Der nächste Tag begann dann ganz entspannt und wir staunten über den Blick aus dem Hotelzimmer direkt auf die Ruinen (siehe Titelbild) von Pompeji. Nach dem späten Frühstück ging es sofort in die antike Stadt, von denen einer der Eingänge wenige Meter von unserem Hotel entfernt war. Sobald man unserer ansichtig wurde, durften wir wieder an der Warteschlange vorbei und erhielten ganz schnell unsere Eintrittskarten ‒ erneut für uns beide kostenlos! Und auch auf dem Gelände hatte man schon vorgesorgt, wie wir schnell feststellen konnten.


Pompeji mit Rollstuhl
Am Eingang kann jeder Besucher eine Karte der antiken Stadt mitnehmen, auf der für Rollstuhlfahrer geeignete Wege eingezeichnet waren. Diese gibt es hier auch direkt online. 😉 Geschickt hat man dafür die Gegebenheiten ausgenutzt und auf den Trittsteinen, die schon den antiken Passanten eine gefahrlose und saubere Überquerung der Straßen boten, Metallgitter installiert, die auf Fotos zudem kaum auffallen! Trotzdem ist es durch die vielen Unebenheiten und Absätze fast unmöglich, dies alleine zu meistern, vor allem, wenn man mal in kleinere, unpräparierte Häuser hineinschauen möchte. Nun, wir taten es natürlich gemeinsam und es war beeindruckend!





Sorrent und Capri
Am nächsten Tag fuhren wir mit der Circumvesuviana nach Sorrent weiter und von dort mit einer Fähre nach Capri. Um zum Hafen zu gelangen, kann man entweder vom Bahnhof mit dem Bus oder in der Innenstadt mit einem Aufzug nach unten fahren. Bei letzterem fiel uns auf, dass die Ticketfrage für Rollstuhlfahrer doch sehr willkürlich gehandhabt wurde. Mal mussten wir bezahlen, mal nicht.
Auf Capri wird man von diversen Anbietern zu Inselrundfahrten gedrängt, was wir aber sowieso vor hatten. Aber Achtung: Obwohl man uns die „Blaue Grotte“ mit verkaufte (deswegen entschieden wir uns für den Anbieter!), kostete diese 14 € extra! Zudem hätte man uns außerhalb der Grotte abgesetzt, wo wir lange hätten warten müssen, um mit einem kleinen Fischerboot in die Grotte einzufahren. Das nächste Rundfahrtboot hätte uns dann wieder aufgenommen…
Um diese Enttäuschung zu kompensieren, nahmen wir anschließend auf der Insel erneut eine Bergbahn nach oben in die Innenstadt ‒ und wieder ging es vorbei an der Warteschlange. 😀 Dafür war es dort oben dann recht anstrengend, die engen steilen Wege zu nehmen, vor allem für den Schiebenden…






Positano
Auch am Folgetag war Kraft gefragt, als wir in Positano an der Amalfiküste waren. Leider gab es hier einige Treppen, die man nicht mit dem Rolli meistern konnte. Zum Glück sind wir ein eingespieltes Team und ich suchte die günstigsten Wege mit den wenigsten Treppen, auf denen Tobi dann runterrobbte. So kamen wir nach kurzer Anstrengung unten an und hüpften dort ins kühle Nass. Dass uns auch hier immer wieder Hilfe angeboten wurde, brauche ich schon gar nicht mehr zu erwähnen (was bitte nicht als Abwertung aufgefasst werden soll!). Auf dem Rückweg konnten wir in Sorrent, wo Tobi erneut ins Wasser hüpfte, die rote Sonne bei Capri ins Wasser versinken sehen… 😀





Besuch des Vesuvs
Das letzte Highlight unseres Kurzurlaubs war eine ungeplante Fahrt auf den Vesuv. Von Pompei nahmen wir einen Regionalbus bis zur Endhaltestelle auf rund 1.000 m Höhe. Der freundliche Busfahrer warf uns nicht, wie die anderen, an der biglietteria raus, sondern nahm uns noch die vielleicht zweihundert steilen Meter mit bis zur Wendestelle direkt am Eingang. Dort sagte man uns erst, dass der Aufstieg mit dem Rolli bis zum Kraterrand nicht möglich sei. Nach dreimaligem Nachfragen (ja, manchmal geht es doch nicht ganz so einfach) erklärte man uns schließlich, dass es dafür einen Service gäbe. Nachdem wir hier den vollen Eintrittspreis gezahlt hatten (wie gesagt, ist etwas willkürlich), fuhr man uns mit einem kleinen, klapprigen 4×4-Fiat Panda dann doch die letzten 400 m hoch und wir konnten gemeinsam in den ruhenden Schlund und in den Golf von Neapel blicken! Dafür erhielt der Fahrer auch ein Trinkgeld!


Leider kam anschließend der Bus nach Neapel nicht, so dass wir für die Rückfahrt ein Sammeltaxi bis Torre del Greco und von da aus den Zug nahmen. Bei der Ankunft öffneten die Zugbegleiter uns einen Fahrstuhl und Türen, die kein normalgehender Passagier jemals genutzt hat. Zuletzt gönnten wir uns eine typisch neapolitanische Pizza und fuhren dann getrennte Wege ‒ Tobi zurück zum Flughafen und ich wieder nach Firenze…
Inklusion in Italien
Zum Abschluss möchte ich noch einige Worte zum Thema Inklusion in Italien anbringen: Im Gegensatz zu Deutschland ist Italien hier schon seit vielen Jahrzehnten aktiv! Das bedeutet zum Beispiel, dass behinderte und nicht behinderte Kinder seit 1971 gemeinsam zur Schule gehen und dass Behörden, Museen und Kirchen rolligerechte Zugänge anbieten. Durch das gemeinsame Aufwachsen verschwinden die Berührungsängste, die viele Menschen gegenüber Behinderten haben, es wird zur Normalität und die Hilfsbereitschaft steigt. Auch werden Menschen dadurch nicht so sehr nach dem Äußerlichen bewertet – ein Punkt, an dem wir uns (ich eingeschlossen) ein Beispiel nehmen sollten!
Wer noch einmal Teil 1 anschauen möchte, klicke hier. Und für unsere Tour in Sizilien klicke hier.


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