In der Loggia dei Lanzi an der Piazza della Signoria stehen diverse berühmte Statuen (siehe Titelbild). Eine davon stammt vom „bad boy“ der italienischen Bildhauer des 16. Jahrhunderts, dem Florentiner Benvenuto Cellini. Über diese berichtete der Historiker und Italienreisende Ferdinand Gregorovius 1856:
„Der Perseus ist zierlich und manieriert. […] Er steht, mit der Linken das Medusenhaupt erhoben, in der Rechten das kurze Schwert, auf dem krampfhaft verzerrten Leib der Medusa. Dieser aber liegt über einem Gewand und Kissen; Haupt und Rumpf strömen Blut aus, von dem man nicht sagen mag, ob es Blut sei oder Stoff von Natternbildung. Unangenehm geziert ist das krause Haar des Heros, der die geflügelte Sturmhaube ziemlich kokett auf dem Scheitel trägt. […] Das Ganze ruht auf einem architektonischen Piedestal, in dessen vier Nischen kleinere, sehr zierliche Bronzefiguren stehen, nämlich Merkur, Jupiter, Venus und Minerva.“
Ferdinand Gregorovius, Die öffentlichen Monumente von Florenz (1856)
Den Auftrag zu dieser Statue erhielt Cellini nach eigenen Worten direkt von Herzog Cosimo I. de‘ Medici im Jahre 1545. Innerhalb von wenigen Wochen, so Cellini in seiner Autobiografie, habe er einen ersten Entwurf in gelblichem Wachs angefertigt, welches der Herzog kurz darauf in Augenschein nahm:
Nachdem er das Modell genug betrachtet hatte, gefiel es ihm immer mehr; zuletzt sagte er: Wenn du, mein Benvenuto, dieses kleine Modell in einem großen Werk ausführtest, so würde es die schönste Arbeit sein, die auf dem Platze stünde. Darauf sagte ich: Gnädigster Herr! auf dem Platze stehen die Werke des großen Donatello und des verwundersamen Michelagnolo, welches beide die größten Männer von den Alten her bis jetzt gewesen sind; indessen erzeigen Eure Exzellenz meinem Modell eine zu große Ehre, und ich getraue mir, das Werk dreimal besser zu machen. Darüber stritt der Herzog ein wenig mit mir und sagte: er verstehe sich recht gut darauf und wisse genau, was man machen könne. Da versetzte ich: meine Werke sollten seine Zweifel über diese Streitfrage auflösen, und gewiß wollte ich ihm mehr leisten, als ich verspräche; er möchte mir nur die Bequemlichkeit dazu geben, denn ohne dieselbe wäre ich nicht imstande, das große Unternehmen zu vollbringen, zu dem ich mich verbände. Darauf sagte Seine Exzellenz: ich sollte ihm schriftlich anzeigen, was ich verlangte, und zugleich alle Bedürfnisse bemerken; er wolle alsdann deshalb umständlichen Befehl erteilen.
Leben des Benvenuto Cellini, florentinischen Goldschmieds und Bildhauers, von ihm selbst geschrieben. Übersetzt und mit einem Anhange herausgegeben von Goethe. J.G. Cottasche Buchhandlung Tübingen 1803 (online abrufbar im Projekt Gutenberg)
Die Realisierung der Statue zog sich allerdings wegen anderer Aufträge über neun Jahre hin und erfuhr zudem diverse Änderungen, welche sich durch den Vergleich der beiden erhaltenen Modelle (eines in Wachs, eines in Bronze) mit der letztlich ausgeführten Plastik nachvollziehen lassen.




Bei dem Wachsmodell, das sich im Museo del Bargello befindet (Inventarnummer 424 CE), ist der Kopf Perseus‘ noch sehr stark nach unten gerichtet und die zu Füßen des Helden liegende Medusa seitlich orientiert. Sowohl am Hals als auch an ihrem Kopf, den Perseus in seiner linken hält, fließt im Vergleich zum Bronzemodell (ebenfalls im Bargello, Inventarnummer 359 B) kein Blut.



Bei letzterem sind am Helm und an den auch die Unterschenkel bedeckenden Schuhen nun Flügel angebracht als Zeichen für die Gaben der Graien (Flugsandalen und Tarnkappe). Der Körper der Medusa ist im Unterschied zur Wachsfigur nach vorne ausgerichtet.



Bei der fertiggestellten Großplastik liegt diese wieder wie im Wachsmodell seitlich vor Perseus unter Beibehaltung der Armhaltung des Bronzemodells. Der Schwertknauf ist anders geformt, die Schuhe sind auf Sandalen reduziert. Hinzugekommen ist dafür ein Gurt mit einer Inschrift, die den Künstler benennt.
P.S.: Wenn man sich die Rückseite der Statue auf Kopfhöhe anschaut, soll man ein „Porträt“ des Bildhauers erkennen können.


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