Und wieder ging es mit dem Rollstuhl auf Tour. Im Gegensatz zur Neapel-Reise (siehe hier) hatte sich die Zahl der Räder und der Teilnehmer aber diesmal verdoppelt. 🙂 Im Folgenden berichte ich Euch über Siziliens Strände, Ortschaften, Sehenswürdigkeiten und wie gut – oder eben auch nicht – diese mit dem Rollstuhl zu meistern waren (aufgrund der Länge ist der Artikel wieder in zwei Texte aufgeteilt).
Planung
Diesmal planten wir die Tour anders. Es gab nicht mehr eine einzige Station, von der aus wir Ausflüge machten, sondern es sollte eine Rundreise werden mit Mietwagen und vier verschiedenen Aufenthalten. Hier zeigte sich bei der Organisation aber schon die erste Schwierigkeit: Auch wenn Unterkünfte als rollstuhlgerecht gekennzeichnet waren, waren sie es eben doch nicht immer oder nur bedingt. In einem Fall rief mich der Besitzer unmittelbar nach der Buchung zurück und machte mir klar, dass ich bitte stornieren solle, weil die Unterkunft nicht geeignet sei. In zwei weiteren Fällen stellte sich vor Ort heraus, dass wegen einer Stufe kein alleiniges Hinein- bzw. Herauskommen möglich war (was wir nicht vorher erfuhren). Aber immer waren die Verantwortlichen hilfsbereit und sehr freundlich, vor allem bei unserer letzten Station…

Unsere Reise begann mit dem Flug von Frankfurt nach Catania auf Sizilien. Hierbei gibt es nichts Wichtiges zu berichten. Auch die Ausleihe des Wagens direkt am Airport verlief problemlos, abgesehen davon, dass der Anbieter nicht so leicht zu finden war.
Lido di Noto und Umgebung
Unsere erste Übernachtungsstation hatten wir in Lido di Noto, dem Badeörtchen von Noto. Das Innere der Unterkunft war zwar rolligerecht, aber am Eingang gab es – wie schon angedeutet – eine Stufe, für die Tobi Hilfe benötigte. Leider ist das oft das Problem, dass es prinzipell funktioniert, aber irgendwo dann doch eine kleine Hürde gibt, die man alleine nicht meistern kann.
Der Ort selbst war klein und recht ruhig; Ende Mai ist dort noch keine Saison. Die Restaurants – wir waren in einem direkt mit Meerblick – und der Supermarkt ließen sich gut per Rolli erreichen. Mit dem Rolli aber an den Strand zu kommen, war für das „Zugpferd“ (also mich) aufgrund des vielen weichen Sandes allerdings eine ziemliche Plackerei (ansonsten war der Strand deswegen aber natürlich super!). Im noch geschlossenen Bezahlbereich gab es immerhin einen befahrbaren Weg, den wir zwischenzeitlich auch nutzten; allerdings führte auch dieser nicht vollständig bis zum Wasser. Daher musste ich mich das letzte Stück doch ziemlich abmühen… 😉





Ein Ausflug führte uns in die Barockstadt Noto. Ein schönes kleines Örtchen, allerdings mit teilweise recht steilen Straßen, also schwierig allein mit dem Rolli zu meistern. Ein weiterer in das Naturreservat Oasi Faunistica di Vendicari. Ganz vorbildlich ist dieses für Rollstühle, Kinderwagen usw. ausgebaut und ermöglicht einen umfassenden Rundgang inklusive der Vogelbeobachtungsplätze. Lediglich manche Strukturen abseits der Hauptwege, wie die Überreste der Thunfischfabrik, sind durch Stufen nicht ohne weiteres berollbar.
Portopalo di Capo Passero an der Südostspitze Siziliens, wo wir den Nachmittag entspannt ausklingen ließen, war ganz chillig…
Syrakus – Die „größte und schönste aller (alt-)griechischen Städte“
Ab da waren wir zu viert. Unser erster Weg führte uns gemeinsam nach Syrakus, dessen beeindruckender archäologischer Park gut für Rollifahrer geeignet ist. Gelegentliche Stufen lassen sich meistens, jedoch nicht immer umfahren. Nun ja, antike Städte waren halt nicht auf Rollstühle ausgerichtet!
Gleiches gilt für die Altstadt Syrakus‘, Ortygia, die mit ihren engen Straßen Schutz vor der frühabendlichen Sonne bot, und ihre Bauwerke. Vieles, wie die in einen antiken dorischen Tempel hineingebaute Kathedrale, lässt sich besichtigen, manches, wie die Kirche San Giovanni Evangelista mit ihren Katakomben, nicht.




San Leone und Umgebung
Am Folgetag fuhren wir mit einem Zwischenstopp in der Barockstadt Ragusa nach Westen zu unserer nächsten Station San Leone, dem Badeort von Agrigento. Unser touristisches Hauptziel war das „Tal der Tempel“ des antiken Akragas, eine der bedeutendsten antiken griechischen Städte auf Sizilien; ein beeindruckendes Ensemble, dessen Hauptwege sich mit einem Rolli oftmals auch alleine bewältigen lassen. Zwischen den Steinen „rumkraxeln“, wie es Archäologen wie ich gerne tun, geht aber natürlich kaum und man landet schnell in Sackgassen.
Für das Abendessen in San Leone kann ich das Restaurant „Gatto Matto“ in der Viale delle Dune empfehlen, das von außen wie ein elitärer Club wirkt. Lasst Euch davon nicht abschrecken!
Ein Badeausflug führte uns nahe an die sogenannte Scala dei Turchi. Um sicher zu gehen, dass wir mit dem Rolli auch an den Strand gelangen, haben wir in dem kleinen Örtchen Lido Rosello, westlich der beeindruckenden Kalkformation, geparkt.






Castellammare del Golfo
Von San Leone ging es weiter nach Nordwesten bis Castellammare del Golfo; leider konnte ich meine Mitreisenden nicht von einem weiteren archäologischen Zwischenstopp auf der Strecke überzeugen. Direkt nachdem wir unsere Unterkunft bezogen haben, fuhren wir zu dem bezaubernden Badestrand von San Vito Lo Capo. Allein der Weg durch das Naturreservat Zingaro führte durch eine beeindruckende Landschaft und bot großartige Ausblicke auf die Umgebung! Der herrliche Strand, der von dem dahinter liegenden Berg Monte Monaco geprägt ist, ist rollstuhlgerecht mit befahrbaren Matten ausgelegt, so dass wir recht nah ans Wasser kamen. Der Rückweg nach Castellammare während des Sonnenunterganges bot noch einmal Gelegenheit für Fotostopps…
Über Castellammare selber kann ich gar nicht viel berichten. Wir hatten eine ebenerdige Unterkunft außerhalb des kleinen Zentrums, die allerdings wegen des Gefälles am Eingang eine große Stufe aufwies. Am Morgen war die Hälfte von uns am Strand, der noch total leer war, während die andere Hälfte ausschlief. Am Abend kann man ganz angenehm in einem der Restaurants mit Meerblick speisen.






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