden Umgestaltungen“, welche ab 1885 zur Zerstörung eines Teils des Stadtzentrums geführt hatten. Nun gebe es die Absicht, die Via delle Terme mit einem breiten Strassenzuge zu durchqueren und zu vernichten; die eine Seite der Via Por Sa. Maria soll ihre alten Paläste verlieren und es soll selbst die Absicht bestehen, den Ponte Vecchio zu modernisiren. In der Via Romana haben bereits in weitem Umfange Häuserniederlegungen begonnen. [Nicht genug,] dass man die schöne Via dei Servi…

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Homemade Arancini
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Neulich habe ich mich mal an die Produktion von Arancini gewagt. Bevor ich aber darüber schreibe, kommt etwas Geschichte. 😉 Woher stammen Arancini? Arancino – so der Singular – bedeutet zuerst einmal kleine Orange. Die Form und die Farbe gaben der Speise den Namen. Das italienische Wort arancia (Orange) wiederum ist über Spanisch (naranja) aus dem Arabischen (nārandsch) entlehnt. Doch die Etymologie lässt sich noch weiter verfolgen: Über Persien (nārendsch und nāreng), Altindien (nāranga) bis nach Südasien. Auf Sizilien herrscht ein Streit darüber, ob der Name der Speise nun weiblich (arancina) oder männlich (arancino) ist. Die Verfechter der weiblichen Variante…

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Ferruccio Busoni
Jeder tue, was er am besten zu tun vermag; sich selbst gründlich zu schöpfen, bleibe die wahrste Lebenserfüllung. Busoni an Arnold Schönberg, Zürich, 24. November 1916 (http://busoni-nachlass.org/de/Korrespondenz/E010001/D0100038.html) Heute vor 100 Jahren starb der italienische Pianist, Komponist und Musiklehrer Ferruccio Busoni. Der Deutschlandfunk widmete ihm deshalb ein Kalenderblatt. Busoni wurde am 1. April 1844 in Empoli, rund 20 Kilometer westlich von Florenz, als Sohn einer deutschstämmigen Pianistin und eines italienischen Klarinettenvirtuosen geboren und von den Eltern in Hinsicht auf eine musikalische Karriere erzogen. So begann er schon im Alter von sieben Jahren, Klavierstücke zu komponieren. Verschiedene Stationen führten ihn nach Leipzig, Helsinki, Moskau…

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Polizeiarten in Italien
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In Italien gibt es verschiedene Polizeibehörden mit unterschiedlichen Zuständigkeiten und Zugehörigkeiten. Der größte Unterschied zwischen den bekanntesten, den Carabinieri und der Polizia di Stato, besteht darin, dass erstere formal militärisch und zweitere zivil ist. Die verwirrende Konstellation hat historische Ursachen.

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Antonio Gramsci
Am 27. April 1937 starb Antonio Gramsci (sprich: Gramschi) in Rom. Der 1891 in Ales auf Sardinien geborene Gramsci war ein Schriftsteller, Marxist und Politiker. Er gehörte zu den Begründern der Partito Comunista Italiano (Kommunistische Partei Italiens). Im November 1926 wurde Gramsci unter dem faschistischen Diktator Mussolini aufgrund seiner politischen Betätigungen inhaftiert und verfasste während der achtjährigen Haftzeit diverse politisch-philosophische Texte, die als „Gefängnishefte“ bekannt geworden sind. Darin setzte er sich unter anderem mit der Bedeutung spiritueller Hegemonie, im Falle Italiens der katholischen Kirche, für die Aufrechterhaltung von Machtstrukturen auseinander. Weitere Themen waren der Intellekt, die Bedeutung und Funktion des…

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Die Fassade des Domes – Teil 2
(Für den ersten Teil klickt hier) Neues Interesse Die Herstellung einer Facade für den Florentiner Dom, eine Aufgabe, welche das Mittelalter und die Renaissance ungelöst unserem Zeitalter überliessen, hat im Laufe der letzten Jahrzehnte die Architekten- und Künstlerkreise ganz Europas zu verschiedenen Malen beschäftigt. Vermischtes, Das Projekt für die Facade des Domes, Deutsche Bauzeitung (=DB), Nr. 22, 1871, S. 174-175 Das ansteigende Interesse an gotischen Monumentalbauten und (Re-)Konstruktionen im historischen Stil hatte, worauf das Zitat anspielt, ab dem frühen 19. Jahrhundert Architekten bewogen, sich auch mit der Neugestaltung der Florentiner Domfassade zu beschäftigen. Einen Entwurf präsentierte beispielsweise 1822 der Italiener Giovan…

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Die Fassade des Domes – Teil 1
Viele Besucher der schönen Stadt Florenz, die ein Rundgang natürlich auch zum Dom führt, sind beeindruckt von dem Bauwerk. Sie stehen lange vor der Westfassade, wo sich der Eingang befindet, und betrachten die Details. Aber wusstet Ihr, dass es sich bei der Fassade sozusagen um einen Neubau handelt? Warum überhaupt eine reichverzierte Westfassade? Viele mittelalterliche Kirchen des Abendlandes sind aus liturgischen Gründen ungefähr geostet, d.h. zur aufgehenden Sonne ausgerichtet. Diese wortwörtliche Orientierung (von lateinisch oriens, d.h. Osten) steht symbolisch für die Hinwendung zu Jesus Christus, der wie der Sonnenaufgang das Licht (des Glaubens, die „Erleuchtung“), sowie nach Jerusalem. Um den…

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Luigi Cherubini
Luigi Cherubini (1760 Florenz – 1842 Paris) war ein bedeutender italienischer Komponist und Dirigent. Er erhielt schon früh durch seinen Vater Musikunterricht und studierte später an den Universitäten von Bologna sowie Mailand. Cherubini erlangte besonders in Paris große Anerkennung, wo er einen Großteil seines Lebens verbrachte. Er prägte die Entwicklung der französischen Oper und hinterließ einen nachhaltigen, noch heute spürbaren Einfluss auf die Musik des 19. Jahrhunderts. Sein Schaffen erstreckt sich über verschiedene Genres, darunter Opern, Kirchenmusik, Kammermusik und Orchesterwerke. Seine Musik zeichnet sich durch ihre Ausdrucksstärke, Tiefe und formale Meisterschaft aus. Der berühmte Ludwig van Beethoven hielt Cherubini übrigens…

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Antonius Piger
Angeblich habe u.a. ein Mann namens Antonius Piger, aus Florenz stammend, heimlich im Erzgebirge Gold geschürft und sei als reicher Mann zurückgekehrt.

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Italienisches Glockenspiel
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Von vielen Kirchen im italienischsprachigen Raum tönt regelmäßig ein ganz bestimmtes Lied: Hierbei handelt es sich um das „Lourdes-Lied“, welches die Ereignisse um das Hirtenkind Bernadette Soubirous und ihre angeblichen Marienerscheinungen des Jahres 1858 im französischen Pyrenäenort Lourdes wiedergibt. Die erste Version des eigentlich „Ave Maria de Lourdes“ genannten Stücks komponierte Abbé Gaignet (1839-1914) 1873, als er am Seminar von Luçon in Westfrankreich tätig war. Sie bestand aus acht Versen und war für die Lourdes-Pilger aus der Region Vendée gedacht. Die Melodie des Refrains, der nur aus den beiden Worten „Ave Maria“ besteht, soll Gaignet einem pyrenäischen Volkslied entnommen haben.…

