In der Stadt Florenz, nicht weit von der piazza del granduca, zieht sich eine kleine Querstraße hin, ich glaube, sie wird porta rosa genannt. In dieser, vor einer Art von Markthalle, wo Gemüse verkauft wird, liegt ein aus Metall künstlich gearbeitetes Schwein. Das frische klare Wasser rieselt aus dem Maule des Thieres, welches vom Alter schwärzlich grün geworden ist, nur der Rüssel glänzt, als sei er polirt, und das ist er auch von vielen hundert Kindern und Lazzaronis (Bettler), die ihn mit den Händen anfassen und ihren Mund an den Rüssel des Thieres legen, um zu trinken.
H. C. Andersen’s Gesammelte Werke, Eines Dichters Bazar. Erster Theil (= Band 18), Leipzig 1847, S. 88-104
So beginnt ein Märchen des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, welches er nach einer Reise durch Italien, darunter auch Florenz, gegen 1835/40 geschrieben hatte. Inspirieren ließ sich Andersen von dem Brunnen „Fontana del Porcellino“ („Brunnen des Ferkels“), der in der Mitte der Südseite der Loggia des Mercato Nuovo (Neumarkt), südlich der erwähnten Via Porta Rossa, aufgestellt ist.


Geschichte
Vorbild für die Plastik war eine hellenistische Darstellung, die in einer römischen Marmorvariante erhalten ist. Diese schenkte Papst Pius IV. im Jahre 1560 dem zu einem Besuch in Rom weilenden Cosimo I. de’ Medici. Sein Nachfolger in der zweiten Generation, Cosimo II. de’ Medici, beauftragte 1612 den Bildhauer Pietro Tacca (der auch für den Ferdinando I. auf der Piazza della Santissma Annunziata verantwortlich war) mit der Herstellung einer Bronzekopie für den Boboli-Garten. Doch erst zwischen 1633 und 1640 konnte der vielbeschäftigte Tacca die Skulptur fertigstellen.

Unter dem mittlerweile regierenden Ferdinando II. de’ Medici wurde die Plastik spätestens im Jahr 1640 am Eingang des Hauses der Seidenhändlergilde, später Bankiersgilde, in der Via Calimala aufgestellt.
Seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist dort die Apotheke „Spezeria del Cinghiale“ (cinghiale = Wildschwein) überliefert, die ihren Namen von der Tierfigur erhielt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Brunnen unter die Loggia des Mercato Nuovo verlegt, um den Verkehrsfluss an der Hauptstraße zu verbessern.
Die Plastik
Auf einem steinernen quadratischen Sockel mit abgeschrägten Ecken und einer Basis befindet sich die metallene Plinthe. Diese imitiert eine Sumpflandschaft mit entsprechendem Getier. Darauf sitzt ein sehr naturalistisch ausgearbeiteter, ausgewachsener Eber mit gestreckten Vorderläufen (diesen als Ferkel zu bezeichnen, ist doch arg verniedlichend).
Die heutige Plastik ist allerdings eine Replik, die 1998 von der Florentiner Gießerei Fonderia Artistica Ferdinando Marinelli geschaffen wurde (siehe die Inschrift vor dem linken Vorderlauf). Die Bronze von Tacca befindet sich seit 2004 im Museo Bardini, während das Vorbild, die römische Marmorplastik, in den Uffizien ist.
Dieser Aufenthaltsort passt gut zu Andersens Märchen, in dem das Bronzeschwein am Mercato zu Mitternacht zum Leben erwacht, weil ein Knabe auf seinem Rücken eingeschlafen war. Daraufhin läuft „Porcellino“ mit dem aufgeweckten Jungen über die Piazza della Signoria, deren Statuen ebenfalls erwachen, und dann in die Uffizien, um ihm die Kunstwerke zu zeigen…

Glücksbringer?
Eine Frage muss noch geklärt werden: Warum ist die Schnauze des Schweines eigentlich so blankgerieben?
Nun, ursprünglich, weil jeder der trinken wollte, sich daran festhielt. Daraus hat sich aber im Laufe der Zeit die Tradition entwickelt, dass es Glück bringen soll, die Schnauze zu berühren. Steckt man dann noch eine Münze in das Maul und lässt sie herunterrollen, muss sie durch das Abflussgitter fallen, ansonsten wird das nichts mit dem Glück!
Das darunter aufgefangene Geld geht übrigens an die Opera della Divina Provvidenza Madonnina del Grappa, eine katholische, karitative Einrichtung.


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