Eine toskanische Spezialität, die man in Florenz und Umgebung überall probieren und kaufen kann, ist der Vin Santo, in den man Cantuccini (auch Biscotti di Prato genannt) stippt. Was das Besondere daran ist und warum der Wein angeblich so heißt, erzähle ich Euch im folgenden Beitrag.
Was ist Vin Santo (der „heilige Wein“)?
Vin Santo ist ein Dessert- bzw. Süßwein mit einem Alkoholgrad über 13%. Dies wird durch das „Rosinieren“ der Trauben erreicht, bei dem die Trauben nach der Ernte (traditionell bei abnehmendem Mond) bis Weihnachten oder noch länger gelagert werden, so dass durch den natürlichen Verlust von Flüssigkeit der Zuckergehalt steigt (siehe Strohwein). Nach dem Keltern reift der Wein in Eichenfässern (caratelli) auf dem Dachboden (vinsantaia) noch mindestens drei Jahre.
Woher kommt der Name?
Laut einer florentinischen Sage geht der Name auf das 17. Konzil der römisch-katholischen Kirche, besser bekannt als das Konzil von Ferrara-Florenz, zurück. Auf dieser zwischen dem 16. Januar und 6. Juli 1439 in der Renaissance-Stadt abgehaltenen Versammlung habe Bessarion, der spätere lateinische Patriarch von Konstantinopel, als er den Wein trank, ausgerufen: „Questo è il vino di Xantos!“ („Dies ist der Wein von Xantos!“).
Bessarion, der aus dem byzantinischen Reich stammte, kannte möglicherweise einen ähnlich produzierten Wein aus gepressten Sultaninen von der griechischen Insel Santorin. Auf diese wird der Ausspruch gerne bezogen. Auf griechisch hieß die Insel allerdings Θήρα (Thira, bzw. altgriechisch Thera). Es waren die Venezianer, die die Insel im 12. Jahrhundert Santa Irini nannten nach einer der Heiligen Irene geweihten frühchristlichen Basilika. Daraus wurde später Santorini bzw. im Deutschen Santorin.
Der Name wurde also nie mit „X“ geschrieben. Ist also die Überlieferung fehlerhaft? Oder meinte Bessarion mit seinem Ausspruch die Stadt Xanthos in Kleinasien beziehungsweise einen der beiden gleichnamigen Flüsse (heute Eşen Çayı und Karamenderes Çayı)?
Es gibt noch eine weitere Erklärung: Laut dieser soll Bessarion das griechische Wort ξάνθος (xanthos, d.h. gelblich, gelb, bräunlich) als Beschreibung für den Wein verwendet haben. Dass er des Griechischen mächtig war, ist bei seiner Herkunft sicher. Ob er zuviel des Weines getrunken hatte, dass er italienisch und griechisch mixte? Oder sprach er deshalb so undeutlich? Aber wieso soll er dann gesagt haben „di Xantos“? Das „di“ (von) ergibt grammatikalisch keinen Sinn… (hier müsste ich die älteste Aufzeichnung finden, auf die die Sage zurückgeht).
Nun, Bessarions Gäste hätten jedenfalls angeblich wiederum „santo“ (heilig) verstanden und gemeint, dass Bessarion so begeistert von dem Getränk gewesen wäre.
Der heilige Wein
Einer Version aus Siena zufolge habe ein Franziskanermönch 1348 Pestopfer mit dem Wein geheilt, den seine Brüder üblicherweise zur Messe verwendeten. Natürlich habe sich diese Erfolgsgeschichte danach in Windeseile verbreitet und dem Wein den Beinamen „Heiliger“ eingebracht.
Möglicherweise steckt hier ganz pragmatisch tatsächlich der Urspung des Namens, schließlich wurde der Wein in der Feier der heiligen Messe oder des heiligen Abendmahles verwendet.
Wie eingangs erwähnt, wird der Wein heutzutage statt mit einer Hostie zusammen mit Cantuccini als Dessert genossen… Salute!



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