Der „Garten der Gartenkultur“ (orticultura ist abgeleitet aus dem lateinischen hortus, Garten, und cultura, Kultur), heute eine kleine beliebte „Naherholungsinsel“, befindet sich im Nordosten der Florentiner Innenstadt und entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zurück geht er auf mehrere über hundert Jahre früher gegründete Institutionen…
Die Vorläufer
1716 bildete sich in Florenz die Società botanica fiorentina (Botanische Gesellschaft Florenz‘) zur Förderung der botanischen Kenntnisse. Mit Unterstützung eines Medici – natürlich! –, in diesem Fall Cosimo III., erhielt die Vereinigung die Sorge des schon lange bestehenden Giardino dei semplici (botanischer Garten in der Via Micheli 3) übertragen. Aus diversen Gründen war die Società aber 1783 gezwungen, mit der Accademia dei Georgofili (griechisch: Landfreunde) zu fusionieren.
Diese Akademie wiederum wurde 1753 in Florenz gegründet, um die Methodik von Land- und Forstwirtschaft zu verbessern sowie deren Erkenntnisse zu verbreiten. Im Rahmen der Zusammenlegung der beiden Institutionen unter Großherzog Leopold II. wandelte man den Giardino dei semplici in einen „Landwirtschaftlichen Versuchsgarten“ um.

Und der Giardino dell’Orticoltura?
Dieser geht auf die von der Georgofili-Akademie initiierte Gründung der Società toscana di orticultura 1854 zurück, welche den Gartenbau fördern sollte. Infolge des raschen Anstiegs der Zahl der registrierten Mitglieder und eines Kredites von 50.000 Lire war die Gesellschaft 1858 imstande, ein großes Grundstück vom Marquis Lorenzo Ginori Lisci entlang der Via Bolognese zu kaufen. Hier richtete man einen Versuchsgarten ein, ließ eine beheizbare Orangerie erbauen und organisierte ab 1876 Konferenzen, Ausstellungen sowie die Veröffentlichung eines monatlichen Bulletins.

Gewächshaus
Die Società toscana di orticultura beschloss überdies, ein großes Gewächshaus aus Gusseisen und Glas errichten zu lassen. Mit der Umsetzung des Projektes wurde der Ingenieur und Architekt Giacomo Roster betraut, der wiederum die Unternehmen Michelucci aus Pistoia und die Lorenzetti-Gießerei heranzog.
Das Resultat ist rechteckig, hat einen Grundriss von 38,5 x 17 Metern und besteht besteht aus 9.700 Einzelteilen. Der Innenraum wird von zwei grottenartigen Becken geziert, die Arbeiten des Florentiner Schnitzers Francesco Marini sind. Am 19. Mai 1880 wurde der „Kristallpalast“ eingeweiht. Sieben Jahre später erweiterte man die Anlage um ein Café-Restaurant und ein zweites Gewächshaus aus dem Demidoff-Garten von San Donato.





Und 1931 erwarb schließlich die Stadt Florenz den Garten. Seitdem ist der Garten täglich für alle Besucher geöffnet…


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