Über Roselle und Massa Marittima nach Montescudaio
Am nächsten Morgen bestiegen wir nach dem Frühstück erneut unsere schwarze Seifenkiste und fuhren ganz entspannt eine knappe halbe Stunde gen Nordosten. Dort lag das nächste anvisierte Ziel: Die etruskisch-römische Stadt Roselle.

Diese existierte etwa zwischen 800 vor und 1200 unserer Zeitrechnung, wobei der Niedergang schon mit der römischen Eroberung 294 v.u.Z. begann. Auf dem großen, aber leider nur teilweise ergrabenen Gelände finden sich noch heute beeindruckende Reste von Wohnarchitektur aus etruskischer, hellenistischer und römischer Zeit, daneben Thermenanlagen, Basiliken, das Forum, kleinere Tempel, eine Zisterne, ein Handwerkerviertel, das Amphitheater und die gigantische Stadtmauer. Ich hatte den Eindruck, dass ich Anni – trotz der langen Steinbeschau und -analyse und des Lehrstundencharakters – doch etwas für die Tätigkeit eines Archäologen begeistern konnte. 😉



Im Anschluss ging es weiter nach Massa Maritima, welches sich uns wieder als ein typisches toskanisches Bergstädtchen präsentierte. Da im Spätmittelalter die Einwohnerzahl durch Malaria stark dezimiert wurde und danach nur sehr langsam wieder anstieg, ist die alte Baustruktur größtenteils noch erhalten. Interessant ist, dass die Neustadt mit der sienesischen Festung höher liegt als die Altstadt! Nach einer Kaffee- und später noch Eispause kurvten wir (im wahrsten Sinne des Wortes – der zweite und dritte Tag war serpentinen- und steigungsreich) nach Montescudaio zu unserer letzten Unterkunft. Nachdem wir eingecheckt hatten, fuhren wir sofort ans Meer, um noch einen letzten Blick auf die versinkende Sonne zu werfen und anschließend an der Uferpromenade mal wieder zu Abend zu essen (die Qualität war nicht erwähnenswert).




Über Volterra und San Gimignano eiligst nach Florenz zurück
Der letzte Tag begann mal wieder mit – Überraschung – Regen! Deshalb entschieden wir uns, nicht noch einmal am Meer vorbei zu fahren, sondern gleich das nächste Ziel in Richtung Florenz anzusteuern: Volterra. Die Stadt fühlte sich noch einmal wie ein Mix aus allem zuvor Gesehenen an: Kleine mittelalterliche Oberstadt mit schönem Rundumblick in die Toskana, ein etruskisches Stadttor, ein römisches Theater… Nachdem wir uns durch den Ort (der etruskische Name lautete übrigens Velathri, falls es jemanden interessiert) hatten treiben lassen, mittagten wir auf einer Piazza. Ich probierte die einheimische Gemüsebrotsuppe Ribollita.





Gemütlich rollten wir im Anschluss nach San Gimignano – dem „Manhattan des Mittelalters“. Diese scherzhafte Bezeichnung rührt von den teilweise noch in voller Höhe erhaltenen sogenannten Geschlechtertürmen (Wohntürme reicher Familien; siehe Titelbild oben, aufgenommen bei der Anfahrt). Während in den übrigen toskanischen Orten diese Häuser auf Beschluss der Stadträte oftmals auf eine einheitliche Höhe zurückgebaut werden mussten, um dem ausartenden Konkurrenzkampf Einhalt zu gebieten, wurde in San Gimignano weiterhin „hoch gestapelt“!
Nach der Stadtbesichtigung gab es zum Abschluss ein Eis: Wir hatten die Wahl zwischen der besten gelateria der Welt und – ebenfalls an der Piazza della Cisterna (wo wir dann auch das Eis verspeisten), circa 50 Meter weiter – der zur weltbesten gelateria gewählten Eisdiele. Wofür haben wir uns wohl entschieden? Natürlich für die weltbeste! 😉 Unter den Sorten gab es immerhin mal etwas ungewöhnlichere – Zimt und Vernaccia (der regionale Weißwein) fallen mir gerade nur ein –, aber der Welt bestes Eis war das noch lange nicht. Es geht doch nichts über unsere „heimische“ (sprich florentinische) Gelateria dei Neri!




Nach diesem kleinen enttäuschenden Test brachen wir zu unserem Wägelchen auf, um in aller Ruhe nach Florenz zurückzufahren. Bis zur angemeldeten Rückgabe des Wagens (gegen 21:30) hatten wir schließlich noch über drei Stunden Zeit bei einer Wegstrecke von etwa 50 km, wobei es sich bei mehr als zwei Drittel um Autobahn handelte. Aber sieben Kilometer vor der Abfahrt kam es natürlich zum typischen Sonntagabendstau, befeuert durch zwei Baustellen und der Mündung der Autobahn in die Stadt, und wir bewegten uns langsamer als Schritttempo. Erst in der Stadt ging es wieder zügiger voran; dort nervte jedoch das Navi wieder mit seinen ungenauen Angaben und seiner langsamen Reaktionszeit.
Nachdem ich Anni endlich gegen 21:20 Uhr am Bahnhof abgesetzt hatte, raste ich in Richtung Flughafen zur Verleihstation. Zwischendurch versuchte ich an mehreren Tankstellen mit Bankkarte zu tanken, doch an den meisten (schon im Nachtmodus ohne Bedienung) wurden nur Bargeld oder die Geldkarte akzeptiert. Erst bei der vierten konnte ich mit meiner Bankkarte für 8 Euro den Tank wieder auffüllen (der kleine Fiat war wirklich sparsam trotz Bergstrecken) und raste nun weiter durch das mir glücklicherweise vertraute Gebiet und mitunter den „Rat“ meines Navis ignorierend (so fuhr ich, ganz italienisch, knapp 50 m umgekehrt in eine leere Einbahnstraße, um in die Einfahrt des Verleihers zu kommen; mein Navi wiederum hatte irgendwie leider die richtige Straßennummer ignoriert), aber kam so mit nur einer leichten Verspätung von etwa 10 Minuten an. Puh, das war noch einmal ein Stress zum Ende!
(wer den ersten Teil verpasst hat oder noch einmal anschauen möchte, klicke hier)


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