…nein, nicht bei dem, an den Ihr jetzt vermutlich denkt. 😀 Es geht hier nicht um die „Kopie“ – welche zudem auch (noch) nicht heilig ist, aber das nur so nebenbei –, sondern um das Original in Assisi! Wie schon in einigen Ausflügen zuvor hieß es nach dem morgendlichen caffè das Fahrrad „satteln“ und zum Bahnhof fahren. Diesmal lagen fast drei Stunden Fahrt mit der Regionalbahn vor uns – nun aber vorbei an Arezzo – und wie üblich war ich nicht allein. Wir, das waren zwei Praktikantinnen mit einer Freundin und meine Wenigkeit, geballte Kunstgeschichtspower. 😀
Und was war unser Hauptziel? Natürlich die Kirche des heiligen Franzes, für die der von uns gewählte Ort bekannt ist: San Francesco in Assisi. Möchtest Du wissen, wer der Heilige war, dem man nach seinem Tode ein derart beeindruckendes (und aus seiner Sicht sicher übertriebenes) Bauwerk errichtete? Nun, falls Du Lust hast, viel zu lesen, schau hier in der Wiki! 🙂 Wir hatten glücklicherweise eine Vorleserin dabei…
Doch bevor wir das Bauwerk erreichten, mussten wir erst einmal rund zweieinhalb Kilometer vom Bahnhof nach Assisi spazieren, glücklicherweise bei Sonnenschein. Dabei eröffnete sich uns ein Blick auf die Stadt, wie er schon über 160 Jahre zuvor vom Italienreisenden Gregorovius beschrieben wurde:
Die Vaterstadt des heiligen Franziskus liegt herrlich auf einer Berghöhe, welche sie selbst terrassenförmig bedeckt, mit vielen uralten Türmen und den starken Aufmauerungen der Kirche des Heiligen.
Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien, 1856, Kap. 22

In Assisi nahmen wir den üblichen Stadtbegrüßungskaffee mit dolce ein. Aber gleich danach zog es uns magisch zu unserem Ziel, der Basilika, die auf gewaltigen Substruktionen auf dem Monte Subasio errichtet wurde (auf dem Bild links). Leider darf man in der beeindruckenden Kirche keine Fotos machen und – obwohl wir ja in Italien sind – halte ich mich für gewöhnlich daran. Außerdem sind die Aufpasser ziemlich aufmerksam… 😉 Daher muss ich Euch für Innenansichten erneut auf die Wikipedia verweisen.



Für den Besuch der Doppelkirche mit Kreuzgang haben wir länger gebraucht als gedacht. Aber die Fresken von Giotto di Bondone, Cimabue, Simone Martini, Pietro Lorenzetti und weiteren berühmten Künstlern sind wirklich beeindruckend und lohnen der Detailbetrachtung!
Anschließend unternahmen wir einen Stadtrundgang. Der erste größere Halt fand am ehemaligen Forum mit Tempel, heute die Kirche Santa Maria sopra Minerva, statt. Über den Bau, der in Teilen noch original aus dem 1. Jahrhundert stammt, berichtete schon der gute alte Tausendsassa Goethe:
…und siehe, das löblichste Werk stand vor meinen Augen, das erste vollständige Denkmal der alten Zeit, das ich erblickte. Ein bescheidener Tempel, wie er sich für eine so kleine Stadt schickte, und doch so vollkommen, so schön gedacht, daß er überall glänzen würde. […] An der Fassade konnte ich mich nicht satt sehen, wie genialisch konsequent auch hier der Künstler gehandelt.
Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise, 1786, Kap. 19



Anschließend ging es weiter durch die Stadt an der Kathedrale San Rufino vorbei, hoch zum Amphitheater, von dem außer der elliptischen Form nur wenig erhalten ist, und wieder nach unten in Richtung der Kirche Santa Chiara. Doch noch bevor wir diese erreichten, ertönten plötzlich laute Trommeln. Wir beschleunigten unsere Schritte, um zu erfahren, was für ein Spektakel dort stattfand und wurden von einem Umzug überrascht. Dieser führte von der nahen Kirche Santa Chiara zum Hauptplatz (dem Forum), auf dem gerade Stände mit regionalen Produkten, v.a. Öl, aufgebaut waren.


Welchen Sinn dieser Umzug genau hatte, erschloss sich uns nicht und auch ein von mir befragter Polizist war nicht so richtig hilfreich. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, handelte es sich eher um ein Spektakel für Touristen. Zumindest scheint es wohl nicht in Verbindung mit dem Regionalmarkt zu stehen, vermutlich aber mit dem Feiertag Allerheiligen, denn es war ja Mittwoch, der 1. November, als wir da waren…


Nun, wir liefen nach der Prozession über Santa Chiara jedenfalls zurück zum Bahnhof und erreichten Firenze wieder nach zweieinhalb Stunden Fahrt.
Anmerkung: Überall in der Stadt kann man das Zeichen „Tau“ sehen (siehe Titelbild), den letzten Buchstaben des hebräischen und davon abgeleitet den 19. Buchstaben des griechischen Alphabets (auch das lateinische und damit unser heutiges „T“ geht darauf zurück). Der Überlieferung nach benutzte Franziskus von Assisi den auch als Antoniuskreuz bezeichneten Buchstabe als Segenszeichen und unterschrieb damit.


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