In einem der bedeutendsten Museen Florenz, der Accademia di Belle Arti, befindet sich in einem großen Saal eine etwas unscheinbare Sammlung. Zahlreiche Gipsabgüsse – Büsten, aber auch Figurengruppen – sind im ganzen Raum verteilt. Hierbei handelt es sich größtenteils um den Nachlass des toskanischen Bildhauers Lorenzo Bartolini.
Bartolini (1777 – 1850) war in Paris und Carrara tätig, bevor er 1815 nach Florenz kam. Dort berief man ihn 1839 als Nachfolger von Paolo Ricci zum Dozenten an die Accademia, welche übrigens als erste ihrer Art schon 1563 unter der Schirmherrschaft Cosimo I. de’ Medici durch die Künstler Bartolomeo Ammanati, Agnolo Bronzino und Giorgio Vasari eingerichtet wurde!
Bartolini, der sehr produktiv war, fertigte die Gipse selber an, damit seine Gehilfen während der Abwesenheit des Meisters diese als Vorlagen verwenden konnten. Für eine korrekte Umsetzung nach seinen Wünschen drückte er in die noch weichen Gipse Eisennägel (die sichtbaren schwarzen Punkte), anhand deren seine Mitarbeiter sich bei der Ausarbeitung in Marmor orientierten. Es handelte sich also um eine recht effektive Arbeitsteilung!


Bartolini machte sich als Bildhauer einen Namen, weil er die Werke der berühmten Renaissance-Künstler nicht einfach wie viele andere Künstler kopierte, sondern lebende Modelle zu Hilfe nahm und so naturalistischere Plastiken schuf. Nach seinem Tod am 20. Januar 1850 in seinem florentinischen Haus im Borgo Pinti vermachten seine Nachkommen die Sammlung der Stadt.

Des Weiteren befinden sich in dem Saal Gipse des florentinischen Bildhauers Luigi Pampaloni (1791 – 1847), der die Statuen der Domerbauer am Palazzo dei Canonici schuf, sowie Gemälde von Künstlern, die in der Accademia gelernt haben und später bekannt wurden (z.B. Cesare Mussini und Silvestro Lega).


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