Nun, ganz so schlimm, wie hier 1997 in einer Animation dargestellt, ist es in Florenz nicht. Von der Mentalität eher zu Norditalien zählend verläuft der Verkehr beispielsweise gegenüber Rom relativ gleichmäßig und ruhig (man hupt hier auch nicht so häufig wie in Rom) und auf Fußgänger wird stärker als in Deutschland Rücksicht genommen. Das liegt auch daran, dass Italiener im Straßenverkehr immer erwarten, dass jemand einen Fehler macht.
Auch das Anstellen an Museen, Behörden etc. verläuft ebenfalls recht geordnet. Falls sich aber doch mal jemand vordrängelt, wird lange und lautstark diskutiert, bis eine Partei aufgibt (so erlebt bei der Wiedereröffnung des Museo degli Innocenti – letztlich gab sich der Reindrängler geschlagen und zog sich wieder zurück).
Den im Video sichtbaren Schilderwald findet man aber in der Toskana ebenfalls (meiner Meinung nach ist der Protest gegen diese chaotischen und unübersichtlichen Aufstellungen einer der Gründe, warum der Künstler CLET provokativ die Schilder modifiziert – so werden sie wenigstens wieder wahrgenommen).
Und auch bei den Bussen passiert es häufiger, dass man – bei einem eigentlichen Turnus von 10 oder 15 Minuten – eine halbe Stunde wartet und dann gleich drei Busse hintereinander kommen, von denen der erste ganz voll, der zweite leicht besetzt und der dritte ganz leer ist. 😀 Die Haltestellen werden aber wenigstens korrekt angefahren! (wobei man darauf achten muss, dem Fahrer des nahenden Busses mit dem ausgestreckten Arm ein Zeichen zu geben)
Etwas, was es auf jeden Fall auch in Florenz gibt, ist die teilweise chaotische Bürokratie. Um beispielsweise einen Ausweis in der hiesigen Nationalbibliothek zu erhalten, wird man quer durch das gesamte Gebäude und über alle Etagen „gejagt“, erhält aber schon (wenn man schnell ist) nach einer Viertelstunde den Ausweis. Also so schlecht organisiert sind sie hier doch nicht… Trotzdem fühlt man sich bei manchen Dingen tatsächlich an das „Haus, das Verrückte macht“ bei „Asterix erobert Rom“ erinnert. Ich hätte ja gedacht, dass der Animator – Bruno Bozzetto, bekannt für seinen Trickfilm „Herr Rossi“ – aus Mittel- oder Süditalien stammt und seine Erfahrungen verarbeitet hat, aber nein, er ist Mailänder!


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