Florenz ist bekannt als Stadt der Renaissance – unbestritten. Dass Spuren vorheriger und späterer Epochen zu finden sind, ist auch ganz klar. Von manchen findet man natürlich mehr, von anderen weniger. Zur letzteren Kategorie gehört der Jugendstil (in Italien bekannt als Liberty).

Ein bedeutender Architekt, der sich diesem Stile zugewandt hatte, war Giovanni Michelazzi. 1879 in Florenz geboren, studierte er bis 1901 an der Florentiner Akademie und starb schon 1920 in seiner Heimatstadt. Michelazzi hinterließ Florenz diverse Jugendstil-Bauwerke, von denen heute nur noch wenige im Stadtbild zu finden sind und den Besucher durch ihre Singularität überraschen.
Beispielsweise sei hier die Casa-galleria Vichi in der Via Borgo Ognissanti genannt, die Michelazzi 1911 fertigstellte. Auftraggeber und auch noch heutiger Besitzer war die Familie Vichi (sprich: Wicki).
In der Via Scipione Ammirato sind sogar zwei benachbarte Gebäude des Architekten erhalten (siehe Titelbild): Die Villino Broggi-Caraceni und die Villino Ravazzini. Um 1907 wurde das rechte der beiden Bauwerke fertiggestellt. Auftraggeber war hier Ettore Ravazzini. Während Michelazzi architektonisch noch sehr zurückhaltend mit den Jugendstil-Elementen spielte, sind es hier vor allem die Dekordetails, die diese Epoche verraten. Die hervorstechendsten, die mehrfarbigen Fliesen, wurden von Galileo Chini ausgeführt, einem Florentiner Maler und Keramiker, der im frühen 20. Jahrhundert wie andere Florentiner Künstler in dem Viertel wohnte.

Auftraggeber der 1911 fertiggestellten Villino Broggi-Caraceni war der römische Schneider Enrico Broggi (1929 kaufte Domenico Caraceni das Gebäude, woher es seinen Doppelnamen erhielt). Diese im reinen Jugendstil errichtete Villa ist das einzige Beispiel in Florenz, bei dem auch die Innendekoration noch erhalten ist. Auch hier zeichneten toskanische Künstler verantwortlich, unter anderem der schon erwähnte Galileo Chini.
Wer mehr über den selten vertretenen Jugendstil in Florenz und den Architekten Michelazzi erfahren möchte, dem sei folgender Artikel empfohlen: Stephanie Hanke, Art Nouveau in Florenz: Die Casa-Emporio und das Villino Broggi-Caraceni von Giovanni Michelazzi, Mitteilungen des Kunsthistorischen Institutes in Florenz, Bd. 46, H. 2/3 (2002), S. 439-489.


Hinterlasse einen Kommentar