Donnerstag morgens gegen halb 2, nach einem regulären Arbeitstag, wagte ich mich wieder aus dem Haus. Vorbei an der Bank, um die Geldbörse mit mehreren bunten Scheinen zu befüllen, deren genauer Verwendungszweck ebenso wie die Straße noch im Dunkeln lag. Vorbei an einer leicht bekleideten „Dame“, deren Ziel ebenfalls die Geldbeschaffung war. Nachdem ich mich mit meiner Reisebegleitung, einer ebenfalls im Institut arbeitenden Freundin, an der Kirche Santa Maria Novella getroffen hatte, ging es weiter zum ominösen nächtlichen Treffpunkt: Der geschlossene Busbahnhof. Lediglich wenige dort schon Wartende ließen uns hoffen, dass unsere Ankunft morgens halb 3 nicht vergebens war. Doch erst eine geschlagene Stunde später als veranschlagt traf endlich der erwartete Bus ein und nahm uns mit auf unseren ersten kleinen giro d’Italia.
Turin
Trotz der Verspätung erreichten wir das erste Ziel pünktlich halb 10: Turin. Nach dem obligatorischen caffè führte uns unser Weg über Alleen und verkehrsreiche Straßen in die Innenstadt, die auf uns – mit Verlaub – relativ nichtssagend und langweilig wirkte; nun, wer in Florenz wohnt, lässt sich eben nicht mehr so schnell von palazziartigen Gebäuden gesäumten Straßen, die noch dazu hauptsächlich aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammten, beeindrucken. Dem Dombesuch schloss sich der Weg zu unserer Unterkunft an: Ein liebevoll modern eingerichtetes Appartement nahe des Pos (damit ist natürlich der Fluss gemeint).
Nach einem ausführlichen Test der zur freien Verfügung stehenden Kaffeemaschine ging es zurück in die Stadt; der Kauf einer Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel schonte unser knappes zeitliches Polster sowie die Schuhe (bei meinen erst kurz vor Florenz zum Schuster gebrachten Schuhen befand sich eine Sohle schon wieder im Abnabelungsprozess).





Unser Ziel und auch das Highlight des Turinbesuchs war das Museo Nazionale del Cinema, untergebracht in der Mole Antonelliana. Nachdem der erste Teil klassisch museologisch die Vorgeschichte des Kinos („Archäologie des Kinos“ genannt) mit zahlreichen beeindruckenden Ausstellungsobjekten thematisierte, entführten uns die restlichen Räume und Säle durch die Installationen und Spielereien in eine andere, expressive, surreale Welt… Den Abschluss des Besuchs bildete die Fahrt mit dem Panoramaaufzug durch die Haupthalle auf die Aussichtsplattform in 85 m Höhe, die uns in die reale Welt zurückbrachte.







Der Rest des Tages verlief mit Schlendern durch die Stadt, natürlich einem Eis und Pizza aus dem Holzofen, bis uns die Müdigkeit infolge der kurzen Nacht wegen der Busfahrt in das gemütliche Appartement zurückkehren ließ.
Am nächsten Tag schloss sich nach einem ausführlichen Frühstück mit diversen zur Verfügung stehenden Kaffee- und Gebäcksorten ein erneuter Stadtrundgang an, der mit der kurzen Metrofahrt vom Haupt- zum Busbahnhof endete. Unser Fahrzeug stand schon bereit und führte uns an schneebedeckten Südausläufern der Alpen vorbei nach Mailand, der nächsten Zwischenetappe.
Mailand
Mailand, zweitgrößte Stadt Italiens, beeindruckte durch seine Quirligkeit und Großstädtigkeit. Einen Großteil unseres kurzen Aufenthaltes benötigten wir für die Besichtigung des Doms (das beinhaltete die Wartezeit an der Sicherheitsschleuse – wohl weil ich mir anmerken ließ, dass mich das Procedere nervte, musste ich meinen Rucksack fast komplett auspacken – als auch den eigentlichen Besuch). Dafür entschädigte die sehr beeindruckende (entschuldigt die langsam schon inflationäre Verwendung des Begriffs) und qualitätvolle Architektur und Innenausstattung; unterstützt wurde die Wirkung noch durch einen Chor, der für die abendliche Aufführung probte.






Einerseits gezielt, andererseits treiben lassend führte uns der anschließende Rundgang an prachtvollen, aber auch schlichten Bauwerken vorbei. Zufällig gelangten wir dabei in den studentisch und alternativ geprägten Corso di Porta Ticinese, wo wir uns dick belegte Pizzastücke und dolci holten und den Sonnenuntergang gemütlich und in Begleitung eines zurückhaltend bettelnden Hundes auf der Piazza Sant‘ Eustorgio verbrachten. Auch hier beendete anschließend ein kleiner nächtlicher Spaziergang den Besuch der Stadt.
Wie in Turin lohnte sich auch in Mailand der Kauf einer Tageskarte wegen der mehrfachen Straßenbahnfahrten und weil der Busbahnhof Lampugnano, zu dem wir gegen elf Uhr abends wieder zurückfuhren, mit der Metro 17 Minuten vom Zentrum entfernt lag. Zwischendurch unterhalten durch einen netten Albaner, der wissen wollte, ob noch ein Bus nach Zürich fährt und dem wir mit Hilfe des Internet weiterhelfen konnten, endete mit der fast pünktlichen Ankunft des Busses unser etwa zehnstündiger Ausflug nach Mailand und die nächtliche Fahrt zum letzten Ziel begann…


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