Der Volksmund und die Florentiner Stadtführer meinen, dass der Bildhauer Benvenuto Cellini sich selbst in seiner Statue des Perseus verewigt habe. Betrachtet man die Kopfpartie auf der Rückseite der Figur, so scheint einen in der Tat ein finsteres Gesicht mit einem Rauschebart anzublicken…

Mit seinen scharfen Zügen bildet es einen starken Kontrast zu dem weichen, jungen Gesicht des Perseus auf der Vorderseite. Diese Doppelansichtigkeit lässt sich daher als Metapher für die Gleichzeitigkeit der jugendlichen Tatkraft (d.h. der Zukunft) und der Altersweisheit (also der Vergangenheit) verstehen.
Eventuell ist das rückwärtige Gesicht damit auch eine Huldigung Cellinis an die Familie Medici, die zum Zeitpunkt der Auftragserteilung 1545 schon seit über 150 Jahren eine bedeutende Rolle in Florenz spielte und auch in Zukunft die Geschicke lenken sollte…
Ob es sich hierbei wirklich um ein Selbstportät Cellinis handelt, ist nicht so einfach zu beantworten. Die Stadtführer berufen sich hierbei auf die Autobiografie Cellinis. Zumindest in der Goetheschen Übersetzung konnte ich dazu aber keine Erwähnung entdecken (nichtsdestotrotz ist der Werdegang der Statue sehr spannend zu lesen).
Ein mutmaßliches Selbstporträt Cellinis (heute in der Biblioteca Reale in Turin) zeigt den Künstler bärtig, ebenso wie ein zeitgenössisches Porträt auf einem Fresko von Giorgio Vasari im Saal der Fünfhundert (Sala dei Cinquecento) im Palazzo Vecchio, geschaffen zwischen 1555 und 1565 (Cellini starb 1570). Ob das als Ähnlichkeit reicht, mag jeder für sich selber entscheiden…




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