Wer kennt nicht die beiden links und rechts sichtbaren Porträts? Geschaffen um 1470 von dem italienischen Maler Piero della Francesca und heute in den Florentiner Uffizien hängend, stellen sie den „Stadtvater“ Urbinos und seine Gattin, Federico da Montefeltro und Battista Sforza, dar. Auf deren Spuren begaben wir uns Anfang Juli…
Diesmal handelte es sich bei dem Fortbewegungsmittel wieder um einen Mietwagen. Doch es verlief vieles anders als geplant… 😉 Nachdem wir aus diversen Gründen mit drei Stunden Verspätung den Wagen abgeholt hatten, fuhren wir mit Hilfe des Handynavis aus Florenz raus. Da dieses aber oft ungenaue und nervige Ansagen macht, schalteteten wir es kurz danach aus und orientierten uns an den Schildern gen Arezzo. Erstens mussten wir sowieso dort entlang und zweitens begleitete uns bis dahin der Engländer Jo, so dass wir uns unterhielten.
Irgendwann endeten aber die Hinweise nach Arezzo. Während wir weiter quatschten, folgten wir ganz entspannt den Serpentinen gen Forlì. Erfahrene wissen nun schon, dass wir damit auf dem Holzweg waren. 😉 Nach etwa 40 Minuten machten wir Pause auf dem Pass und erkannten auch endlich unseren Irrtum. Das bedeutete aber leider, dass wir einen Großteil des Weges zurückfahren mussten, um wieder auf die richtige Strecke zu kommen und Jo am Bahnhof in Arezzo absetzen zu können.


Nun, Jo muss einen seltsamen Eindruck von uns Deutschen erhalten haben! Irgendwie sind wir halt nicht mehr das, was wir früher einmal waren! 😉 Bekommen Projekte nur mit großer Verzögerung und wesentlich höheren Kosten fertiggestellt, sind nicht pünktlich (ich bin meistens fünf Minuten zu spät hier), mögen kein Bier (okay, gilt jetzt nur für mich), verfahren sich und das obwohl prinzipiell Navihilfe zur Verfügung steht… Und dabei hatten wir extra einen Mietwagen gewählt, um schneller als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein. Haha!
Mit erheblicher Verspätung lieferten wir also Jo in Arezzo ab und machten uns, nun zur Sicherheit wieder durch das Navi über mitunter schmale und schlechte Straßen, aber malerische Landschaften geleitet, auf den weiteren Weg. Als wir dann endlich ankamen, checkten wir schnell in der Unterkunft ein und gingen dann, schon kurz vor Sonnenuntergang, in das Zentrum der kleinen Universitätsstadt, wo uns nur noch Zeit für einen ersten Rundgang und die Restaurantsuche blieb (wir landeten in der Taverna degli Artisti, die konservativer war, als ihr Name vermuten ließ. Die Pizza war aber gut und hat ziemlich gestopft… 😉 ).
Erst am nächsten Morgen begann somit die eigentliche Stadtbesichtigung. Erstes und bedeutendstes Ziel war der vom schon oben genannten Federico da Montefeltro errichtete gigantische Palazzo Ducale (Herzoglicher Palast). Der etwa ab 1450 massiv umgebaute und erweiterte Palast ist das größte derartige Renaissancegebäude in Italien. Heute befindet sich neben dem Museum die Galleria Nazionale delle Marche mit ihrer bedeutenden Renaissance-Gemäldesammlung darin.




Wenigstens war an diesem Tag unser Timing besser: Wir kamen rechtzeitig im Palazzo an, um erstens an einer Führung teilzunehmen; und während wir diesen besichtigten, ging zweitens über die Stadt ein Gewitter nieder – die teilweise riesigen Säle erbebten und verstärkten den Widerhall des Donners beeindruckend!
Nach dem obligatorischen Stärkungs-caffè ging es, weil die Sonne gerade wieder schien, anschließend schnell hoch zur Fortezza (Festung) Albornoz, von wo aus man einen fantastischen Blick auf die Stadt und Gelegenheit für eine Rutschpartie mit einer Seilbahn hatte!



Zum Mittag probierte ich die mir schon in Florenz empfohlene gefüllte Crescia – die regionale Form des italienischen Fladenbrotes Piadina. Allerdings ist dieses nicht für Vegetarier geeignet, da der Teig mit Schweineschmalz gemacht wird (war auch recht mächtig).

Da sich der Himmel nun wieder verfinsterte, entschieden wir uns für einen weiteren Museumsbesuch und gingen in das Geburtshaus des berühmten Malers Raffael (die Casa natale di Raffaello bzw. Casa Santi nach dem Familiennamen). Hier soll der Künstler am 28. März 1483 im Haus seines Vaters Giovanni – ebenfalls Maler und wohl Lehrer Raffaels – geboren worden sein. Heute ist es ein privates Museum, das mit einem Sammelsurium an mehr oder weniger authentischen „Devotionalien“ ausgestattet ist.


Nachdem wir durch die Besichtigung größtenteils das Unwetter abgepasst hatten, schauten wir uns noch das Oratorio di San Giovanni mit den beeindruckenden, aber etwas grotesken Fresken der Gebrüder Salimbeni an und machten uns dann auf den Rückweg.
Die geplante Rückfahrt mit dem Mietwagen gestaltete sich anfangs erneut schwieriger als gedacht: Der Wagen wollte nicht starten! Während der Debatten mit dem Mietwagenverleiher, wie wir jetzt am besten weiter verfahren, stellte sich aber heraus, dass ich – obwohl ich der Meinung war, alles wie immer gemacht zu haben – die Kupplung nicht komplett durchgetreten hatte. Neue Wagen haben hier einen eingebauten Schutz, so dass das Auto nicht anspringt, wenn ein Gang eingelegt ist, damit es nicht einen unerwarteten Satz macht. Oh man, war das peinlich für mich… 😉 Die Rückfahrt selber verlief dann aber unspektakulär, unterhaltsam und recht zügig.


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