Schaut man sich den Stadtplan bzw. Luftaufnahmen von Florenz an, fällt inmitten der einigermaßen geraden Straßen eine Struktur südöstlich vom Zentrum auf. Vier Straßen bilden hier zusammen ein Dreivierteloval, zwei Straßen schneiden dieses und münden in die Piazza di Santa Croce.

Was hat es mit nun dieser seltsamen Struktur auf sich? Dem erfahrenen Archäologen ist es schnell klar: Die Straßen bilden das ehemalige römische Amphitheater der Stadt Florenz bzw. Florentia, wie sie damals hieß, ab. Dieses wurde in den Jahren 124 bis 130 außerhalb der damaligen Stadt errichtet, hatte einen Durchmesser von 126 Metern und konnte immerhin 20.000 Besucher aufnehmen.


Wenn man heute diese Straßen entlang läuft, findet man abgesehen von der gerundeten Form keinerlei Hinweise mehr auf diesen „theatralischen“ Ursprung. Witzig ist, dass die Begrenzungsstraße im Norden (das rechte der beiden oberen Bilder) Via torta heißt! Diese Bezeichnung lässt sich ebenfalls aus dem Lateinischen ableiten und stammt von torqueo (drehen, winden; vgl. das moderne Torsion). In der Spätantike bezeichnete torta panis ein gedrehtes, gewundenes Brot. Daraus hat sich auch unsere heutige „Torte“ entwickelt…
Ein Großteil der antiken Städte hatte ein derartiges Bauwerk, was sich oftmals auch heute noch – so wie in Florenz – im Stadtgrundriss abzeichnet, auch wenn vom eigentlichen Bau kaum noch etwas erhalten ist (siehe die folgenden Beispiele).



Übrigens, da es immer wieder zu Verwirrung bezüglich der Bezeichnung kommt:
Ein griechisches und ihm folgend römisches Theater (aus dem altgriechischen θέατρον, teatron; für ein Bild klickt hier) bestand aus einem halbkreis- oder halbovalförmigen Bau mit einem riegelförmigen abschließenden Bühnengebäude (Skene), einer runden oder ovalen Spielfläche (Orchestra) und Sitzplätze in nach oben ansteigenden Rängen. Ein Amphitheater (altgriechisch: ἀμφιθέατρον, amfiteatron – amfi bedeutet beide, um-herum) ist einfach aus zwei derartigen Theatern zusammengesetzt, wodurch aber natürlich das Bühnengebäude wegfiel. 😉


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