Wenige Monate, nachdem am 15. Oktober 1783 erstmals ein Mensch1 – der Physiker Jean-François Pilâtre de Rozier – mit Erlaubnis des französischen Königs Ludwig XVI. in einer Montgolfière in eine Höhe von etwa 26 Metern aufgestiegen war, unternahmen Italiener die erste Fahrt in einem Heißluftballon außerhalb Frankreichs.
Am 25. Februar 1784 stieg der Graf Paolo Andreani gemeinsam mit den Gebrüdern Agostino und Carlo Gerli im Garten der Villa Andreani von Moncucco (heute Teil von Brugherio) auf und trieb circa 25 Minuten durch die Lüfte. Der dritte Bruder Giuseppe blieb am Boden. Als Heizmaterial verwendeten sie Birkenholz und eine Mischung aus Alkohol, Terpentin und anderen Brennstoffen.2
Die Gerlis hatten schon zuvor mit Ballons experimentiert und in Andreani, der Anfang 1783 einem Versuch in Mailand mit einem Ballon mit dem Durchmesser von etwa zwei Metern beigewohnt hatte, daraufhin einen finanziellen Förderer gefunden. Er beauftragte Anfang Februar 1784 die Brüder mit dem Bau eines kugelförmigen Ballons mit 23 Metern Durchmesser, der aus Leinwand, Papier und einem über die Hülle gespannten Netz bestand und an dem ein Korb befestigt war.

Von der faszinierenden Erfahrung der Fahrt berichtete später Agostino Gerli:
„Das große Vergnügen, das wir beim Betrachten des Landes unter uns empfanden, der Eindruck, den es auf uns machte, einen endlosen Kontinent aus dieser Höhe zu überblicken, so viele Objekte zu sehen, die uns ein ungewöhnliches Aussehen boten, versetzte uns in Ekstase und Verzückung. Niemand kann mit Worten beschreiben, was für eine Freude eine Reise durch die Luft ist. Die Begeisterung war so groß, dass man das Feuer immer weiter fütterte, bis der Brennstoff ausging. […] Die Zufriedenheit konnte nur außerordentlich sein. Wir sahen die Gerüchte widerlegt, das Geschrei derer, die sagten, unsere Reise sei ein Traum, ein Leichtsinn…“ (Quelle: s. Fußnote 2)

Angesichts des Erfolges inszenierte Andreani am 13. März 1784 einen weiteren Aufstieg, mit dem er den in Mailand weilenden Kaiser Joseph II. zu beeindrucken suchte. Dieser lehnte die Einladung zu dem Event jedoch ab, da er dem „Selbstmord“ des Adeligen nicht beiwohnen wollte. Zudem soll er angewiesen haben, die beiden Gerlis zu bestechen, nicht an der Fahrt teilzunehmen. Andreani ersetzte sie daraufhin durch zwei Bauern aus Brugherio, Giuseppe Rossi und Gaetano Barzago, und ließ ihnen Alkohol geben, um ihnen die Furcht vor dem Aufstieg zu nehmen. Vor einem großen Publikum stieg der Ballon bis auf eine Höhe von 1537 Metern und legte eine Strecke von etwa acht Kilometern zurück. Nach der Landung erfuhr der 20-jährige Graf Andreani zahlreiche Ehrungen, unter anderem in der Mailänder Scala.
Von einem Augenzeugen am Boden, dem italienischen Philosophen und Schriftsteller Pietro Verri, ist ein Bericht von dem Ereignis überliefert:
„Stille und Ehrfurcht erfüllten die riesige Menschenmenge, die von den Logen, von den Loggien, vom Garten und von den Feldern aus dieses für sie und für alle vergangenen Jahrhunderte neue Kunststück staunend verfolgte. In der Zwischenzeit stieg der Wagen hinauf, und der beherzte Edelmann befahl, die Seile zu durchtrennen, und kündigte mit dem Klang einer Trompete seinen Aufbruch in die Lüfte an. Ein größeres Spektakel hatte sich keinem der unzähligen Zuschauer geboten. Der Anblick des gewaltigen Körpers, der wie ein riesiger Palast aussah und größer war als unser großes Theater, schwebte, ohne zu schwanken, war ein Anblick, der das Herz erbeben ließ.“ (Quelle: s. Fußnote 2)
Andreani beendete mit diesem Triumph seine aeronautische Karriere und widmete sich anderen Dingen…
- Soweit gesichert ist; Thesen, dass sich schon früher Menschen in Heißluftballons in die Lüfte erhoben, gibt es schon länger. Als Beispiele verweise ich hier nur auf den Portugiesen Bartolomeu de Gusmão sowie die Nazca-Linien in Peru. ↩︎
- Informationen zu Andreanis Ballonfahrten sowie die Originalzitate findet Ihr auf der Webseite http://www.aerostati.it/andreani.htm (auf Italienisch) sowie im Artikel zu Andreani in der italienischen Wikipedia. ↩︎

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