Über das vermauerte Fenster des Palazzo Pucci habe ich ja schon berichtet. Heute erzähle ich Euch mehr über die dahinterstehende Florentiner Familie – die altehrwürdige Famiglia Pucci.
Name und Wappen
Der Familienname soll von dem mittellateinischen Puccio abstammen, einer Verkürzung des Namens Iacopuccio (s.u.). Eventuell, das werfe ich mal so ins Spiel, könnte es auch mit dem lateinischen pugio (Dolch, von pugno, kämpfen/ fechten/ streiten) in Verbindung stehen?



Das Wappen der Familie Pucci zeigt im Seitprofil das Brustbild eines dunkelhäutigen Kopfes. Es wird deswegen vermutet, dass ein älterer Name der Familie Saracini lautete. Aus der Zeit der Kreuzzüge ist nämlich überliefert, dass diese Bezeichnung bei einer „sarazenischen“ Herkunft oder nach einem Aufenthalt bei den Sarazenen vergeben wurde.
Der Wappenkopf trägt eine Kopfbinde, auf der drei „T“ zu sehen sind. Diese sollen ursprünglich drei Hämmer als Symbol des alten Handwerks der Familie dargestellt haben und später durch drei „T“ ersetzt worden sein. Diese sind wiederum ein Akronym des Familienmottos: „Tempore tempora tempera“ („Mäßige die Zeiten mit der Zeit“).
Die Familie
Der älteste nachweisbare Vertreter der Familie (und vielleicht der Namensgeber?) ist Jacopo Pucci, auch Jacopuccio beziehungsweise verkürzt Puccio genannt. Er fungierte Florentiner Akten zufolge in den Jahren 1264 und 1287 als erfolgreicher Streitschlichter.
Sein Nachfahre Antonio Pucci (circa 1350 bis 1420) wiederum war als Architekt am Bau der Loggia dei Lanzi beteiligt. Dessen Sohn Puccio Pucci wurde ein erfolgreicher Kaufmann und begründete den Reichtum der Familie. Wohl aus dieser Zeit stammte auch die enge Verbindung zur Familie Medici. Mit dem Reichtum verbunden waren öffentliche Ämter; neben diversen Magistratsposten und Gonfalonieren stellte die Familie allein im 16. Jahrhundert drei Kardinäle!
1559 kam es infolge eines versuchten Attentates auf Cosimo I. zum zwischenzeitlichen Bruch mit den Medici. Das Vermögen der Familie wurde zumindest teilweise beschlagnahmt sowie der Part der Familie, der als „schuldig“ eingestuft wurde, nach Sizilien verbannt. Später, so heißt es, haben sich die Medici wieder mit der Familie ausgesöhnt…
Der Palazzo
Die ältesten Wohnhäuser der Familie Pucci sollen sich im Florentiner Viertel Santa Croce befunden haben. Als Anhänger der Guelfen mussten die Pucci nach der verlorenen Schlacht von Montaperti im Jahre 1260 diese zeitweise verlassen.
Im ausgehenden 14. Jahrhundert kaufte Antonio Pucci das Gebiet mit Häusern und Gärten an der Via de‘ Calderai, der heutigen Via de‘ Pucci, im Viertel San Michele Visdomini, das bis dahin teilweise im Besitz der Familien Parenti und del Palagio war.



Der heute sichtbare Palazzo Pucci besteht aus drei Gebäuden, von denen zwei noch immer im Besitz der Familie Pucci sind. Der zentrale und älteste Teil des Palastes wurde zwischen 1528 und 1534 im Auftrag der Kardinäle Roberto und Lorenzo Pucci erbaut, aber erst nach dem Tode des letztgenannten fertiggestellt; sein Wappen ist an der Fassade unter dem Balkon zu sehen.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der Palazzo mutmaßlich vom großherzoglichen Architekten Bartolomeo Ammanati umgebaut. Diese Zuschreibung wird begründet durch die Ähnlichkeiten mit den nahe gelegenen Palazzi Giugni und Grifoni, wie z. B. die Verwendung von Pietraforte im Erdgeschoss, einem typischen Florentiner Sandstein, die reich verzierte Serliana im ersten Stock, die Masken an den Seitenpfosten und das Fenster mit gebrochenem Tympanon im ersten Stock.
Im Jahr 1748 ließ die Familie Pucci die Gebäude der benachbarten Grundstücke, die sie nach und nach aufgekauft hatte, abreißen und das heutige Bauwerk errichten, das sich von der Via Ricasoli bis zur Via dei Servi erstreckt. An diesen Arbeiten, die sich von 1748 bis 1754 hinzogen, waren unter anderem die Architekten Antonio Giachi und Bernardino Ciurini beteiligt, wie aus den erhaltenen Zahlungen hervorgeht.



Nach Abschluss der architektonischen Arbeiten wurde ab 1751 an der Dekoration der Räume im Erdgeschoss und des Piano Nobile gearbeitet. An der Innenausstattung der Säle waren unter anderem bedeutende Maler und Bildhauer wie Giovanni da San Giovanni, Jacopo Chiavistelli und Giovanni Domenico Ferretti beteiligt. Der Prunksaal – der Salone di Apollo – im Piano Nobile bietet Platz für bis zu 180 Personen, der benachbarte kleinere Sala di Paride für bis zu 90 Personen.
Restaurierungsarbeiten an der Fassade sind für die Jahre 1923, 1937 und 1958 dokumentiert. Zwischen 1961 und 1965 wurde der gesamte Komplex durch den Architekten Piero Sanpaolesi restauriert.
Im Jahre 1901 wurde der Palazzo von der Generaldirektion für Altertümer und Schöne Künste zum nationalen Kulturerbe erklärt.
Mäzenatentum der Familie Pucci



Wie die Medici so waren auch die Pucci wichtige Mäzene in der Stadt Florenz. Neben diversen Kunstwerken für die eigenen Palazzi oder für Sakralbauten (eine Auflistung gibt es in der italienischen Wikipedia) finanzierten sie beispielsweise auch das Oratorium San Sebastiano in der nahe gelegenen Basilica della Santissima Annunziata.
Sichtbarer im Stadtbild ist der vorgelagerte Portikus, der im Auftrag der Familie 1601 fertiggestellt wurde und so die einheitliche Platzgestaltung vollendete. Als Erinnerung daran findet man den Namen und das Wappen der Familie sowohl am Bauwerk selber, als auch auf dem Pflaster davor. Zählt doch mal, wie oft Ihr dort Hinweise auf die Pucci findet! 😉


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