Kulturgutschutz
Es gehört zu den bezeichnenden Widersprüchen unserer gespenstischen Zeit, daß wir zwar mit niedagewesener Wirksamkeit Schönes zerstören, daß wir uns aber auch anstrengen, es vor den von uns selbst geschaffenen Gefahren zu schützen, und zwar in einem Maße, wie es unsere Vorfahren nie für möglich gehalten hätten.
Edith A. Standen, C. C. P. Die zentrale Sammelstelle für verschlepptes Kunstgut in Wiesbaden, in: DU. Kulturelle Monatsschrift, H. 6, 1946, S. 11-15, hier S. 11

Edith Standen 1946 im Wiesbadener Collecting Point (Wikimedia)
Edith A. Standen war eine der legendären „Monuments Men“ (s. Geschichte des Kulturgutschutzes). Sie löste 1946 Walter I. Farmer ab, den ersten Leiter der Kunstsammelstelle Wiesbaden.
Der Geschichte der alliierten Kulturgutsammelstellen widme ich nun schon seit Jahren. Begonnen hat alles 2012 mit einer Fotografie im Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, deren Entstehungskontext mehr oder weniger im Dunklen lag. Es zeigte sich, dass das Bildarchiv 1945/46 als offizieller Fotograf von der US-amerikanischen Militärregierung herangezogen wurde, um die im gleichen Zeitraum im Marburger Central Collecting Point zusammengetragenen Objekte zu dokumentieren.
Aus der Beschäftigung mit diesem Thema sind diverse Publikationen entstanden; die bedeutendste, in der sämtliche alliierten Sammelstellen aufgeführt werden, ist die Begleitpublikation zu meiner Ausstellung im Marburger Staatsarchiv, dem historischen Schauplatz der Kunstsammelstelle:
Damit konnte ich ein weitgehend unbekanntes Kapitel einer deutsch-amerikanischen Kooperation der frühen Nachkriegszeit beleuchten. Daraus entwickelte sich eine weitergehende Beschäftigung mit dem Themen Kulturgutschutz und Provenienzforschung.

