Im Zentrum Florenz‘ befindet sich die Piazza della Repubblica. Schon seit römischen Zeiten der Mittelpunkt der Stadt – hier befand sich am Schnittpunkt der beiden Hauptstraßen cardo und decumanus das forum – ist der Platz auch heute noch von „Heerscharen“ von Menschen geprägt, die diesen auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause passieren, in den umliegenden Kaffees und Restaurants pausieren, einfach nur promenieren und parlieren, für Fotos oder Karikaturenzeichner posieren, gelegentlich protestieren usw. (mehr Fremdwörter mit „p“ fielen mir dazu gerade nicht ein 🤣).

Seinen ursprünglichen mittelalterlichen Charme (aus unserer Sicht) büßte der Platz und das umgebende Viertel ab dem späten 19. Jahrhundert ein. Auslöser war die Proklamation Florenz‘ zur Hauptstadt Italiens 1865. Zwar verlor die Stadt diesen Titel 1871 zugunsten Roms schon wieder, aber die bereits initiierten Planungen, das heruntergekommene Areal durch „Abriss zu sanieren“ und Florenz ein repräsentatives Zentrum zu verleihen, wurden fort- und umgesetzt.
Ab 1885 legte man dafür die auf dem mercato vecchio (Altmarkt) befindlichen Buden nieder (seit der Errichtung der Loggia des Neumarktes – mercato nuovo – nahe der Ponte Vecchio Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Platz Altmarkt genannt). 1888 trug man die Loggia del Pesce ab, die Giorgio Vasari 1567-1569 im Auftrage der Medici errichtet hatte (diese wurde 1955 auf der Piazza de’ Ciompi rekonstruiert). Der neu entstandene Platz erhielt nun den Namen des Königs Viktor Emanuel II. und es wurde eine Reiterstatue von ihm aufgestellt (die Statue wurde 1932 wiederum in den Parco delle Cascine transferiert). Auch das westlich des Altmarkts sowie das nördlich gelegene Viertel, das ehemalige Ghetto und nun Armenviertel Florenz‘, musste dem Sanierungsplan fast vollständig weichen.


Anschließend wurden im historistischen Stil der Zeit Wohn- und Geschäftsbauten auf den freiwerdenden Flächen errichtet, die Florenz ein großstädtisches Flair verschaffen sollten. Überreste der alten palazzi wie Inschriften – unter anderem zwei Steine der Signori Otto –, Kaminsimse, Konsolsteine usw. gelangten teilweise ins Lapidarium des Museums San Marco, wo heute ein kleiner Ausschnitt davon zu sehen ist.
Seinen heutigen Namen erhielt der Platz erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Übrigens: Das Risanamento genannte Sanierungsprojekt war Teil einer Online-Ausstellung der Photothek des Kunsthistorischen Institutes; dort findet Ihr weitere Bilder.


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