In Rom befindet sich sozusagen das Gegenstück meines Institutes, die Bibliotheca Hertziana (oben Blick von der Terrasse des Institutes zur spanischen Treppe), die ebenfalls wie das KHI zur Max-Planck-Gesellschaft gehört. Die Hertziana, genauer die Fotothek, besuchte ich mit einem Kollegen vor einiger Zeit und möchte sie Euch nun kurz vorstellen. Weil ich zudem immer wieder gefragt werde, wofür es Fototheken gibt und was man dort so macht, widme ich mich auch kurz diesem Thema…
Die Bibliotheca Hertziana geht auf eine Stiftung der Kölner Kunstsammlerin Henriette Hertz zurück und befindet sich seit ihrer Gründung im Palazzo Zuccari in Rom unweit der Spanischen Treppe. Das von Henriette Hertz schon 1904 dafür angekaufte Gebäude wurde ab 1590 im Auftrage des Malers Federico Zuccari errichtet, der das Untergeschoss selber freskierte – die Fertigstellung seines Wohnhauses erlebte der 1609 gestorbene Künstler jedoch nicht mehr.
Nebenbei: Auch das Kunsthistorische Institut in Florenz (KHI) residiert unter anderem in einem Gebäude, welches der Maler von 1577 bis 1580 bewohnt und teilweise selber mit Fresken ausgestaltet hatte! Zuccari hatte das Haus (heute bekannt als Casa Zuccari) an der Ecke der Via Capponi und der Via Giusti von den Erben des berühmten florentinischen Malers Andrea del Sarto gekauft. Seit 1987 befindet sich das KHI darin. Dort findet man heute einen Multifunktionssaal, das Institutsarchiv, das Negativarchiv der Fotothek, das Fotolabor und die Verwaltung.
Die römische Bibliotheca Hertziana wurde 1913 eröffnet (ausführlich könnt Ihr das hier nachlesen) und erstreckt sich heute infolge von Ankäufen im Laufe der Jahre auf mehrere Gebäude: dem schon erwähnten Palazzo Zuccari, dem Palazzo Stroganoff und dem gegenüberliegenden Villino Stroganoff. Von 2003 bis 2012 wurde zudem der aus den 1960er Jahren stammende Verbindungstrakt abgerissen und ein Neubau errichtet, wobei die Reste eines darunterliegenden antiken Nymphäums freigelegt und in den Bau integriert wurden.



Neben dem Aufbau einer kunsthistorischen Forschungsbibliothek widmeten sich die Direktoren des Instituts von Anfang an auch der Einrichtung einer fotografischen Sammlung. Heute besitzt die Hertziana über 300.000 Bücher und mehr als 830.000 Fotografien, Negative und digitale Fotos zur italienischen Kunst.
Arbeitsauftrag von Fototheken
Ich wurde im Zusammenhang mit meiner Arbeit in der Fotothek des KHI schon einige Male gefragt, was eigentlich der Sinn einer Fotothek ist und was man dort macht. Prinzipiell kann man sich das wie eine Bibliothek vorstellen, die allerdings nicht mit Büchern, sondern mit Fotografien ausgestattet ist, die in verschiedenen Formen vorliegen können – als Negative, Positive, Dias oder in jüngerer Zeit auch digital.



Zu Forschungszwecken können Benutzer Objekte anhand der Aufnahmen analysieren (natürlich nur im begrenzten Umfang, da es sich ja um ein Abbild handelt), für die sie sonst an unterschiedliche Orte hätten reisen müssen und die mittlerweile eventuell zerstört oder verändert wurden. So lassen sich Objektgeschichten rekonstruieren, neue Zusammenhänge aufdecken, Hinweise auf Künstler-Zuschreibungen ermitteln usw., so dass hier die Basis für neue Forschungen gelegt, also kunsthistorsche Grundlagenforschung ermöglicht wird.
Wie in einer Bibliothek muss aber dafür eine Systematik entwickelt werden, damit die analogen Aufnahmen nach einem möglichst konsistenten logischen System abgelegt und vor allem von den Benutzern (wieder)gefunden werden können. D.h. man orientiert sich an den dargestellten Objekten, ordnet sie zeitlich und nach Kategorien wie Skulptur, Architektur und so weiter und untergliedert dies beispielsweise wiederum in Herstellungs- oder Aufbewahrungsort. Gewöhnlicherweise sortiert man die Bilder dabei vom Allgemeinen ins Detail gehend, also hierarchisch. Die Schwierigkeit besteht vor allem in der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“, ein Ausdruck, der in der Archäologie darauf verweist, dass beispielsweise Objekte, die zeitlich einer Epoche wie der Renaissance angehörten, stilistisch aber noch in der traditionelleren gotischen Art hergestellt worden sein konnten.


Problematisch ist auch der Umgang mit Bauwerken, die im Laufe der Jahrhunderte natürlich Veränderungen erfuhren. Wie sortiert man so zum Beispiel den barockisierten Innenraum einer gotischen Kirche ein? Unter Barock oder, damit die Besucher alle Fotos eines Bauwerkes zusammen finden können, unter Gotik? Für diese Probleme hat man in Florenz im Zeitraum von über 120 Jahren eigene Lösungen gefunden, die uns heute nicht immer logisch erscheinen. Aber es ist eben ein gewachsenes System! Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte sich nach Florenz begeben… 😉
Im digitalen Zeitalter, das natürlich auch die Fototheken erfasst hat, werden übrigens immer mehr der Aufnahmen online in Datenbanken mit weitergehenden Informationen erschlossen, so dass die Forschungsmöglichkeiten auch durch die stärkere Vernetzung der Institute sich wesentlich erweitert haben. So sind beispielsweise die Fototheken in Florenz und Rom Teil einer umfassenden Kooperation, deren Fäden im Bildarchiv Foto Marburg zusammenlaufen, von wo aus auch die gemeinsame Online-Bildatenbank www.bildindex.de betrieben wird.


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