Projekt Erzgebirgische Knappentänze

Einführung
Das Erzgebirge ist eine stark vom jahrhundertelangen Bergbau geprägte Region. Seit dem 12. Jahrhundert schürften hier Bergleute mit kleineren Unterbrechungen rund 800 Jahre lang nach verschiedenen Mineralien1 und sorgten so für den Wohlstand des sächsischen Herrscherhauses. Daher förderte dieses wiederum den Industriezweig stark und führte unter anderem eine effiziente Verwaltung ein. Die montanistischen Innovationen der über Jahrhunderte weltweit führenden Bergbauregion wurden 2019 von der UNESCO mit der Aufnahme des sächsisch-böhmischen Erzgebirges in die Welterbe-Liste gewürdigt.2
Ausgehend von den städtischen Handwerkerzünften entwickelte sich ab dem 12. Jahrhundert eine spezielle Festkultur, die zu Fastnacht und zur Sommersonnenwende, aber auch zu weiteren Anlässen zelebriert wurde.3 Auch unter den Bergleuten – anfangs generell Knappen genannt (Abb. 1)4 – setzten schon im Hochmittelalter Bestrebungen ein, sich in zunftartigen Korporationen (den Bergbruderschaften, später Knappschaften) zu organisieren, die karitativen Zwecken, der Durchsetzung gemeinsamer Interessen und der erwähnten Abhaltung von Feierlichkeiten dienten. Die älteste im deutschsprachigen Raum ist aus dem Jahr 1260 überliefert, im Erzgebirge 1338.5
Durch die allgemein übliche Wanderung der Gesellen und der Arbeitssuchenden verbreiteten sich die Bräuche. Das zweimalige „Berggeschrey“ lockte beispielsweise zahlreiche Bergleute und „Glücksritter“ in das Erzgebirge, welche in Phasen des wirtschaftlichen Abschwungs weiterzogen und so dazu beitrugen, montanistische Kenntnisse, aber auch entstandene Traditionen in andere Regionen zu transferieren; das wohl bekannteste Beispiel stellt das „Steigerlied“ dar, das vom Erzgebirge aus in zahlreiche Bergbaugebiete gelangte.6 Befruchtet durch diesen gegenseitigen Austausch bildeten sich zudem regionale Varianten oder spezifische neue Formen aus wie beispielsweise die erzgebirgischen Mettenschichten – d.i. die letzte Schicht vor dem Weihnachtsfest.7
Vor allem aus der Zeit vom 15. bis zum 17. Jahrhundert sind wir im deutschsprachigen Raum über Zunftbräuche der Bergleute unterrichtet; oftmals werden sie im Zusammenhang mit Verboten aufgrund deren exzessiver Ausübung erwähnt oder weil religiöse Amtsträger sich aus unterschiedlichen Gründen dagegen aussprachen.
Zu den in diversen, vor allem deutschsprachigen Bergbauregionen nachweisbaren Traditionen gehört der Knappentanz. Gemeint sind in diesem Zusammenhang nicht die aus privater Motivation heraus veranstalteten Volkstänze, wie zur Geburt und Taufe eines Kindes oder auf einer Hochzeit,8 oder die aristokratischen Bälle, die im Laufe der Zeit auch beim zunehmenden Bürgertum Anklang fanden;9 es handelt sich vielmehr um das berufliche Umfeld widerspiegelnde, repräsentative Tänze und Tanzspiele, die die Zunftvertreter im Rahmen von Inaugurationsriten, Jubiläen und Jahrestagen, herrschaftlichen Aufwartungen, aber auch bei folkloristischen Veranstaltungen wie dem Karneval aufführten.
Der Ingenieur und „Bergmannsvolkskundler“ Franz Kirnbauer10 definierte sie 1935 folgendermaßen:

Abb. 1) Knappe aus dem Annaberger Bergaltar von Hans Hesse von 1521 (Wikimedia)
„Unter Bergmanns- oder Knappentänzen sind Volkstänze11 zu verstehen, die von Bergleuten oder dem Bergbau angegliederten oder nahestehenden Berufsgruppen (Salzsiedern, Küfern, Salzfahrern u.a.) ausgeführt werden und auf den Bergbau deutlich Bezug haben. Diese Beziehung zum Bergwesen kann durch Namen, Ort und Geschichte des Tanzes oder bloß durch eine oder mehrere Tanzfiguren oder ähnliches gegeben sein.“
Franz Kirnbauer, „Über Knappentänze“, in: Das deutsche Volkslied. Zeitschrift für seine Kenntnis und Pflege 37, H. 4/5, 1935, S. 2 (Sonderdruck im Tanzarchiv Leipzig Sign. NL 417/11/10)
Projektziel
Mein Ziel ist es, die Knappentänze des Erzgebirges von den Anfängen bis zu ihrem Verschwinden sowie deren Rezeption zu erforschen. Die Kernfragen lauten: Wann entstanden sie, was genau und wie wurde getanzt und zu welchen „Solennitäten“12? Gab es regionale Unterschiede? Was führte im Erzgebirge zur Aufgabe der Tanztradition, die in anderen Bergbauregionen kontinuierlich anhielt? Im Rahmen der wissenschaftlichen Betrachtung ist zudem eine Analyse der Hintergründe einer neuerlichen Zuwendung zu den Knappentänzen ab dem späten 19. Jahrhundert vorgesehen sowie der teilweise ideologisch motivierten Aufführungspraxis im Nationalsozialismus und vereinzelt in der Zeit des DDR-Regimes. Zu diesem Zweck möchte ich mich auf die Suche nach weiteren historischen Berichten in Archiven begeben sowie zeitgenössische (Chroniken, Bergreihen usw.) und moderne Literatur sichten.
Wenn die Quellenlage es ermöglicht, plane ich, den Ablauf der historischen Tänze und Tanzspiele, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme überlieferter Informationen aus anderen Regionen, zu rekonstruieren. In Kooperation mit lokalen Vereinen sollen diese anschließend bis zur Aufführungsreife einstudiert und im Rahmen geeigneter Veranstaltungen präsentiert werden. Parallel werde ich eine wissenschaftliche Publikation zum Tanz der Bergleute im Erzgebirge verfassen. Die Einordnung in die historischen Geschehnisse der Zeit, die Darstellung der Verbindungen zu anderen Bergarbeitertänzen und die Rezeption werden hierbei, wie oben angedeutet, neben den Tänzen selber Schwerpunkte der geplanten Publikation sein.
Das Projekt zu den historischen Knappentänzen ist damit ein weiterer Baustein in der Aufarbeitung der Kulturgeschichte des Erzgebirges, die angesichts des UNESCO Welterbe-Status‘ seit einigen Jahren verstärkt in den Fokus der Forschung geraten ist. Die Untersuchung der bisher kaum berücksichtigten Feierkultur der berg- und hüttenmännischen Zünfte wird das bisher bekannte Bild über das berufliche Selbstverständnis dieser stolzen Berufsvertreter vervollständigen. Damit wird ein weiteres regionalhistorisches Thema einer breiten Bevölkerung erschlossen, ja sozusagen aus der Teufe des Bergwerks, aus dem Dunkel ans Tageslicht befördert.
Das Projekt wird zukünftig auch dem für das Erzgebirge wichtigen Tourismus13 zugutekommen und ein weiteres Highlight der reichen Bergbautradition darstellen. Den zahlreichen aktiven Vereinen wird sich dadurch zudem eine neue Möglichkeit erschließen, die bis heute nachhaltende, identitätsstiftende Wirkung des montanhistorischen Erbes zu präsentieren sowie den überregionalen Austausch mit weiteren europäischen Bergbau-Traditionsvereinen zu fördern.
Im Folgenden habe ich die derzeitigen Kenntnisse zu diesen Tänzen zusammengefasst:
Der Tanz von Bergleuten im Erzgebirge
Nachrichten über eine Tanzkultur unter erzgebirgischen Bergleuten findet man relativ häufig. Einen Hinweis auf eine frühe Ausübung gibt uns der Freiberger Universalgelehrte Andreas Möller, der in seiner Stadtchronik von 1653 im Zusammenhang mit der Geschichte der Entstehung der „Alten Mordgrube“ einen Reihentanz erwähnt, der 1350 stattgefunden haben soll:
„Denn weil damals das Bergwerck selbiger enden in vollem Flor/ und mit einer grossen Menge Berghewer beleget gewesen/ die in Feyertagen ihre gewisse Zusammenkünffte/ und gemeine Täntze bey den Zechenheusern gehalten/ solls sich ongefehr begeben haben/ daß an dem einen Orte/ da dergleichen Convent und ein öffentlicher Reihetantz geschehen/ ein Bäbstlicher Priester mit der Monstrantz für über gangen […]
weil aber unter den Tantzenden und Zusehern niemand solches in acht genommen/ ausser des Spielmans oder Fiedlers/ welcher zum Tantze gefiedelt/ und sich auff das eine Knie niedergelassen/ dem vermeinten heiligen Sacrament ehre zu erweisen/ soll sich alsobald die Erde eröffnet/ und die gantze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen haben/ ohne gedachten Fiedler […] daß man weder Täntzer noch Täntzerin mehr gesehen.
Ob nun solches die eigentliche Ursache dieses Erdfalls/ wie von Mönchen fürgegeben worden/ oder ob der Ort sonst unterfahren gewesen/ und durch das hefftige Springen und erschuttern einen Bruch bekommen und eingangen/ lasse ich andere davon urtheilen.“
Andreas Möller, Theatrum Freibergense Chronicum, Beschreibung der alten löblichen Berg Haupt Stadt Freyberg in Meissen, Freiberg 1653, Bd. 2, S. 60f. (Hervorhebung durch mich)
Aus der Textstelle, deren Original unbekannt ist, lässt sich ableiten, dass Freiberger Häuer anscheinend regelmäßig gemeinsam getanzt haben und die Tänze – zumindest aus Sicht des 300 Jahre später agierenden Chronisten – lebhaft waren. Zur Choreografie gibt Möller keine Auskunft. Der von ihm verwendete Begriff „Reihe“ weist den gleichen Ursprung wie „Reigen“ auf, welcher ein Singtanz bzw. ein Tanzlied war, der in Ketten oder im Kreis getanzt und bei dem gleichzeitig gesungen wurde.14




Im Bergbaukontext, speziell im sächsisch-böhmischen Gebirgsraum, etablierte sich hierfür die Bezeichnung „Bergreihen“, dessen Schreibweise in historischen Quellen als „Bergreyhen“, „Bergkreyen“, „Bergreien“, „Bergkreigen“ u.ä. überliefert ist (Abb. 2).15 Aus anderen Bergbaugebieten vor allem der DACH-Region kennen wir derartige Tänze (Hüttenberg, Saarland, Schwäbisch Hall, eventuell auch Goslar), aber auch nahestehende Reiftänze (St. Lambrecht; Abb. 3). Am häufigsten überliefert im Zusammenhang mit Bergleuten sind jedoch Schwerttänze (Ebensee, Gastein, Hallein, Hallstatt, Ischl),16 welche gemäß Carl Lehmann, basierend auf der Schneeberger Chronik von Christian Meltzer von 1716, auch in Sachsen üblich gewesen waren:
„Denn ob wir gleich über die Festlichkeiten und feierlichen Spiele der Bergknappen zu wenig unterrichtet sind, um ein sicheres Urtheil zu fällen oder eine anschauliche Beschreibung derselben in ihrem ganzen Umfang geben zu können, so bleibt doch so viel ausgemacht, daß sie deren viele gehabt haben mögen, wie es überhaupt damals im Geiste der Zeit lag. […]
Unter den Spielen profaner Art verdient der noch heutigen Tages unter den Salzknappen Halleins und Hallstadts übliche uralte Schwertertanz Erwähnung, da er auch unter den Bergknappen des Sachsenlandes gar sehr gebräuchlich war. Dieser Schwertertanz wird von 9 Tänzern, 2 Pfeifern, 1 Trommler und 2 Hanswürsten aufgeführt […].
Hierauf tanzen sie, indem Jeder die Spitze des Schwertes von seinem Nebenmann anfaßt, ein Rondo, springen über die Säbel, legen sie nieder, tanzen herum, heben sie wieder auf, und bilden eine Schnecke, aus welcher sich die Tänzer wieder herauswinden müssen, ohne die Schwertspitze loszulassen; dann tritt ein Hanswurst in den Kreis und knieet nieder, die Tänzer aber legen ihre Schwerter auf ihn, und der Vortänzer hält, nachdem er auf die Schwerter gesprungen, von da herunter [einen Spruch].
Hierauf tanzen die Tänzer abermals ein Rondo, jedoch schneller als frühere, während dessen einer nach dem anderen unvermerkt abtritt, so daß endlich nur der Vor- und Nachtänzer übrig bleiben, welche sich ein paarmal mit den Schwertern herum drehen, und endlich unter einem jubelnden Vivat die Schwerter mit den der anderen zusammenschlagen, womit der Tanz schließt. Auf solche Weise suchten sich in jenen Zeiten die Bergknappen durch allerlei Spiele in Scherz und Ernst das Gefahrvolle ihres Berufes zu erheitern.“
Carl Lehmann, Chronik der freien Bergstadt Schneeberg. Erster Theil, Schneeberg 1837, S. 112f., zitiert nach: Christian Meltzer, Historia Schneebergensis renovata. Das ist: erneuerte Stadt- und Berg-Chronica der im Ober-Ertz-Gebürge des belobten Meißens gelegenen wohl-löbl. freyen Berg-Stadt Schneeberg, Schneeberg 1716 (Hervorhebung durch mich)


Generell war diese Form des Tanzspiels im 15. und 16. Jahrhundert als Zunfttanz sehr beliebt, wie auch im Zitat von Lehmann anklingt (Abb. 4-6). Daher lässt sich der Schwerttanz auch in Sachsen außerhalb des Bergbaus nachweisen; er scheint aber im Zuge der Reformation immer seltener getanzt worden zu sein.17 Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Publikationen der „Bergreihen“ wider, die nach dem Höhepunkt im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts schnell wieder abnehmen und erst im 19. Jahrhundert ein Revival erfahren.18
In etwa zeitgleich ging nach dem Volksliedforscher Franz Magnus Böhme auch das tänzerische Element der „Bergreihen“ verloren:
„Der Name ist aber schon zu Anfang des 16. Jahrhunderts unpassend auf alle Arten Lieder und Gesänge übertragen, z. B. sind in der vielmals gedruckten Sammlung ‚Berkreyen. Etlich Schöne gesenge, newlich zusammen gebracht‘ (Nürnberg 1537) volksthümliche und meistersingerische, weltliche und geistliche Texte zu finden und alle sind als ‚Reyen‘ benannt, so dass der Begriff Tanzlied dabei nicht mehr in Betracht kommen kann. Die Bergleute oder wohl die Bergknappen mit ihrer Musik scheinen damals als besondere Erfinder, Pfleger und Bewahrer des Volksgesanges im Rufe gestanden zu haben, weshalb alle populären Gesänge nach ihnen Bergreihen genannt wurden.“
Franz Magnus Böhme, Geschichte des Tanzes in Deutschland, Bd. 1, 1886, S. 244
Der Dreißigjährige Krieg rund ein Jahrhundert später hinterließ ebenfalls seine Spuren. Sachsen hatte hohe Opferzahlen zu verzeichnen und die Wirtschaft, darunter auch der Bergbau, lag am Boden. Einige Jahre nach Kriegsbeginn hatte man zumindest in Freiberg noch Knappentänze vollführt, wie der Protest des Superintendenten von Freiberg gegen diese zeigt.19 Aus welcher Motivation heraus der Superintendent gegen diese anging, ist unbekannt; möglicherweise erschienen ihm diese „Solennitäten“ während der Kriegszeit nicht mehr angebracht?
Mehrere Autoren überliefern übereinstimmend, dass während des Krieges die gemeinsamen Vergnügungen größtenteils zum Erliegen gekommen sind. Ein Beispiel stammt vom Annaberger Chronisten Georg Arnold von 1658:
„Bey unßern Vorfahren haben die Gärber, Becker, Fleischer und Schmiede, zu gewißen Zeiten im Jahr mit einander ihre Mahlzeiten und Täntze auff dem Schuhhauße in allen Ehren gehalten. […] Die Kürschner Schwerttäntze, die Böttiger Reifftäntze angestellet, welches meistentheils zur Fastnachtzeit geschehen, an welchen sonst allerley Gesinde vermummet und verkappet, alß Narren, in Gebehrden und Thaten, rasenden Leuten nicht ungleich, in der Statt umbzulaufen gewohnet. Umb diese Zeit haben auch die Handwergksleuthe gewiße Spiel gehalten, etliche gestochen und mancherley Abentheuer getrieben, an deren Statt bisweilen Comödien agieret worden. Die Kurtzweil ist sonst wegen der betrübten Zeiten gantz bisher vergeßlich worden.“
Paul Jenisch, Georg Arnold, Chronicon Annaebergense continuatum (1658), Annaberg 1812, S. 104 (Hervorhebung durch mich)
Gleiches liest man in Christian Lehmanns posthum erschienener Publikation über „Merckwürdigkeiten“ im Erzgebirge von 1699, wo er über den Quaß – ein erzgebirgisches Fastnachtsspiel – schreibt: „Dergleichen Auffzüge hielte man vor dem 30jährigen Kriege / aber nun sind sie abgekommen.“20 Es ist daher zu vermuten, dass die geringe Überlieferung der Tänze generell neben der Reformation auch aus deren Verlust durch den Dreißigjährigen Krieg herrührt.
Andererseits wurden nach 1648 manche der Vorkriegstraditionen wiederbelebt, wie man beispielsweise Samuel Bernhard Kühns Freiberger Chronik entnehmen kann. In seinem Eintrag für den 16. Juli 1666 vermerkte er, dass nach 35 Jahren Unterbrechung endlich wieder das traditionelle Vogelschießen stattfand.21 Und Gustav Eduard Benseler berichtet in seiner Freiberger Chronik von 1853 über eine seit 1582 jährlich am 19. Mai stattfindende „wandernde Comödie auf den Straßen, bei welcher die Schüler alle Stände darstellten und dabei wirklich agierten und sangen. Ein Fest, welches zwar durch die Drangsale des Kriegs 30 Jahre lang unterbrochen, aber im April 1648 wieder erneuert wurde.“22
Auch beim schon zitierten Schneeberger Chronisten Christian Meltzer klingt an, dass die Gebirgsbewohner einige Zeit nach dem Krieg ihre alte Lebenslust wiedergefunden hatten:
„[…] es ist Bergkleuten und Bergk-Städtern ein freyes und lustiges Gemüthe gleichsam angebohren/ und muß sich dahero dasselbe fast nothwendig durch Singen der Bergk-Reyhen bezeugen. Man höret es bald/ wosie ein Gelagk haben/ oder in einer Zeche sitzen/ denn sie können nicht schweigen/ sondern sie ruffen laut und machen ein starck Gethöne/ wenn sie wacker und Bergkm. die Berg-reyhen drehen u. collorieren23…“
Christian Meltzer, Historia Schneebergensis renovata. Das ist: erneuerte Stadt- und Berg-Chronica der im Ober-Ertz-Gebürge des belobten Meißens gelegenen wohl-löbl. freyen Berg-Stadt Schneeberg, Schneeberg 1716, S. 705
Hinweise auf spezifische Berg- und Hüttenarbeiter-Tänze konnte ich für diese Phase für das Erzgebirge bisher nicht entdecken, lediglich Tanz im Rahmen von folkloristischen Veranstaltungen oder bei anderen Zünften: In Johanngeorgenstadt, Eibenstock und Schneeberg gab es zum Beispiel seit mindestens 1663 den „Rosenstrauch“-Tanz, bei dem man um einen Rosenstrauch herum tanzte, zuletzt 1921.24 In Annaberg vollzog man bis in das 19. Jahrhundert hinein einen Umzug der Posamentiergesellen, welcher in einer Herberge endete, wo man „diesen und den folgenden Tag unter Tanz und anderen, namentlich in Verkleiden bestehenden Belustigungen“ verbrachte.25 „Von den Reihen- oder Figurentänzen [der Renaissancezeit] hat sich ‚Der Vogelsteller‘ wohl bis in die neueste Zeit im Westen des Gebirges erhalten […]“26, so Moritz von Süßmilch 1894. In Aue soll noch um 1920 herum und in Bernsbach 1925 der alte Fastnachtsbrauch „Burkert“ (auch „Borkert“) zelebriert worden sein, ein Abend, an dem die jungen Frauen die unverheirateten Männer zum Tanze aufforderten.27 Sicherlich haben hieran auch Bergleute teilgenommen.


Generell nehmen im 19. Jahrhundert Tanzveranstaltungen in Sachsen stark zu, so dass vielerortens die Obrigkeit nach entsprechenden Beschwerden sich gezwungen sah, die bisherigen Regelungen zu verschärfen beziehungsweise stärker zu kontrollieren.28 Der Anstieg lässt sich in sämtlichen Schichten nachweisen, nicht nur bei Veranstaltungen des Land- und niederen Bergvolks (Abb. 8), sondern auch bei den Bällen, Maskeraden, Assembléen usw. der bürgerlichen und adeligen Kreise in den Städten, wenngleich man hier die zu dieser Zeit üblichen Quadrillen, Walzer, Polkas usw. tanzte.29
Anlässlich bergbaulicher Jubiläen – wie zum 100jährigen Geburtstag Abraham Gottlob Werners in Freiberg Ende September 1850 oder zum 100jährigen Bestehen der Bergstadt Johanngeorgenstadt 1854 – fanden ebenfalls Bälle statt.30 Zwar ist kein Programm überliefert, aber auch hier ist davon auszugehen, dass die Berg- und Stadtbeamten die Standardtänze des 19. Jahrhunderts getanzt haben dürften und keine speziellen Knappentänze.
Abschluss und Aufruf
Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Geschichte der Tänze der Berg- und Hüttenarbeiter, der „tanzlustigen“ Zunft im Erzgebirge. Einiges ist bekannt, Vieles harrt aber noch der Entdeckung in der Literatur und in den Archiven. Sicher ist, dass es diese Form der Zunfttänze auch im Erzgebirge, der lange Zeit führenden Bergbauregion mit zahlreichen Verbindungen in andere Montanzentren, gegeben haben muss.
Dass im Zuge der Reformation und vor allem mit dem Dreißigjährigen Krieg die Überlieferung abbricht, kann dreierlei bedeuten: Entweder ist damit die Zeit der Zunfttänze im Erzgebirge tatsächlich zu Ende gegangen oder die entsprechenden Dokumente sind durch Kriege, Brände etc. verloren gegangen oder – meine Hoffnung – sie wurden einfach noch nicht entdeckt.
Zwar haben wir heute mit der zunehmenden Digitalisierung mehr Zugriff auf historisches Material, wie zum Beispiel die Digitalisate der Chroniken. Aber trotzdem warten in den Archiven noch zahlreiche Schätze darauf, gehoben zu werden. Sei es, dass in der Verzeichnung eines Aktenbestandes nicht jedes einzelne – für mich eventuell hilfreiche – Dokument aufgeführt werden konnte oder dass, gerade in kleineren Archiven, aus personellen Gründen die Erschließung noch nicht so weit fortgeschritten ist.
Daher bin ich hier auf Mithilfe angewiesen und bitte Alle, denen nützliche Dokumente oder Textstellen bekannt sind, mir hierüber eine Information zukommen zu lassen (nutzen Sie hierfür bitte die auf der Kontaktseite angegebenen Möglichkeiten). Sämtliche Informationen rund um Traditionen mit Tanz und Feierlichkeiten im Erzgebirge und anderen Bergbauregionen können hilfreich sein.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Glück Auf!

Anstoßen in der Großen Hütte in Blockhausen (der Autor ist der dritte von links; © Mike Foerster)
- Noch ältere Spuren verweisen sogar in die Bronzezeit; vgl. https://marcorasch.com/2025/04/03/bergbau-im-erzgebirge/. ↩︎
- Vgl. https://www.unesco.de/staette/montanregion-erzgebirgekrusnohori/ (abgerufen am 28.6.2025). ↩︎
- Vgl. hierfür Siegfried Sieber, Feste, Spiele und Tänze des Handwerks, Handwerkerkunde, Bd. I, unveröffentlichte Druckfahne im Kreisarchiv Aue (=KA) von 1940 (KA, Sign. ERZ 14.18.Nl Sieber 87), speziell S. 1-3; das Originalmanuskript wurde bei einem Bombenangriff auf Leipzig 1943 vernichtet. ↩︎
- „Knappe“, vermutlich als Nebenform zu „Knabe“, bezeichnete ursprünglich generell einen Bergmann. Im Zuge der beruflichen Ausdifferenzierung ging die Bezeichnung später auf den „Häuer“ über, d.h. den Untertage arbeitenden Bergmann; vgl. Heinrich Veith, Deutsches Bergwörterbuch. Mit Belegen, Erste Abtheilung. A-K., Breslau 1870, S. 291f. Auf dem von der Annaberger Bergknappschaft für die St. Annenkirche in Auftrag gegebenen „Annaberger Bergaltar“ ist auf der rückseitigen Mitteltafel explizit ein Knappe bezeichnet, der oberflächlich gräbt (Abb. 1). Als Nicht-Untertage-Arbeitendem fehlen ihm die Kniebügel. ↩︎
- Bei der frühesten überlieferten handelt es sich um die Goslarer Bergbruderschaft, eine religiös-karitative Korporation von Bergleuten vom Rammelsberg; vgl. https://www.kbs.de/DE/UeberUns/Geschichte/geschichte_node.html (abgerufen am 15.6.2025). 1338 wurde im Erzgebirge die Altarbruderschaft oder Berggrubenzunft Ehrenfriedersdorf gegründet; vgl. https://www.berggrabebruederschaft-ehrenfriedersdorf.de/index.php/unsere-bruederschaft-1/unsere-geschichte (abgerufen am 15.6.2025). Aus Freiberg ist von 1399 die Gesellschaft der Haspler überliefert und aus dem Folgejahr die vermutlich schon ältere Freiberger Altarbruderschaft; vgl. Sebastian Felten, Der Bergbau und die Solidarität, in: Jens Beutmann, Anton Gontscharov, Christian Landrock und Sabine Wolfram (Hrsg.), Silberglanz & Kumpeltod. Die Bergbau-Ausstellung, 25. Oktober 2024 – 29. Juni 2025 (Ausstellungskataloge des Staatlichen Museums für Archäologie Chemnitz, Band 7), Chemnitz/Dresden 2024, S. 97. ↩︎
- Das Steigerlied, welches sich in Sachsen seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts nachweisen lässt, entwickelte sich so zur „Hymne“ der Bergarbeiter; vgl. Gerhard Heilfurth, Das Bergmannslied. Wesen, Leben, Funktion; ein Beitrag zur Erhellung von Bestand und Wandlung der sozialkulturellen Elemente im Aufbau der industriellen Gesellschaft, Kassel 1954. 2023 wurde es in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland eingetragen. Für den Einfluss der Wanderbewegungen auf die bergmännische Musik im Erzgebirge vgl. Werner Kaden, Musikkultur im Erzgebirge. Beiträge zur Musikgeschichte einer Region, Schneeberg 2001, S. 28f. ↩︎
- Vgl. hierzu Bernd Lahl, Mettenschichten im Erzgebirge, 2. Aufl., Marienberg 2003. ↩︎
- Vgl. hierfür speziell für das Erzgebirge Ernst John, Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge. Ein Beitrag zur deutschen Volkskunde, Annaberg 1909, zur Taufe S. 63f., zur Hochzeit S. 98ff. ↩︎
- Beispiele finden sich u.a. für Freiberg (Bergarchiv Freiberg [=BA] Sign. 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 707, 1828-90, Stadtarchiv Freiberg [=StA FG] Sign. A X XII 0005, 1872), Johanngeorgenstadt (KA Sign. ERZ I/XII/121, 1843, BA Sign. 40012 Bergamt Johanngeorgenstadt, Nr. 880, 1854), Marienthal (BA Sign. 30062, Polizeipräsidium Zwickau, 1202, 1879-1885), Schneeberg (BA Sign. 40099 Konsortschaftliche Grubenverwaltung Schneeberg-Neustädtel, Nr. 1-646, 1881) usw. ↩︎
- Zu Kirnbauer, der den Begriff „Bergmannsvolkskunde“ geprägt hat, vgl. Georg Sterk, Franz Kirnbauer. 19.2.1900 – 18.1.1978, Mitteilungen der Österreichischen Geologischen Gesellschaft 70, Jg. 1977, 1979, S. 279-280. ↩︎
- Statt Volkstänze wäre die Bezeichnung Zunfttänze hier angebrachter, da sie dem Verständnis der Tanzenden nach – und Kirnbauer definiert es ja auch so – in enger Verbindung zum eigenen ausgeübten Beruf stehen. Kirnbauer dürfte dies eventuell als Abgrenzung zu den aristokratischen Tänzen gemeint haben, die einem strengeren Regelwerk folgten. ↩︎
- Eine „Solennität“ bezeichnete ursprünglich eine generelle, jährlich wiederkehrende Feierlichkeit. Das Wort, zusammengesetzt aus den lateinischen Begriffen sollus (ganz, all-) und annus (Jahr), lässt sich seit dem 14. Jahrhundert nachweisen; vgl. „Solennität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Solennit%C3%A4t>, abgerufen am 12.07.2025. In Sachsen erscheint das Wort mindestens seit dem 17. Jahrhundert, anfänglich für herrschaftliche Feiern jeglicher Art. So berichtet beispielsweise Samuel Bernhard Kühn in seiner Chronik, dass die Hochzeit von Kurfürst Johann Georg III. und Anna Sophie von Dänemark am 9. Oktober 1666 in Kopenhagen „in großem Vergnügen und mit herrlichen Solenniteten vollzogen worden“ sei; StA FG Sign. II A 17a-c, „Samuel Bernhard Kühns [Archidiaconi zu Freyberg] fortgesetzte Freybergische Chronicka D. Andreas Mollers“, undatiert [vor 1725], fol. 39v. Ab dem 18. Jahrhundert wird „Solennität“ auch für Feiern im Bergbaukontext verwendet; vgl. zum Beispiel die Akte BA Sign. 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 707, „Bergwerkssolennitäten bei Trauer und anderen besonderen Ereignissen“, 1828-90. ↩︎
- So lag das Erzgebirge 2024 mit 2,6 Millionen Übernachtungen wie schon in den Vorjahren in Sachsen auf Platz 3 der von Touristen besuchten Destinationen; vgl. https://sachsen.tourismusnetzwerk.info/marktforschung/statistik/#1745844299042-fdf81a9d-b439 (Beherbergungsstatistik des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen, bereitgestellt auf der Seite der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH), abgerufen am 27.7.2025. ↩︎
- Vgl. Franz Magnus Böhme, Geschichte des Tanzes in Deutschland, Bd. 1, 1886, S. 25-29. Wie eng die Verknüpfung zwischen Lied und Tanz zu der Zeit war, zeigt beispielsweise die Gattung der florentinischen Karnevalstanzlieder. ↩︎
- Vgl. Veith 1870 (wie Anm. 3), S. 86. Auch Aenne Goldschmidt ging in ihrem „Handbuch des deutschen Volkstanzes“ davon aus, dass es sich bei den „Bergreihen“ ursprünglich vermutlich um Ketten- und Balladentänze, d.h. Reihen und Singtänze, handelte, die um 1500 vorherrschten; vgl. Aenne Goldschmidt, Handbuch des deutschen Volkstanzes. Systematische Darstellung der gebräuchlichsten deutschen Volkstänze, Textband, 4. verb. Auflage, Berlin 1981, S. 26. ↩︎
- Sämtliche hier genannten Beispiele sind entnommen aus Franz Kirnbauer, „Über Knappentänze“, in: Das deutsche Volkslied. Zeitschrift für seine Kenntnis und Pflege 37, H. 4/5, 1935, S. 2. Weitere Publikationen, die sich vor allem mit dem Schwerttanz im Allgemeinen beschäftigen und in denen zahlreiche Beispiele – zumeist aber ohne Choreografie – zusammengetragen wurden, sind (chronologisch): Karl Müllenhoff, Über den Schwertttanz, in: Georg Beseler, Moritz Haupt, Theodor Mommsen und Karl Müllenhoff (Hrsg.), Festgaben für Gustav Homeyer zum XXVIII Juli MDCCCLXXI, Berlin 1871, S. 110–147; Hans von der Au und Bernhard von Peinen, Deutscher Schwerttanz, Kassel 1935; Kurt Meschke, Schwerttanz und Männerbund, Bd. 1-3, Kassel 1936-38. Auffällig ist die verstärkte thematische Hinwendung im letzten Drittel des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als nationalistische Strömungen vorherrschten. In den beiden letztgenannten Werken tritt sprachlich der völkische Duktus des NS-Regimes offen zu Tage.
In einer Publikation von 1952 sind Hinweise auf weitere sächsische Tänze enthalten, darunter „Oelsnitzer Bergwerkstänze um 1500, ein Bergknappen-Menuett (1730), Bergbautänze aus Neustädtel“; vgl. Manfred Blechschmidt, Vom Volkstanz im Erzgebirge und Vogtland, in: Glückauf. Beiträge zur erzgebirgischen und vogtländischen Folklorepflege 1981, S. 10, mit Verweis auf Jeannoth-Jo Blau, Um die Entwicklung des Volkstanzes in Sachsen, in: Musik und Gesellschaft 1952, S. 246 (noch nicht gesichtet). ↩︎ - So nennt Carl Lehmann einen Schwerttanz in Zwickau, der zu Fastnacht des Jahres 1518 anlässlich der Anwesenheit diverser Fürsten aufgeführt wurde; vgl. Carl Lehmann, Chronik der freien Bergstadt Schneeberg. Erster Theil, Schneeberg 1837, S. 119. Wer für den Tanz verantwortlich war, geht aus der Textstelle nicht hervor. Gemäß Lehmann nahmen die öffentlichen Tänze „in Folge der Reformation ihre Zuflucht in Privatcirkel“; ebd. S. 112. Auch dass bei ihm der oben zitierte Bericht über den Schwerttanz im Präteritum formuliert wurde, deutet auf eine Aufgabe dieses Brauchtums. Für den Zusammenhang zwischen Reformation und Aufgabe der Tänze vgl. Franz Josef Krafeld, Zur Geschichte von Volkstanz und Volkstanzpflege in Deutschland, 2013 (öffnet als PDF). Die Zusammenfassung basiert auf seiner Publikation: Wir tanzen nicht nach eurer Pfeife. Zur Sozialgeschichte von Volkstanz und Volkstanzpflege in Deutschland (Eres, Bd. 2394), Lilienthal/Bremen 1985.
Meltzer, d.h. die Vorlage Lehmanns, erwähnt ohne Jahresangabe, dass in Schneeberg „weiland die Handwercker nach ihren Gewohnheiten auch manch seltsame Auffzüge gehalten und Spectacula praesentiret, wenn e.g. die Kürßner [=Kürschner] Schwerd-Täntze; die Büttner aber Reiff-Täntze angestellet“; Christian Meltzer, Historia Schneebergensis renovata. Das ist: erneuerte Stadt- und Berg-Chronica der im Ober-Ertz-Gebürge des belobten Meißens gelegenen wohl-löbl. freyen Berg-Stadt Schneeberg, Schneeberg 1716, S. 1143.
Weitere Beispiele für Schwerttänze sind bei Dancilla zusammengetragen, vgl. https://www.dancilla.com/wiki/index.php/Kategorie:Schwerttanz, abgerufen am 27.7.2025. ↩︎ - Dies ergab eine Trefferanalyse zum Stichwort „Bergreihen“ im K10plus-Verbundkatalog des Bibliotheksservice-Zentrums Baden-Württemberg und der Verbundzentrale des GBV (https://opac.k10plus.de/). ↩︎
- Vgl. Eberhard Möller, Bergmännisches Musizieren zwischen 1500 und 1750 im ehemaligen Sachsen, in: Glückauf – Beiträge zur Folklorepflege 1989, S. 7–16, hier S. 7, ohne Angabe der Quelle. ↩︎
- Christian Lehmann, Historischer Schauplatz derer natürlichen Merckwürdigkeiten in dem Meißnischen Ober-Erzgebirge, Leipzig 1699, S. 757f. Zum Quaß vgl. Blechschmidt 1981 (wie Anm. 16), S. 5, und Werner Unger, Der Quaß der Handwerker und Bergleute. Erzgebirgische Fastnachtsbräuche (III), in: Erzgebirgische Heimatblätter. Zeitschrift für Heimatfreunde (1982), S. 24–28. ↩︎
- Vgl. Kühn [vor 1725] (wie Anm. 12), fol. 39r. ↩︎
- Gustav Eduard Benseler, Geschichte Freibergs und seines Bergbaues. Zweite Abtheilung, Freiberg 1853, S. 710. ↩︎
- Ob sich das „drehen“ auf eine Bewegung während des Singens bezieht, ist unklar; auf den Folgeseiten ist bei Meltzer lediglich von Gesang die Rede. Bei der „Koloratur“ handelt es sich um eine seit dem Mittelalter entwickelte musikalische Verzierung; vgl. beispielsweise Ulrich Michels, dtv-Atlas Musik. Band 1, 19. Aufl., München 2000, S. 157 u. 261. ↩︎
- Vgl. Blechschmidt 1981 (wie Anm. 16), S. 6, mit einigen weiteren Beispielen. ↩︎
- Moritz Spiess, Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges. Ein Beitrag zur Kenntnis des Volksglaubens und Volkslebens im Königreich Sachsen (Bericht über die Progymnasial- und Realschulanstalt zu Annaberg), Dresden 1862, S. 53; spezifische choreografierte Tänze scheint man bei den Vergnügungen allerdings nicht mehr getanzt zu haben. ↩︎
- Moritz von Süßmilch, Das Erzgebirge in Vorzeit, Vergangenheit und Gegenwart, Leipzig 1894, S. 144. ↩︎
- Vgl. Siegfried Sieber, Der Burkert. Ein erzgebirgischer Fastnachtsbrauch, in: Glückauf – Beiträge zur Folklorepflege (1956), S. 12–15. Laut Sieber stamme der Name des Brauches vom Heiligen Burkard ab, an dessen Tag, dem 14. Oktober, ein Fest gefeiert wurde. Im Laufe der Zeit wanderte das Fest dann in die Fastnachtszeit (ebd. S. 2); möglicherweise hing dies mit dem Todestag des Heiligen am 2. Februar zusammen. ↩︎
- Vgl. zum Beispiel Staatsarchiv Chemnitz, Sign. 33043, Ältere Amtshauptmannschaft Zwickau, 061, Grundsätze der Gesellschaften zur Tanzbelustigung, fol. 1, vom 17.9.1841, wo es heißt, dass die Zahl der Tanzvergnügungen auch auf dem Lande, hier am Beispiel von Rochlitz, stark zugenommen hat, was zu einer verstärkten Umgehung der Bestimmungen geführt habe. ↩︎
- Vgl. Josef Matzerath, Rittergut und Residenzstadt. Landsässiger Adel des Erzgebirges in Dresden (1800-1900), in: Dresdner Hefte. Beiträge zur Kulturgeschichte (2018), S. 45–52. ↩︎
- Vgl. für Freiberg BA, Sign. 40010 Bergamt Freiberg, Nr. 707 (wie Anm. 9), und für Johanngeorgenstadt BA, Sign. 40012 Bergamt Johanngeorgenstadt, Nr. 880, fol. 19, Programm der Festlichkeiten. Auch aus Schneeberg und weiteren erzgebirgischen Ortschaften sind Bälle in den sächsischen Archiven überliefert. ↩︎
