Visual History / Visual Studies

Visual History ist ein noch relativ junges Forschungsfeld der Geschichtswissenschaften, welche Bilder – in meinem Fall vorrangig Fotografien – als Quellen berücksichtigt.

Durch den interdisziplinären Ansatz gibt es inhaltliche Überschneidungen unter anderem mit den Visual Studies, der „klassischen“ Bildwissenschaft in der Kunstgeschichte.

Druck nach einer Ballonaufnahme des Universum Landes-Ausstellungs-Parks und Lehrter Bahnhofs, Fotograf: Hugo vom Hagen, 1886, aus: Die Fortschritte der Luftschiffskunst, Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt, H. 40, 1886, S. 721

Druck nach einer Ballonaufnahme des Universum Landes-Ausstellungs-Parks und Lehrter Bahnhofs, Fotograf: Hugo vom Hagen, 1886, aus: Die Fortschritte der Luftschiffskunst, Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt, H. 40, 1886, S. 721

Mein Schwerpunkt liegt auf der Kontextualisierung von Fotografien beziehungsweise Sammlungen, das heißt deren Einordnung in das historische Umfeld, sowie deren Rezeptionsgeschichte. Hierzu kombiniere ich methodisch Bild- und Medienwissenschaft mit Technikgeschichte.

Meine Forschungsschwerpunkte auf diesem Gebiet beschreibe ich in den folgenden Abschnitten.


Das Luftbild in Deutschland von den Anfängen bis zu Albert Speer. Geschichte und Rezeption des zivilen „Stiefkindes der Luftfahrt“ (Dissertation im Fachbereich Kunstgeschichte an der Philipps-Universität Marburg 2020, veröffentlicht 2021):

Aus dem Rätsel um den Ursprung einer in Verbindung mit Hitlers bevorzugtem Architekten und Minister Albert Speer stehenden Luftbildsammlung heraus untersucht die fotografiehistorische Publikation das zivile Luftbildwesen in Deutschland. Sie spannt hierbei einen Bogen auf von den Anfängen der Ballonfotografie in den 1880er Jahren über die Etablierung der privaten Unternehmen in der Zwischenkriegszeit bis hin zur nationalsozialistischen Vereinnahmung.
Neben der historischen Aufarbeitung mit Fokus auf den Aktivitäten rund um das Unternehmen Hansa Luftbild widmet sich die Publikation erstmals auch wissenshistorisch umfangreich der Motivation der Auftraggeber sowie der Umsetzung in diversen Anwendungsgebieten in Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft.

Ausschnitte aus Rezensionen (für die vollständige Liste s. Publikationen):

  • „Ein empfehlenswertes Buch als Dokument einer Sparte in der Photographie, das für Kunstwissenschaftler und technisch interessierte Photographen ein gleichermaßen interessantes Buch ist. Zeitgeschichtlich interessierte Leser, Kunstwissenschaftler und Photographen werden auf Grund seiner wissenschaftlichen Genauigkeit zur kritischen Reflexion eines historischen Abschnitts des Mediums angeregt.“ (DGPh 2021)
  • „Abschließend kann das Buch uneingeschränkt allen empfohlen werden, die in irgendeiner Weise mit Luftbildern in Berührung kommen und ein Interesse an der historischen Entwicklung dieser Aufnahmemethode haben und sich über frühzeitige Anwendungen in den verschiedensten Fachbereichen informieren wollen. Es gibt einen umfassenden Überblick über die Anfangsjahre der Luftbildaufnahme.“ (Seyfert 2022; öffnet als PDF)
  • „Die fesselnde Rekonstruktion der Provenienz, der Datierung und der Funktionen dieser Sammlung sowie ihres Fundes auf einem Dachboden in Osterode am Harz in den 1980er-Jahren wird besonders das Laienpublikum zu schätzen wissen, das für einen Moment den Eindruck haben könnte, einen Krimi statt einer wissenschaftlichen Arbeit zu lesen. […] Insgesamt machen Marco Raschs umfangreiche Analyse sowie seine präzise Beschreibung des gesamten Systems der Produktion und des Einsatzes der zivilen Luftbildfotografie dieses Buch zu einer grundlegenden und wertvollen Studie für die zeitgenössische Forschung zur deutschen Luftbildfotografie in der Zeit der Weimarer Republik und der NS-Diktatur. Der Band spricht ein breites Publikum von Kunst- und Fotohistoriker:innen, Bildwissenschaftler:innen, Landschaftsarchitekt:innen, Medientheoretiker:innen und ästhetisch interessierten Forschenden an.“ (Quagliati 2023)
  • „Mit vielen Informationen, historischer Einordnung und eindrucksvollem Bildmaterial bekommen die Leser:innen einen tiefen Einblick in das Thema sowie die geschichtlichen Hintergründe. Entstanden ist ein sehr reichhaltiges Werk mit vielen Informationen zu Luftbildern, an dem besonders die vielen Hintergrundinformationen zu verschiedenen anderen Themen, die mit Luftaufnahmen in Verbindung stehen oder in Verbindung gebracht werden können, interessant sind. […] So eignet sich die Dissertation unbedingt auch für allgemein Geschichtsinteressierte. Das Besondere an dem Werk ist die umfangreiche Recherche und der transdisziplinäre Zugang, der viele Themen aus Geschichte, Geowissenschaften, Kunst und Architektur behandelt. […] Als Grundlage für weitere Forschungen auf dem Gebiet des Luftbildes ist Raschs Buch sicherlich ein produktiver Ausgangspunkt.“ (Laue 2024)

Dresden, Frauenkirche mit Flugzeugschatten auf der Kuppel, Fotograf: vermutlich Albert Speer, 1943/44 | © Bildarchiv Foto Marburg, Aufn.-Nr. 931.586

In dem Zusammenhang entstandene Berichte:

Weitere daraus resultierende Einzelthemen und Personen werden in Zukunft noch bearbeitet. Hierzu zählen u.a.: Hugo von Abercron, Erich Ewald und Hugo vom Hagen.

Schlagwörter: Hansa Luftbild, Albert Speer, Photogrammetrie, Luftfahrt, Erich Ewald, Carl Troll, Topographische Grundkarte, Luftbildarchäologie, Aerokartographisches Institut, Junkers Luftbild-Zentrale, Ballonfotografie, Aero Lloyd Luftbild, Konsortium Luftbild G.m.b.H. – Stereographik G.m.b.H., Landesplanungsverein, Hermann Göring, Firmenbriefköpfe, Albert Speer, Generalbauinspektor der Reichshauptstadt


Ausgrabungsstätte von Persepolis, Fotograf: Franz Stolze, Juni/ Juli 1876, aus: Franz Stolze, Persepolis. Die achaemenidischen und sasanidischen Denkmäler und Inschriften von Persepolis, Istakhr, Pasargadae, Shâhpûr, Berlin 1882, Bd. 2, Taf. 98

Aus der Doktorarbeit resultierte die verstärkte Beschäftigung mit der Historie der Photogrammetrie und einem ihrer bedeutendsten Protagonisten: Franz Stolze.

Erste Ergebnisse stellte ich 2019 auf einer internationalen Tagung in Haifa (Israel) sowie 2022 auf einer Online-Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation (DGPF) vor.

Der Photogrammetrie und seinem Vertreter Franz Stolze, der gemeinsam mit Albrecht Meydenbauer einen maßgeblichen Einfluss auf das Luftbild ausübte, werde ich mich weiter widmen. Erste Publikationen hierzu findet Ihr hier.

Schlagwörter: Photogrammetrie, Franz Stolze, Albrecht Meydenbauer, Sebastian Finsterwalder, Bildmessung


Ausgehend von einem fotografischen Bestand im Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg erforschte ich die Hintergründe des Marburg Central Collecting Point, der ersten amerikanischen Kunstsammelstelle in Deutschland.

Aus der umfassenden Beschäftigung mit dieser sowie weiterer alliierter Sammelstellen der Nachkriegszeit ist unter anderem eine Ausstellung im Hessischen Staatsarchiv Marburg, Teil des Originalschauplatzes, mit Begleitpublikation entstanden.

Aufnahmen des Central Collecting Point auf einem Bildstreifen

Für die Kamera inszenierte Ladeaktion vor dem Marburger Staatsarchiv, Fotograf: vermutlich Eugen Fink, Juni 1946 | © Bildarchiv Foto Marburg, Ausschnitt aus einem Kontaktbogen zum Kleinbildfilm LA 943

Ausschnitte aus Rezensionen (für die vollständige Liste s. Publikationen):

  • „kulturgeschichtlich sehr aufschlussreiche[s] Werk“ (Köbler 2021)
  • „Damit steht ein reich bebilderter Begleitband zur Verfügung, der vielseitige Einblicke in die Episode des Staatsarchivs Marburg als Sammelstelle für Kunst- und Kulturgüter gibt und ihre historische Relevanz im Rahmen der Entwicklung des internationalen Kulturgutschutzes aufzeigt.“ (Miegel 2022)
  • „handliche und sehr instruktive Publikation“ (Mauer 2022; öffnet als PDF)
  • „Auf beeindruckende Weise veranschaulicht der Begleitband zur Ausstellung im Hessischen Staatsarchiv, inwieweit Marburg und die dort angesiedelten Institutionen von Mai 1945 bis August 1946 in welthistorisch relevante Prozesse involviert waren. Wer hätte gedacht, dass die in der Publikation geschilderten Maßnahmen zum Kulturgutschutz in erschreckender Weise wieder aktuell sein können, wie die durch den Krieg in der Ukraine wieder auf die Tagesordnung gerückte Notwendigkeit belegt, Maßnahmen zum Schutz der kulturellen Überlieferung zu ergreifen.“ (Schwenke 2022)
Ausstellung zum Central Collecting Point im Staatsarchiv Marburg

Meine Ausstellung zum Central Collecting Point im Staatsarchiv Marburg

Eine Einordnung der Collecting Points in die Geschichte des Kulturgutschutzes findet Ihr hier.

Schlagwörter: Marburg Central Collecting Point, Walker Hancock, Richard Hamann, Francis Bilodeau, Kunstschutz, Hessisches Staatsarchiv Marburg, Bildarchiv Foto Marburg, Provenienzforschung, George Stout, Monuments Men, Friedrich Bleibaum, Wiesbadener Manifest, Kulturgutschutz


Während meiner Tätigkeit in der Photothek des Kunsthistorischen Institutes in Florenz kam ich in Kontakt mit Fotografien von Inschriften der Magistratur der Otto di Guardia e Balìa. Daraus entwickelte sich mein jüngstes Projekt. Mehr dazu findet Ihr hier.

Inschrifttafel der Signori Otto in der Loggia an der Piazza della Santissima Annunziata von 1613

Inschrifttafel der Signori Otto in der Loggia an der Piazza della Santissima Annunziata von 1613

Schlagwörter: Florenz, Otto di Guardia e Balìa, Signori Otto, Medici, Otto di Pratica, Dieci di Libertà, Signoria

Die Geschichte von Wolfgang Schreiber, dem „Fotografen aus dem Untergrund“, ist bisher nur in Teilen rekonstruiert. Anlass für die Beschäftigung bot ein Konvolut, das sich im Besitz der Saxonia-Freiberg-Stiftung befindet, von mir inventarisiert und unter meiner Vermittlung von der Deutschen Fotothek in Dresden digitalisiert wurde.

Schlagwörter: Wolfgang Schreiber, Erzgebirge, Saxonia-Freiberg-Stiftung, Dia, Deutsche Fotothek Dresden, Bergwerk, Digitalisierung, Inventarisierung

„Wenn wo was los…, ruft Foto Groß!“

Einen Teilbestand von über 40.000 Aufnahmen des bedeutendsten Fotografen der Jugendbewegung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschlossen Maria Daldrup und ich in einem Projekt des Archivs der deutschen
Jugendbewegung
. In Ausstellungen und Publikationen stellten wir das Schaffen des Fotografen vor.

Tafel zum fotografischen Werdegang Julius Groß‘ aus unserer Ausstellung

Schlagwörter: Julius Groß, Archiv der deutschen Jugendbewegung, Burg Ludwigstein, Wandervogel, Digitalisierung, Inventarisierung