Die Essgewohnheiten der Italiener unterscheiden sich von denen der Deutschen – wie ja allgemein bekannt ist – zum Teil erheblich. In einer Serie von vier Beiträgen möchte ich Euch den hiesigen kulinarischen Tagesablauf näherbringen. Natürlich soll und kann es dabei nicht mein Ziel sein, sämtliche toskanische oder gar italienische Gerichte aufzuzählen (dazu reicht meine Zeit und mein Platz [und wahrscheinlich Eure Geduld :D] nicht aus). Mir geht es verstärkt darum, auf die alltäglichen Dinge einzugehen, die für gewöhnlich nicht im Reiseführer stehen…

Der Tag beginnt in der Bar
Viele Italiener beginnen ihren Tag mit einem Gang in die nächste Bar. Dort nehmen sie – nein, natürlich zu dieser frühen Stunde nichts Alkoholisches (wobei ich hier auch Leute morgens um 8 mit einem Bier hab herumlaufen sehen) – ihren ersten caffè und ein dolce (Süßes) ein. Mit caffè ist natürlich der bei uns als Espresso bekannte, kleine, in „Puppentassen“ servierte Kaffee gemeint, bei dem mittels hohem Druck Wasserdampf durch das gepresste Pulver geleitet wird. In manchen Regionen Italiens wird dieser magenfreundliche Kaffee übrigens ebenfalls espresso genannt! (in Cinque Terre gab beispielsweise die Kassiererin meine caffè-Bestellung dem barista mündlich als espresso weiter) Und ein echter Italiener trinkt seinen caffè natürlich ungesüßt: Ist er zu stark, bist Du halt zu schwach… 😉 Alternativ trinken viele am Morgen einen cappuccino, oft verkürzt zu cappu.


Dolci
Zu dem morgendlichen Getränk gehört, wie eingangs erwähnt, etwas Süßes, wobei natürlich die pasticcerie (Plural, Einzahl: pasticceria) das größte Angebot aufweisen. Oohhh, über diese könnte ich ein langes Kapitel schreiben! Es gibt derart viele Sorten dolci, dass es mir unmöglich ist, sie alle aufzuzählen (s. Bilder). Allein die italienische Wikipedia zählt unter dem Stichwort dolci italiani über 160 Einträge auf, davon allein 44 für biscotti (Kekse), sowie 16 Untergruppen mit regionalen Spezialitäten!
Die wichtigsten, die auch in jeder Bar vorhanden sind und zum Frühstückskaffee dazugehören, sind cornetti (Singular: cornetto; eigentlich Hörnchen; etwas vergleichbar den französischen Croissants, meist mit Schoko-, Vanillecreme- oder Marmeladenfüllung) und die schon erwähnten biscotti in diversen Variationen. Darüberhinaus gibt es Schokobrötchen, Windbeutel, Plunderähnliches, gelegentlich auch Schokoladentorten und Kuchen. Sehr lecker sind die Budini di Riso, kleine Pasteten mit Milchreisfüllung. Stark ausgebreitet haben sich überdies die sizilianischen cannoli, Teigröllchen mit Ricottafüllung.




Diese dolci nehmen die Italiener bei Bedarf den ganzen Tag über zusammen mit einem caffè al bar ein – ein Paradies für mich! 😀
Bezahlen in einer Bar
Schnell noch nebenbei einige Worte über den Bezahlvorgang: Nach welcher Systematik man wo bezahlt, erschließt sich einem leider selten von allein. Manchmal übergibt man das Geld sofort bei Bestellung an der Kasse und geht mit der Rechnung zum barista, manchmal geht man zuerst zu diesem und bezahlt anschließend. Im Zweifel immer zuerst zur Kasse! Geht man in ein richtiges Kaffee, kostet es zudem einen Aufschlag, wenn man sich hinsetzen möchte (coperto; siehe auch Teil 3); in Pasticcerien und Bars für gewöhnlich nicht. Ein caffè in der Stadt sollte übrigens auch nicht mehr als 1,50 € kosten (hier liegt er für gewöhnlich zwischen 1,00 und 1,40 €), ein cornetto maximal 2,50 €.
Hier geht’s weiter zu Teil 2, pranzo (Mittagessen), Teil 3, cena (Abendessen) sowie Teil 4, Dessert e gelato (Nachspeise und Eis).


Hinterlasse einen Kommentar