Donnerstag, 2. Juni. Morgens halb 10 in Deutschl, ach nee Italien, waren die Straßen kaum befahren – es herrschte schläfrige Feiertagsstimmung (an diesem Tag vor 70 Jahren stimmten die Einwohner Italiens mehrheitlich gegen die Beibehaltung der Monarchie und für die Einführung der Republik). Ich zelebrierte den Tag, indem ich mir zur besten Frühstückszeit einen ganz neuen Fiat 500 in schwarz auslieh und damit zum Bahnhof Santa Maria Novella brauste, um Anni für unsere zweite gemeinsame Tour abzuholen, diesmal durch die Toskana. Im Folgenden versuche ich, den Fahrtbericht kurz zu halten und den Fokus auf die Bilder zu legen… 😀

Tag 1 – Über Monteriggioni, Siena und Pienza nach Chianciano Terme
Auf der Via Chiantigiana, die durch das berühmte toskanische und – dank der üppigen Regenfälle, die die Toskana derzeit heimsucht – sehr grüne Weinanbaugebiet Chianti führt, fuhren wir entspannt zu unserem ersten, spontan gewählten Zwischenstopp: Monteriggioni, ein Bergstädtchen 20 km vor Siena, welches noch eine beeindruckende intakte Stadtmauer aufweist. Trotz des schon wieder einsetzenden Regens herrschte eine entspannte und angenehme Atmosphäre, wofür zum einen das Kinderfest, zum anderen das kleine gemütliche Örtchen verantwortlich war.




Als nächstes rauschten wir mit unserem wendigen Toskana-Mobil weiter nach Siena, dem kleinen, gotischen Konkurrenten von Florenz. Da mich Siena auch bei meinem zweiten Besuch nicht sonderlich beeindruckt hat, zähle ich hier nur kurz unsere bedeutendsten Aktivitäten und Ziele auf: Piazza del Campo, den sehr beeindruckenden Dom, caffè und dolce bzw. Panino, bei strömenden Regen und mit durch die Altstadtgassen fehlorientiertem Navi zum Auto zurückeilen, um Geld in den Parkautomaten nachzuwerfen (und trotzdem untypisch deutsch eine halbe Stunde zu spät zurückkommen) usw.
Übrigens befindet sich in der Stadt der Sitz der Banca Monte dei Paschi di Siena, der ältesten noch existierenden Bank der Welt. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, wenn ich in Italien bin, bei der MPS Geld zu holen…




Das letzte Besichtigungsziel des Tages bildete Pienza, wie Florenz und Siena übrigens auch UNESCO-Weltkulturerbe. Gegenüber Siena herrschte wieder Ruhe, nur verhältnismäßig wenige Touristen flanierten ebenfalls durch die engen Gassen und genossen die beeindruckende Aussicht auf das von düsteren Wolken verfinsterte Umland. Nach der obligatorischen Pizza fuhren wir im Dunkeln nach Chianciano Terme, wo man im Hotel schon unsere Ankunft erwartete.



Tag 2 – Über Radicofani, Sorano, Pitigliano, Sovana nach Grosseto
Nach einer entspannten Nacht in einem ruhigen Örtchen (das übrigens auch im Hellen nicht ansehnlicher wurde) und dem stärkenden Frühstück brachen wir wieder auf. Da es auf der Route lag und der sehr gute Kunst-Reiseführer (den ich guten Freunden zu verdanken habe) fantastische Ausblicke versprach, rollten wir zuerst zum Örtchen Radicofani und bestiegen dort die gleichnamige Festung (der Name geht übrigens auf den hiesigen Sitz eines Langobardenherrschers namens Rachis zurück). Dort erhielten wir in der Tat den versprochenen Rundum- und Einblick in eine im Aufbau befindliche Ausstellung mit etruskischen, römischen und mittelalterlichen Objekten (der Geruch des aromatisierten Staubsaugers war ganz schön penetrant und zog durch den kompletten Turm).






Glücklicherweise wartete der mal wieder einsetzende Regen fast bis zu unserer Ankunft am Auto, so dass wir uns anschließend sicher bedacht zu den nächsten Zielen weiterbewegen konnten. Bei Sorano, Pitigliano und Sovana im Süden der Toskana handelt es sich um drei Ortschaften, die historisch auf die Etrusker zurückgehen und auf relativ weichem Tuff-Felsen errichtet worden waren (siehe das Titelbild oben mit Sorano). Spuren der frühen Nutzung kann man heute noch im Umland sehen in Form von zahlreichen Höhlen und Gräbern.
In Sorano, dem ersten Ort, gab es direkt vor dem Tor zur Altstadt einen einheimischen Stand mit leckeren Produkten: Cremiger Limonenlikör mit Anis (von dem ich nach einer Verkostung eine Flasche mitnahm), mit Kaffee und Schokolade (die Besitzer waren beim Einschenken von Proben sehr großzügig), des weiteren Olivenöl usw. Die Altstadt selber ist von engen, aufgrund der Hanglage teilweise sehr steilen Gassen durchzogen und von schlichten monochromen Gebäuden geprägt, was auf die Verwendung des örtlichen Baumaterials zurückzuführen ist. Pitigliano, die gefühlte „Großstadt“, nervte uns in der Neustadt durch ihren Lärm, während Sovana, die kleinste im Bunde, wiederum mit ihrer Ruhe punktete. Nach dem Besuch der von Renaissance und Barock unberührten mittelalterlichen Kirche probierten wir das für die Region Maremma bekannte Cinghiale (Wildschwein), Anni mit Tagliatelle, ich mit Polenta – das von uns auserwählte Restaurant ist aber nicht empfehlenswert (nun, viele Möglichkeiten hatte man in dem kleinen Örtchen allerdings auch nicht).











Kurz vor Einbruch der Dämmerung setzten wir die Fahrt für nur etwa 10 Minuten fort, um eine kleine archäologische Entdeckungstour zu unternehmen. Da der offizielle Eingang zur etruskischen Nekropole schon geschlossen hatte, schlugen wir uns durch das Gebüsch (aber ohne wie Indiana Jones die Natur dabei zu schädigen) und suchten bzw. fanden einige der berühmten Gräber. Wie am Vortag kamen wir aufgrund der vielen Punkte letztendlich im Dunklen in unserer nächsten Unterkunft in der Hauptstadt der Region, Grosseto, an…


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