Das ist doch ein Fiasko! Wie kann es sein, dass das so umfangreiche Wörterbuchprojekt der Grimms dieses Wort nicht kennt? Gab es das damals noch gar nicht im Deutschen?
Der 2006er Duden definiert es zumindest ganz schlicht als „<ital.> Misserfolg; Zusammenbruch“. In meinem „Wilhelm Liebknechts Volksfremdwörterbuch“ von 1953, „das durch die großzügige Entfaltung der mannigfaltigsten Formen des Bildungswesens in der Deutschen Demokratischen Republik entstanden ist“ (S. 5), steht mehr geschrieben: „Fiásko, n., wörtl.: Flasche; dann (wohl v. d. Zerbrechlichkeit d. Glases abgeleit.) d. völlige Mißerfolg eines Schauspielers od. Theaterstücks; Durchfall, starker Mißerfolg (auf d. Bühne, im polit. Leben usw.); Zusammenbruch“ (S. 85).

Im Italienischen bedeutet fiasco tatsächlich Flasche. Etymologisch sind beide Bezeichnungen miteinander verwandt und gehen auf das altgriechische φιάλη (= fiale) zurück.
Fiasco bezeichnet einen ganz bestimmten Typus, den man in der Toskana findet; ein bauchiges, etwa zur Hälfte zum Schutz mit Stroh ummanteltes Glasgefäß für Wein aus dem berühmten Tal Chianti. Seit mindestens der Zeit von Giovanni Boccaccios „Decamerone“, entstanden ungefähr zwischen 1349 und 1353, ist die Bezeichnung gebräuchlich. Woher aber diese kommt, darüber scheiden sich mal wieder die Geister.

Die einen behaupten, dass es – passend zur ersten Angabe im „Volkswörterbuch“ – dem Jargon der Glasbläser entstammt und für den misslungenen Versuch der Herstellung eines kunstvollen Gefäßes steht. Dieses eigne sich nur noch zur Verwendung als Flasche. Dies erinnert doch irgendwie an die auch im Deutschen übliche Beleidigung „Flasche“…
Die negative Bedeutung „Fiasko machen“, wie es zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Dichtern in den deutschen Sprachgebrauch eingeführt wurde (und damit zur Zeit des Grimmschen Wörterbuchs schon bekannt war), soll auf einen italienischen Schauspieler des 17. Jahrhunderts zurückgehen. Domenico Biancolelli (1636-1688) war bekannt dafür, als Harlekin mit Hilfe von Requisiten zu improvisieren. Eines Abends habe er hierfür ein fiasco verwendet; allerdings endete es in einem solchen und ganz schnell soll das geflügelte Wort far fiasco („ein Fiasko machen“) die Runde gemacht haben…



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